Post für Klabuschnig
Der Kaiserjägeroffizier Hugo Klasbuschnig (1890-1952) überstand die äußerst verlustreichen ersten Wochen des Ersten Weltkrieges äußerlich unversehrt, musste aber im Winter 1914/15 krankheitsbedingt einige Zeit im Reservespital in Leoben verbringen. Im Feber 1915 rückte er wieder zum 3. Kaiserjägerregiment ein. An seine Eltern schrieb er am Abend des 17. Feber 1915: „Gehe heute wieder in [den] Schützengraben, mir geht es ausgezeichnet – hoffe dasselbe von Euch.“
Drei Monate später, während der für die Mittelmächte erfolgreichen Durchbruchschlacht bei Gorlice-Tarnów, wurde Hugo Klabuschnig schwer verwundet. Von der Front kam er zunächst in ein improvisiertes Spital im mährischen Leipnik (Lipník nad Bečvou). Am 7. Juni 1915 schrieb er an seine Eltern: „Mit Ausnahme eines neus [sic] Verbandmachens gehen die Schmerzen – nur immer kein Schlaf und Appetit. Übermorgen schicke ich Geld. Wenn ihr mir Äpfel schicken könntest [sic], würde ich mich sehr freuen.“

Nach einigen Wochen wurde Klabuschnig von Leipnik ins Reservespital IV (Neue Universität) in Innsbruck überstellt. Dort erreichte ihn auch die oben abgebildete Karte, die ihm einige seiner Regimentskameraden Mitte September 1915 von der Isonzo-Front geschrieben hatten.

Unter den Unterzeichnern finden sich neben dem Major Julius Ullmann auch die bekannten Hauptleute Arthur Eymuth und Anton Pfrogner, Hauptmann Anton Proskowetz und Hauptmann Anton Mardegani sowie die Oberleutnants Norbert Fritz, Ferdinand Simeth und Eugen Kaiser.
Klabuschnig erholte sich derweil nur langsam von seiner schweren Verwundung. Mitte Oktober 1915 schrieb er an seine Eltern nach Bozen: „Die Gehversuche machen gute Fortschritte – bin allein gegangen. Der Tee, den ich heute trank hat auch seine Wirkung gemacht – vielleicht stellt sich wieder ein großer Hunger ein, was gibt es Neues in Bozen?“
Eigentlich hätte der Krieg für der Berufsoffizier Klabuschnig nun vorbei sein können. Aber er wollte es anders: „Trotz seiner schweren Invalidität blieb er nicht im Hinterland, sondern versah einen verantwortungsvollen Dienst beim Edelweiß-Korpskommando an der Front. Eine kurze Kommandierung als Ordonnanzoffizier in der Hofburg in Wien unterbrach sein Frontleben, doch rückte er bald wieder zum Edelweißkorps ein. Gegen Ende des Ersten Weltkrieges geriet er noch in italienische Gefangenschaft.“
(Slg. Kurt Klieber, Privatbesitz)
In den Adressbüchern wird der Vater von Hugo Klabuschnig, k. k. Univ.-Oberpedell Gustav Klabuschnig, ab 1909 durchgehend bis lange nach dem Krieg als in der Angerzellgasse 16 wohnhaft notiert. Eigenartig, dass der Sohn seine Feldpostkarten (auch die aus Galizien vom 19. August 1914 aus Teil 1) in die Meinhardstraße 28 nach Bozen schickte.
Eine Frage noch zum Adress-Zusatz „Kassianeum?“: Gab es ein solches in Innsbruck? Von Brixen ist mir ein gleichnamiges Haus bekannt. Vielleicht meinten seine Kameraden aber auch das Canisianum (weil sie nicht genau wussten in welchen Lazarett er unterkam), in diesem war die Abteilung VIII des k. u. k. Garnisonsspitals Nr. 10 untergebracht. Er hat die Karte hoffentlich auch im Reservespital IV (Neue Universität) erhalten, wäre schade um die vielen gut gemeinten Genesungswünsche gewesen.