Pergament – eine ganz andere Geschichte
Alle guten Dinge sind drei – hier noch ein weiterer Beitrag zu unseren Restaurationsarbeiten im Tiroler Landesarchiv. Diesmal geht es um Pergament. Tanja Hutter, eine der Restauratorinnen im Landesarchiv, hat mir die Arbeitsschritte bei der Restauration von diesem Material gezeigt, mich dabei sehr unterstützt und mich auch für die anderen Arbeiten davor in die Schimmelentfernung eingelernt, über die ich schon in diesem und in diesem Beitrag berichtet habe.
In unseren Kartons mit Akten zur Restauration befand sich auch ein Dokument aus Pergament, zu sehen auf dem Titelbild. Das ist ein Beschreibstoff, der aus Tierhaut hergestellt wird. Dazu wird die Haut zuerst in Kalklauge eingelegt, um sämtliche Haare, die noch daran haften, zu entfernen. Falls bei dem Prozess einzelne Haare übrig bleiben, werden diese mit einem Messer abgeschabt. Anschließend wird die Haut noch im nassen Zustand gepresst und auf einen Rahmen gespannt. So kann sie trocknen und bildet keine Falten.
Bei Pergament unterscheidet sich die Restauration sehr zu den Papierakten, weil es andere Eigenschaften aufweist. Beim Kontakt mit Wasser saugt es dieses auf und dehnt sich sehr stark. Das wäre für die Schrift darauf fatal, deshalb darf es nicht in Alkohol und Wasser eingelegt werden. Die Restauration von diesem Stück sieht folgendermaßen aus:
Schritt 1: Das Pergament wird auf der Sicherheitswerkbank abgebürstet und von Schimmelsporen befreit. So ist auch ein sicheres Arbeiten möglich. Bis jetzt gleicht die Restauration den Papierakten.

Schritt 2: Anschließend muss die Plastikfolie entfernt werden, die über die Löcher geklebt wurde und den Schimmel eingeschlossen hat. Früher war das „state of the art“, aus heutiger Sicht schlägt man aber vor allem wegen den Weichmachern in dem Plastikklebeband die Hände über dem Kopf zusammen. An einigen Stellen geht das Entfernen von Hand. Dort, wo sich Schrift befindet aber nicht, da die Tinte sonst zum Teil mit abgelöst werden würde. Um das Plastik trotzdem zu abzuziehen, benutzen wir ein heißen Metallaufsatz, mit dem wir den Klebstoff leichter von der Oberfläche lösen können.

Schritt 3: Wie man auf dem Titelbild deutlich sehen kann, ist das Pergament sehr wellig und außerdem an manchen Stellen verhärtet. Um es glätten zu können, muss es über einen längeren Zeitraum hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt sein. Die erreichen wir, indem wir eine Wanne mit Wasser in einen Rahmen aus Zedernholz stellen, diesen außerdem mit Wasser besprühen und die Pergamentseiten einzeln auf ein Gitter auf die Wanne legen. Abgedeckt wird unsere Konstruktion mit einer Plexiglasscheibe, so bleibt die relative Luftfeuchtigkeit weitgehend konstant bei etwas über 80 Prozent. Wichtig ist dabei, dass die Seiten nicht mit Wassertropfen in Berührung kommen, diese würden sie stark verziehen.

Im Moment werden die Seiten unter Gewichten gepresst. Voraussichtlich ist das der letzte Schritt unserer Arbeit. Um sie überhaupt faltenfrei zwischen Pappe zu legen, hat es einiger Fingerfertigkeit von Tanja erfordert, der ich dafür und für all die Unterstützung davor und danach meinen größten Dank ausspreche. Vor allem dieser Arbeitsschritt hat mir anschaulich gezeigt, wie widerspenstig und sensibel Pergament sein kann. Mal ist es zu stark gedehnt und zwei Zentimeter weiter links schon wieder zu sehr zusammengezogen. Wenn man wollte, könnte man sich ganze zwei Wochen lang nur mit dem akribischen Glätten der Falten beschäftigen, um ein perfektes Ergebnis zu erzielen. Langweilig wird einem mit diesem Material auf jeden Fall nicht.