Ein Radpionier (noch einer)
Vor kurzem hatte ich in einem kurzen Beitrag an Karl Gstrein erinnert, von dem wir kürzlich ein paar Dokumente und Fotos im Archiv übernommen haben.
Gstrein war begeisterter Radfahrer und Gründungsmitglied der Innsbrucker Schwalben. Dass dessen Freude am Radfahren durchaus familiär bedingt war, hatte mir schon die Recherche in diversen Zeitungsartikeln gezeigt, bei der noch häufiger als Karl, dessen sechs Jahre älterer Bruder Alois (*1869 in Hainburg) zu finden war. Alois Gstrein war in den 1890er Jahren einer der besten Radrennfahrer in Tirol, wie zahlreiche Meldungen über seine Siege und guten Platzierungen bei Radwettfahrten verdeutlichen. Er war Architekt und wohnte damals schon zeitweise in Brixen, wo er sich schließlich ganz niederließ und für zahlreiche Villenneubauten verantwortlich war und es so Wohlstand und Ansehen brachte. Die bekanntesten Projekte, an denen er beteiligt war, sind aber der Umbau von Schloss Vaduz in Liechtenstein und von Schloss Hohenwerfen in Salzburg.
Das heutige Foto zeigt ihn bei seiner großen Leidenschaft mit anderen Tiroler Rennfahrern bei der Straßenmeisterschaft von Tirol 1893. Die Beschriftung sagt zwar 1895, aber das Rennen fand tatsächlich an Pfingsten 1893 statt. Gstrein, der ganz rechts zu sehen ist (die Ähnlichkeit zu seinem Bruder ist nicht zu leugnen) musste sich damals zwar anderen geschlagen geben, für das Siegerfoto reichte es mit dem 5. Platz aber aus. Der erstplatzierte Fritz Held aus Bozen – auf dem Rad sitzend – brauchte damals für die 50 Kilometer lange Strecke zwischen Bruneck und Toblach und retour 1 Stunde und 46 Minuten. Gstrein legte die Tour in 1 Stunde 54 Minuten zurück. Aus Innsbruck ist neben Gstrein auch Karl Wiedner zu sehen. Beide traten für den Innsbrucker Bicycleklub an und lehrten der Konkurrenz regelmäßig das Fürchten. Auch der hier als Zahnarzt bezeichnete Hruschka kam aus Innsbruck, es handelt sich dabei wohl um Josef oder August Hruschka.
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Ph-G-24540)