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Der Landeshauptschießstand In Arzl

Der Landeshauptschießstand in Arzl

Wie Manfred Roilo als Erster richtig vermutete, versteckt sich hinter dem Rätselfoto vom 12. Juni tatsächlich der Landeshauptschießstand – wenn auch nur ein Teil davon. Der Schießstand wurde, nach dem Konkurs des alten Schießstandes in Mariahilf im Jahr 1888, im bis dahin unbebauten Augebiet im heutigen Neu-Arzl errichtet. 1893 eröffnete man ihn unter Beisein des Kaisers Franz Joseph, was natürlich zeitgleich in den Innsbrucker Nachrichten berichtet wurde.

Artikel aus den Innsbrucker Nachrichten vom 29. September 1893 –  hier in voller Länge zum Nachlesen.

Das markante Gebäude, zu sehen am Titelbild um das Jahr 1940, ist weithin bekannt und sicher den meisten hier ein Begriff, doch den Zubau südlich davon kann man am Bild bedauerlicherweise nicht erkennen. Leider befindet sich in unserem Bestand keine Nahaufnahme, die den Zubau mit dem Haupthaus gemeinsam zeigt, nur auf Luftbildern oder Panoramaaufnahmen ist das gesamte Bauwerk zu sehen.

Auf dieser Luftaufnahme aus dem Jahr 1933 sieht man am unteren Rand den Schießstand mit einem danebenstehenden Gebäude, aber ohne den durchgehenden Anbau. Da er in den 1940er Jahren definitiv schon existiert hat, wie das Rätselfoto beweist, muss er der Logik nach dazwischen errichtet worden sein. In den Bauakten der Stadt findet sich dazu allerdings kein Hinweis. Ob man auf den im Jahr 1940 aufgenommenen Luftbildern aus dem Laser und Luftbild Atlas Tirol (online) den kompletten Zubau schon sieht, ist schwer zu sagen, vielleicht können unsere fachkundigen Leser dies besser beurteilen. Der Hinweis von Herrn Roilo, dass man den Schießstand vergrößern wollte ist ebenfalls richtig – die Pläne dafür wurden damals beim Bauamt eingereicht, der Krieg verhinderte allerdings die Durchführung. Nach dem Krieg blieb vorerst alles beim Alten.

In diesem Foto, aufgenommen vom Scheibenbichl in Richtung Arzl aus dem Jahr 1956, kann man am rechten Bildrand gut den Schießstand nebst weißem Anbau erspähen. Das beste Nachkriegsfoto hat Herr Unterholzner gefunden – zu finden hier.

Der mir bis jetzt völlig unbekannte Pistolenschießstand, den Frau Stolz erwähnte, kam laut Bauakt erst 1966 dazu und ist im Bild von Richard Frischauf gut zu sehen, ob es davor schon einen gegeben hat, konnte bis jetzt nicht eruiert werden.

Der Schießstand wurde erst Ende der 1960er abgerissen und musste den Neubauten im O-Dorf weichen.

Dies Bild vom Abriss dürfte wohl die letzte Aufnahme des Landeshauptschießstandes sein.

Ich will mich an dieser Stelle außerordentlich für die rege Teilnahme am Rätsel bedanken. Durch die vielen Anmerkungen und Hinweise entstand auch für uns ein enormer Wissensgewinn zu diesem Thema.(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, , Sommer 3_261, KRNE-3860, KRNE-8149, Ph-9372 Frischauf Bild, Ph-5137)

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare
  1. Auf der Luftaufnahme vom 26.10.1946
    https://lba.tirol.gv.at/public/bild.xhtml?id=131224

    kann man das ganze noch unverbaute Gelände des Landeshauptschießstandes mit den zwei Kugelfängen besonders gut ausnehmen. Beim größeren geschah die Schotterentnahme für den streng geometrischen Hügel (‚Walmdach‘) unmittelbar nordwestlich davon, übrig blieb eine ‚Gstättn‘ inklusive einer Lacke bei entsprechendem Grundwasserstand.

    Auf diesem Bild sieht man auch noch die Linienführung der Umfahrungsbahn für Innsbruck samt den Pfeilern der Innbrücke. Das Material (Schienen, Träger) wird zu dieser Zeit schon zur Reparatur anderer im Krieg zerstörter Anlegen verwendet worden sein.

  2. Guten Tag Herr Herbst,
    ich habe inzwischen versucht, eine evtl. bauliche Entwicklung des Landeshauptschießstandes anhand der dort in den Jahren 1938 bis 1944 abgehaltenen Landesschießen nachzuvollziehen. Nicht gerade wissenschaftlich, aber zumindest chronologisch.
    1. Tiroler Landesschießen
    10. – 19. September 1938 – Innsbruck, Landeshauptschießstand
    aus: Tiroler Landbote vom 22. September 1938 (Seite 3 f.)
    Der Gauleiter stellte ferner mit Genugtuung fest, daß die Volksgenossen des Gaues mit Freude, ja mit Begeisterung seinen Aufrufen gefolgt sind.
    […] „Es hat sich allerdings gezeigt, daß der Tiroler Landeshauptschießstand diesem Andrang fast nicht mehr gewachsen war und der für das nächstemal zu gewärtigenden Beteiligung sicher nicht mehr gewachsen sein wird. Diese Erkenntnis ist uns aber keineswegs unlieb, und ich werde dafür Sorge tragen, daß in der Gauhauptstadt ein Schießstand mit mindestens doppelt so vielen Ständen errichtet wird, als der heutige Landeshauptschießstand hat.“
    4. Tiroler Landesschießen
    29. Juni – 7. Juli 1941 – Innsbruck, Landeshauptschießstand
    aus: Innsbrucker Nachrichten vom 16. Juni 1941 (Seite 3)
    […] Auf den Textseiten des Ladschreibens finden wir […] ein interessantes Uebersichtsbild vom Landeshauptschießstand in Innsbruck in seiner heutigen Gestalt.
    Der Landeshauptschießstand weist 178 Scheibenstände auf. Mit 52 Weitständen auf 150 Meter, 100 Kleinkaliberständen auf 50 Meter, 20 Pistolenständen und 6 Jagdständen ist er nunmehr der größte Schießstand des ganzen Großdeutschen Reiches. […] Es steht also eine sehr lange Schießzeit zur Verfügung. Trotz dieses günstigen Umstandes und der erheblich vergrößerten Zahl der Stände […]
    Diese Einträge lassen m. E. den Schluss zu, dass zwischen dem 1. Landesschießen im September 1938 (Vorsatz zur Erweiterung des Landeshauptschießstandes) und dem 4. Landesschießen im Oktober 1941 (erstmaliger Hinweis auf Erhöhung der Kapazität und wiederholte Bestätigung derselben), eine Erweiterung des Landeshauptschießstandes durchgeführt worden sein muss. Das o. e. „interessante Übersichtsbild“ in der Einladungs-Broschüre wäre in diesem Zusammenhang tatsächlich interessant und möglicherweise eine Bestätigung für meine Annahme.
    Ich habe hier aus Platzgründen nur die beiden relevanten Veranstaltungen erwähnt, kann Ihnen aber gerne die Auflistung aller 7 Landesschießen per Email zukommen lassen, so Sie das wünschen, Herr Herbst.
    Der von Ihnen im Blog erwähnte Bauakt aus dem Jahr 1966 behandelt möglicherweise eine weitere bauliche Veränderung u. zw. die Errichtung eines Zimmergewehr-Schießstandes.
    Und noch ein letzter Hinweis: Als Bildunterschrift zur Luftaufnahme aus dem Jahr 1933 schreiben Sie im ersten Satz: „… sieht man am unteren Rand den Schießstand mit einem danebenstehenden Gebäude …“. Womöglich ist dieses Gebäude (Fachwerk) hier zu sehen (Quelle: Von der Arzler Inn-Au zum Olympischen Dorf – die Geschichte des jüngsten Stadtteiles von Innsbruck, Verfasser: Stadtarchivdirektor Senatsrat Dr. Franz-Heinz Hye, veröffentlicht in der Online-Datenbank des Innsbrucker Stadtarchivs). Ich hoffe sehr, der Link funktioniert, ansonsten sitzen Sie ja im wahrsten Sinne des Wortes an der Quelle.
    https://www.innsbruck.gv.at/data.cfm?vpath=redaktion/ma_v/kultur/dokumente33/stadtarchiv1/o-dorf#page=5
    Und Herr Roilo könnte auf der abgebildeten Skizze der Schießanlagen auch „seine“ Kugelfänge vulgo „Walmdächer“ entdecken 😉
    Freundliche Grüße,
    Ingrid Stolz

    1. Oh, besten Dank, Frau Stolz, dass Sie besonders mit den Kugelfängen an mich gedacht haben! Ich werde am Abend Ihre sehr interessante Zusammenstellung durchstudieren! Die Skizze mit den „Walmdächern“ habe ich bereits gefunden, der Link funktioniert einwandfrei!

    2. Vielen vielen Dank für Ihre tolle Arbeit. Ich habe bei meinen Recherchen schon angenommen, dass die Erweiterung wie sie auf dem Rätselbild zu sehen ist nach 1940 erbaut worden sein muss. Mit ihren Zeitungsartikel haben wir jetzt einen starke Hinweis darauf, dass es vor dem Landesschießen 1941 passiert ist. Ich werde die Bauakten nochmal genauer studieren um zu sehen ob nicht doch etwas vermerkt ist. Es kann aber auch gut sein, dass der Akt es gerade nicht mehr ins Archiv geschafft hat, da Arzl ja erst 1940 eingemeindet wurde. Für die Auflistung aller 7 Landesschießen wäre ich Ihnen sehr dankbar.
      Beim Foto 1933 sieht man sicher den besagten Anbau – der link funktioniert einwandfrei. Nochmals vielen Dank für Ihre Mühe – es freut mich wirklich sehr wie hier alle Beteiligte zusammenarbeiten.

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