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Das Theresianum

Das Theresianum

Letzte Woche hatte ich an dieser Stelle das ehemalige Gymnasialgebäude thematisiert. Heute gibt es ein neues Bild zur Thematik „altes Gymnasialgebäude“. 1868 übersiedelte das Gymnasium, nachdem es im Gebäude, das man sich mit der Universitätsbibliothek teilen musste, zu eng geworden war, in das vormalige Franziskanerkloster. Dieses Gebäude sehen Sie im Titelbild. Dort verblieb die Schulgemeinschaft bis zur Fertigstellung eines neues Gymnasialgebäudes neben der Jesuitenkirche im Jahr 1910 – dem heutigen Akademischen Gymnasium. Damit konnten nun auch wieder alle Klassen des Gymnasiums in ein und demselben Gebäude Platz finden, denn einige der höheren Klassen waren zwischenzeitlich im Universitätsgebäude untergebracht gewesen.

Das ehemalige Franziskanerkloster hatte im Übrigen auch schon vor der Unterbringung des Gymnasiums einen bildungsgeschichtlichen Hintergrund: dort war von 1775-1784 und von 1826-1848 die Theresianische Ritterakademie untergebracht. Das Theresianum oder Collegium nobilium, wie es auch genannt wurde, war ein Kolleg, in dem junge Adelige (Gymnasiasten und Studierende) wohnen konnten und eine standesgemäße Erziehung und Betreuung erhielten. Neben der Verköstigung und Versorgung mit frischer Wäsche erhielten die Stipendiaten auch Unterricht in modernen Sprachen oder Nachhilfe durch eigene Lehrer. Daneben wurden die jungen Adeligen auch im Tanz und der Fechtkunst unterrichtet, wie es sich für ihren Stand geziemte. Über die Stipendien im Theresianum berichtet beispielsweise Ignaz de Luca in seiner Arbeit zur Geschichte der Universität.

Nach dem Gymnasium beherbergte das ehemalige Franziskanerkloster seit den 1929 das Volkskunstmuseum. Im Bild schön zu sehen ist noch der Schriftzug k.k. Staatsgymnasium am Dach des Gebäudes. Auch das schmiedeeiserne Gatter am Beginn der heutigen Angerzellgasse ist noch vorhanden.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Ph-7924)

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Wenn man die alten Zeitungen liest, gewinnt man den Eindruck, dass es sich bei diesem Gebäude schon vom baulichen Zustand her geradezu um eine „Horror-Schule“ gehandelt hat. Die Innsbrucker Nachrichten vom 15. Feber 1902 berichten:

    „In längerer Ausführung weist der Bürgermeister darauf hin, dass die Innsbrucker Bürger auf das Staatsgymnasium nicht gut zu sprechen sind. Es wird viel geklagt über den baulichen Zustand der Schule, die Zimmer sind sehr tief, schlecht beleuchtet, sodass es vielen Schülern unmöglich ist, dem Unterricht zu folgen. Die Heizung ist nach dem alten System, es ist keine Ventilation vorhanden, die Closettzustände sind schlecht. Es fehlt jeder Turnsaal, überhaupt soll der Bauzustand nicht unbedenklich sein. Aber die Klagen der Bevölkerung betreffen nicht nur das Gebäude, sondern die Schule selbst. Es scheint an dieser Schule die Absicht nicht so sehr darauf gerichtet zu sein, dass alle Schüler das Lehrziel erreichen, nicht nur dass nur die besser begabten Schüler vorwärts schreiten, sondern vielmehr, dass möglichst viele Schüler durch strenge Classification veranlasst werden, vorzeitig das Gymnasium zu verlassen. Die statistischen Zahlen der letzten Jahre führen in dieser Beziehung eine beredte Sprache. Es ist merkwürdig, dass Schüler, welche hier nicht entsprechen, an anderen Gymnasien Vorzugsschüler werden. Am Staatsgymnasium scheint die Tendenz zu walten, dass die Kloster-Gymnasien mehr Schüler erhalten. Die Missstimmung über das hiesige Gymnasium ist eine vielseitige, fast allgemeine, und jeder Vater, der ein Kind im Gymnasium hat, weiß von dieser Leidensgeschichte zu erzählen!“

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