Frühe Aprilscherze
Sucht man in historischen Zeitungen nach lokalen Aprilscherzen, stößt man rasch auf das – hier bereits thematisierte – Jahr 1911, als der Allgemeine Tiroler Anzeiger vermeldete, in Hötting sei wertvolles aber auch gefährliches Radium gefunden worden. Ein Einzelfall? Wenn nein, ab wann findet sich eigentlich Vergleichbares?
Wie man der wikipedia entnehmen kann, geht der Brauch bis in die frühe Neuzeit zurück. „Der Begriff Aprilscherz bürgerte sich jedoch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein.“ Die Volltextsuche auf anno untermauert diese Entwicklung: Der erste Treffer datiert von 1842, bis 1879 fanden sich nur nur 6 weitere Fundstücke. Anschließend brachte 1880 bis 1899 in knapp der Hälfte der Zeit mehr als doppelt so viele Treffer (15). Der Trend ließe sich fortsetzen: Bei nochmaliger Halbierung des Zeitraums (1900-1909) verdoppelt sich die Anzahl erneut (31).
Die Treffer lassen sich in zwei Kategorien unterscheiden. Einerseits Berichterstattung über verwunderlichen Ereignissen, die die Versicherung nach sich zogen, dass sie gewiss kein Aprilscherz seien, sowie despektierliche Kommentare zu Vorgängen, die ebenfalls nicht als Witz gedacht waren. So etwa im allerersten Treffer aus dem Dezember 1842, als eine angebliche koloniale „Heldentat“ im algerischen Mazagran zwei Jahre später als Übertreibung bzw. Erfindung entlarvt wurde, „die nichts mehr ist als ein Aprilscherz“. (Bote von Tyrol 12.12.1842).
Andererseits die tatsächlichen Aprilscherze, die zunächst ihren Weg aus größerer Entfernung in die lokalen Blätter fanden. 1863 ließ sich in Antwerpen ein Kaffeespekulant mit einer alten Zeitung zu überstürztem Kaffeekauf verleiten, 1870 standen galizische Abgeordnete in Wien im Mittelpunkt, 1873 wurden tausende Passanten mit Flugblättern zur Trinitykirche am New Yorker Broadway gelockt und 1880 witterte ein Landbesitzer in Ungarn lukrative Geschäfte mit einer Heilquelle.
Ab den 1880ern scheint auch die Presse ein aprilscherzender Proponent geworden sein, indem sie Falschmeldungen lancierte, etwa von einem dreifarbigen Kometen in Mailand (IN, 6.4.1883), einem Theaterbrand in Mantua (IN, 9.4.1883), dem die Innsbrucker Nachrichten zu ihrem Leidwesen selbst aufgesessen waren, oder einem Meteoriteneinschlag in Fiume (IN, 4.4.1898).
Der erste Innsbrucker Aprilscherz, den ich in dieser Suche ausfindig machen konnte – und auch der einzige vor der Jahrhundertwende – stammt aus dem Jahr 1885. Die Rubrik „Eingesandt“ lässt darauf schließen, dass sich die Urheber des privaten Scherzes durch Einsendung (erfolgreich) verewigen wollten: Einer „Köchin am Marktgraben […] wurde aus glaubwürdiger Quelle mitgetheilt, daß die „schwarzen Mander“ an jedem Gründonnerstag zu einer gründlichen Reinigung in’s Freie geführt würden. Um dieses wichtige Ereigniß nun nicht zu versäumen, lies [sic!] sie Daheim alles im Stich und rannte zu den Franziskanern. Da sie dort aber das versprochene Ereigniß nicht zu sehen bekam, beschwerte sie sich daheim bitter, daß sie um dieses Vergnügen gekommen“ sei. (IN, 4.4.1885)

(Stadtarchiv Innsbruck, FW-M-769. Zeitungsausschnitt, wohl 1889)