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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Post Aus Krasnojarsk – Postskriptum

Post aus Krasnojarsk – Postskriptum

Die österreichisch-ungarischen und deutschen Kriegsgefangenen demonstrierten zwischen 1914 und 1922 an vielen Orten des Russischen Reiches ein außergewöhnliches Organisationstalent. Sie mussten dies zwangsläufig tun, um unter den widrigen, oft lebensgefährlichen Bedingungen in den Lagern zu überleben. Auch die Gefangenen in Krasnojarsk legten unter der Leitung von Major Gustav von der Hellen (1867-1949) bereits im Winter 1914/15 das Fundament für eine Selbstverwaltung „ihres“ Lagers. In weiterer Folge formierte sich ein eigenes k.u.k. Lagerkommando; „daneben gab es weitere Kommandoebenen (Rayonskommandanten, Bataillonskommandanten, Barackenkommandanten, etc.) und zahlreiche Fachabteilungen mit einem oder mehreren Offizieren. Es existierten ein ökonomischer Dienst (geleitet von einem Militär-Intendanten), eine Menagekommission, eine Wohnungskommission, eine Poststelle, eine Offiziersevidenzabteilung und eine Salubritätskommission. Es gab mehrere Proviantoffiziere sowie Aufsichtsoffiziere für die Küchen, die Bäckerei, die Bäder, die Waschküche und für die Holz- und Petroleumversorgung. Wieder andere Offiziere kümmerten sich um die Bestattung und die Nachlässe der verstorbenen Gefangenen, um die die rechtlichen Angelegenheiten und um die Verbindung zu den osmanischen Gefangenen im Lager. Auch die medizinische Versorgung machte – allen bestehenden Mängeln zum Trotz – Fortschritte. Im Winter 1915/16 versahen neben einem russischen Chefarzt insgesamt 37 kriegsgefangene Militärärzte, sieben Tierärzte und acht Pharmazeuten den ärztlichen Dienst im Lager.“

Und auch die Verwaltung des Gefangenen-Friedhofes übernahm mit dem Kaiserjäger-Hauptmann Bruno Weber ein kriegsgefangener Offizier. Weber veranlasste im Herbst 1915 die Anlage eines eigenen Totenbuches, das die Namen von über 1900 verstorbenen Kriegs- und Zivilgefangenen enthält und sich heute bei uns im Stadtarchiv befindet. Auch der Kadett Dr. Georg Schmid (1888-1915) ist darin verzeichnet.

Auszug aus dem Totenbuch des Kriegsgefangenenlagers Krasnojarsk. Georg Schmid ist als Nummer 16 unter den Offizieren verzeichnet. Als Todesursache wurde bei ihm eine Lungentuberkulose vermerkt. StAI, Cod-57.

Über die Entstehung des Kriegsgefangenenfriedhofs in Krasnojarsk berichtete Hauptmann Weber im Totenbuch:

Die ersten verstorbenen Kameraden wurden auf dem städt. russ. Friedhof, Abteilung für Soldaten beerdigt. Mitte November 1914 wurde für die Kriegsgefangenen ein eigener Friedhof geschaffen. […] Der sibirische Winter allein verhinderte, dass die Fürsorge der kriegsgefangenen Offiziere sich unverzüglich auch auf den Friedhof erstreckte. Doch kaum war der Frost der warmen Sonne gewichen u. die Epidemie in der Zeit von Jänner bis Mai 1915 im Erlöschen begriffen, als sich eine Gruppe öster. ung. Offiziere nach dem Friedhof begab, um diesen in Augenschein zu nehmen.
Der Anblick, der sich den Besuchern darbot, war niederdrückend. Das Gesamtbild stellte einen großen Schutthaufen dar, der aus systemlosen Laufgräben gebildet wurde, d.h. unsere Kaneraden wurden nich in Einzelgräbern, sondern in Massengräbern bestasttet. Das Gesehene veranlasste unsere Offiziere das Schreckensbild, den Friedhof, in einen menschenwürdigen Zustand zu versetzen.
So wurde bald mit den Arbeiten begonnen, die sich in erster Linie auf Schaffung eines Systems erstreckten. Gleichzeitig wurden für die verstorbenen Offiziere, Ärzte u. Off.Aspiranten der verbündeten Armeen, die in Einzelgräbern bestattet waren, Gedenksteine bestellt u. der Plan zu einem großen Denkmal für alle verstrobenen Kameraden entworfen.
Schon im August d.J. wurde das erste größere Denkmal, der Granitblock der Tiroler Offiziere feierlich eingeweiht u. 15. kleine Grabsteine gesetzt. Das Aussehen dieses Gottesackers begann sich unseren heimatlichen Friedhöfen zu nähern. […]

Unser Titelbild zeigt das von den Tiroler Offizieren gestiftete Denkmal am Gefangenen-Friedhof von Krasnojarsk. Möglicherweise erhielten die Angehörigen – soweit sie ausfindig gemacht werden konnten – eine Kopie davon. Jedenfalls findet sich im Nachlass der Familie Schmid ein Abzug, in den rechts unten ein Porträtfoto von Dr. Georg Schmid hineinmontiert wurde …

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck)

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