Alles nur nicht todernst
Kürzlich fiel mir ein kleines, zerschlissenes Büchlein aus dem Jahr 1890 mit dem Titel „Grabinschriften und Marterlen“ in die Hände. Herausgegeben hat es der langjährige Direktor der Innsbrucker Unversitätsbibliothek Ludwig von Hörmann (1837-1924). Es enthält einige kuriose Inschriften, die der fleißige Bibliothekar vorwiegend in Nord- und Südtirol gesammelt hat. Eine kleine Auswahl folgt hier:
In diesem Grab liegt Anich(s)
Peter,
seine Frau begrub man hier erst
später.
Man hat sie neben ihm begraben,
Wird er die ewige Ruh‘ nun haben?
Hier liegt begraben unser Organist.
Warum? Weil er gestorben ist.
Er lobte Gott zu allen Stunden.
Der Stein liegt oben und er liegt unten.
Im Leben roth wie Zinober,
im Tod wie Kreide so bleich.
Gestorben am 17. Oktober,
am 19. war die Leich.
Aufi gstiegen,
Kerschen brockt,
abi gfallen,
hin gwesen.
Hier liegt Elias Gfahr
gestorben im sechzigsten Jahr,
kaum hat er das Licht der Welt erblickt,
hat ihn ein Wagenrad erdrückt.
Hier liegt Martin Krug,
der Kinder, Weib und Orgel schlug.Hier liegt mein Weib Anne,
bei Lebzeit hat sie die Küchl verbrennt in der Pfanne.
Sie lebte in Tugend und Zucht,
und starb plötzlich an der Wassersucht.
Wer´s noch nicht weiß:
In Kramsach, Hagau 82, gibt es den „Museumsfriedhof“. Da liegen zwar keine Verstorbenen, dafür reiht sich ein lustiges Grabkreuz (im Grunde eigentlich ein Widerspruch, gell, ist aber so) neben das andere. Da stehen auch solche Sprüche drauf. Aufzurufen unter museumsfriedhof.info
Also ich halte diese ganzen „lustigen“ Grabsprücheln, egal ob geschrieben oder geschmiedet, für erfunden. Durch Vergleich glaubt man sogar den Seriendichter, Kategorie Reim Di oder i friß Di , herauszulesen.
Stimmt, Herr Hirsch, bin ganz Ihrer Meinung. Vielleicht ein kläglicher Versuch, dem Tod seine Tragik zu nehmen ?
Übrigens: der 4. Spruch von oben is vom Tamerl, Wahnsinn !
Ah, der Tamerl. Die Tücken des Herzkasperl erklärte er uns so:
„Mann gewesen, umgefallen, hin. Herzschlag.“ Kürzer gehts nimmer.
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