Der Kampf um Scharnitz und Seefeld 1945
– aus Sicht der Mayers. Offenbar haben sich die Innsbrucker Fotoamateure aus der Egger-Lienz-Straße zum Ende des NS-Wahnsinns hierher zurückgezogen, ohne damit zu rechnen, dass an der Grenze noch einer der letzten tödlichen Schusswechsel des Zweiten Weltkriegs auf Tiroler Boden stattfinden könnte. Die Bilder sind nicht beschriftet aber sowohl das Wetter (viel Schnee am 1. Mai) als auch das Setup passen nur auf Scharnitz Seefeld (siehe Kommentare).
Mittenwald war gerade ohne Schuss übergeben worden und nun ausgerechnet auf „österreichischem“ Boden begannen die letzten eingegrabenen Wehrmachts-Truppen auf die Amerikaner zu schießen (die mehrere Tage zuvor keinen militärischen Widerstand mehr gesehen hatten). Dabei kamen mindestens 16 Verteidiger und 6 Angreifer=Befreier ums Leben. In unserer Serie zum Kriegsende ist dazu schon ein Text erschienen, der auch mit der lange erzählten Legende aufräumt, dass hier Hitlerjungen versucht hätten, ganz wie im Film „Die letzte Brücke“ noch zu Helden der Verteidigung ihres Führers zu werden (der sich zu diesem Zeitpunkt schon in seinem Bunker erschossen hatte). Dominik Ender hat dazu 2018 bei Thomas Albrich eine Masterarbeit verfasst, die man hier zur Gänze herunterladen kann.
Ganz ungefährlich kann es nicht gewesen sein, Militärs bei der Arbeit zu fotografieren. In den mit-eingeklebten Bildern erkennt man eingegrabene (deutsche) Artillerie, beim Titelbild oben sind schon die Amerikaner in Seefeld. Da die Durchfahrt von Scharnitz wegen der Schießereien mehrere Stunden gedauert hatte, waren die US-Truppen sicher nervös und nicht auf Kiebitze erpicht.
Ein paar Tage später ist der Schnee geschmolzen und der Krieg war auch im gesamten europäischen war theatre endlich vorbei. Zwei Damen posieren vor einem Wasserfall (heute Nähe Klärwerk) für die Kamera.
Danke an die Helfer bei der Lokalisierung!




Bedauerlicherweise, Herr Hofinger, muss ich hier etwas rein grätschen, da keinerlei Aufnahme aus Scharnitz stammt:
Beim Titelbild passt der Hintergrund nicht zum Streckenverlauf der Karwendelbahn. Beim zweiten Bild stimmen die Hügel im Hintergrund nicht zur Topographie des Grenzortes. Bei der dritten Aufnahme ist links oben ein zumindest 4-stöckiges Gebäude erkennbar. Zu hoch. Auch die sich in die Bildmitte senkenden Berge sind nicht von hier. Die Gasse mit den Fußgängern und dem mittig abgelichteten Café könnte möglicherweise Seefeld sein.
Auch der Schnee deutet nicht auf Scharnitz hin. Beim vorhandenen Filmmaterial liegt viel weniger Schnee beim Einmarsch am 1. Mai 1945.
Den Wasserfall kann ich nicht beurteilen da ich das Karwendel mit seinen Tälern viel zu wenig kenne.
Lieber Herr Fasching,
danke für die Korrektur, ich bin froh darum. Mir fehlt natürlich diese Ortskenntnis.
Der Wasserfall ist meiner Meinung nach zu 100% dieser:
https://pid.volare.vorarlberg.at/o:37497/classic
Ob der heute noch so aussieht konnte ich auch nicht mit Bildern belegen.
Könnte es denn in der Leutasch sein?
Ich schreibe oben dazu dass ich hier zu flott war mit den Annahmen und hoffe dass noch jemand den Ort erkennt.
Der verlinkte Wasserfall passt 100%ig. Bei den anderen Fotos erkundige ich mich — Schwarmwissen darf man nicht unterschätzen 😉 Bei Eintreffen weiterer Informationen melde ich mich nochmals.
Definitiv Fotos aus Seefeld: 1. Münchner Straße Blick gegen Geigenbühel 2. Blick Richtung Brunschkopf, Geigenbühel mit Seelos und Schönblick, Kirch- und Klosterwald unbebaut 3. links Hotel Berghof mit Flachdach 4. Münchner Straße, links Gasthof Tiroler Weinstube 5. Wasserfall Nähe Kläranlage
Vielen Dank für die Beschreibungen! Ich ändere die Überschrift.
Lieber RJL,
danke auch von meiner Seite für die Informationen. Super Kenntnis von Seefeld um 1945.
Das Bild 1 hat mir Johann Neuner „Hauser“ und sein Bruder noch genauer beschrieben.
„Blick über die Bahngleise (Vordergrund) hinüber auf den Geigenbühel (Hintergrund).
Links der alte „Philipp“ mit der Holzschupfen (später ersetzt durch einen betonierten Zubau),
rechts ist das Haus vom Bierdepot, Familie Götz.
Die Ausrichtung (nach Süden, Richtung Reith bei Seefeld) und die Type der Artilleriegeschütze (Haubitzen) lässt eher auf US-amerikanische und nicht auf deutsche Artillerie schliessen. Die Geschütze sind nicht eingegraben sondern aufgeprotzt in Stellung gebracht. Auf einem Bild ist ein Tarnnetz zu sehen unter dem sich auch ein Geschütz befindet (Geschützrohr ist sichtbar mit südlicher Schiess-Ausrichtung).
Ich hätte auch gesagt, dass das in Seefeld ist, genau so, wie RJL das auch schon geschrieben hat.
Christine Bloch, die Chronistin von Seefeld, kann eventuell etwas zu den Häusern sagen, die man auf den Bildern sieht.