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8 Monate Anno 1902 (38)

8 Monate anno 1902 (38)

Die so klare Aussicht vom Kölderereck nach Innsbruck hätte ich gerne im Bild festgehalten gehabt. Bei der „Mayr Marie“, die die Rolläden heruntergelassen hatte, dürfte es sich um die Weißwaren-Geschäftsinhaberin mit Sitz in der Landhausgasse 7 handeln. Ausschnitte des Geschäfts kann man in Teil 10 dieser Serie sehen. Laut unseren Online-Adressbüchern war die Inhaberin 1898 und 1899 auch unter dieser Adresse wohnhaft, dann zog sie in die nahe Erlerstraße 14 um, in der sie bis 1934 zu finden ist. Der Laden übersiedelte übrigens 1910 in die Maria-Theresien-Straße 53 und bestand zumindest bis 1937. Wenn man „Marie Mayr“ in unserer Archivdatenbank sucht, findet man die oben abgebildete schön dekorierte Rechnung, ausgestellt 1895 zufälligerweise an eine gewisse „Frau A. Posch“…

Der Name „Schmarl“, der nun schon des öfteren vorgekommen ist, würde auch nähere Beschäftigung verdienen. Interessanterweise ist zu Beginn dieses Tagebuchs immer recht formlos vom „Schmarl“ die Rede, im Eintrag vom 13. Juli 1902 sogar von den „beiden Schmarl“, ab dem 27. Juli heißt es aber immer „Hr. Schmarl“. Wohl der Vater des Burschen? Das legen auch die restlichen Tagebücher nahe. In einem Eintrag vom 23.VII.1904 kam „Hr. Schmarl mit Sohn Rudolf“ zu Besuch. Am 18. September des gleichen Jahres war es „Hr. Schmarl u. sein Bruder“ und am 18. August 1905 wurden sie von „H. Schmarl mit seinem Töchterchen überrascht“. In den Einträgen kamen und gingen sie nach Hall. Knapp 10 Jahre taucht der Name aber auch in den Innsbrucker Adressbüchern auf. Zunächst firmierte der Krämer und Viktualienhändler „Schmarl J. u. Co“ ab 1914 in der Schneeburggasse 7, ab 1924 ist dann Nachfolger Rudolf Schmarl in der Schneeburggasse 11 zu finden. Die Berufsbezeichnung passt auch gut dazu, dass die Schmarls häufig Dinge aus dem Tal hinauf mitbrachten.

6. VIII. 1902. Heute früh erlegte der liebe Onkel Nicolaus einen Rehbock; ich photografierte die Jägergruppe zweimal. L. Tante Anna, Madeleine u. ich waren vorher am Stallsins-Oberleger, Milch holen u. giengen dann gegen Tulfein, wo tiefdunkle Alpenrosen glühen. Die Aussicht war herrlich.

7. VIII. 02. Donnerstag. Wieder schön. Heute gieng ich mit Margreth auf Tulfein bis zum Tulfeinhüttel hinüber, dann auf die beiden Stallsins-Alpen. Gleichzeitig mit uns langte auch Hr. Novak auf der Wetterburg an u. blieb über Mittag hier. Nach 1h eilte ich mit Margreth zur untern Galtererhütte, um dieselbe samt ihren beiden heurigen Bewohnern aufzunehmen. Ich beeilte mich, da es anfieng einige große Tropfen zu werfen; bald ertönte auch naher Donner, wir liefen über die steilen steinigen Wege zur Wetterburg empor; gerade einige Schritte vorher begann es zu gießen. Wir waren herzlich froh, wieder zuhause zu sein, denn ein gehöriges Gewitter begann. Es regnete in Strömen, schauerte, blitzte und krachte an allen Enden. 2 Bauern u. 1 Bub kamen zu uns unterstehen u. blieben auch dann noch längere Zeit sitzen. Es waren der „Schuster“ von Tulfes mit Söhnchen u. Greiderer Sepp, ein Schwager Weindlers. Nach dem Gewitter kam gleich die Sonne. Nun erschien Jaggl, mit einer Gemse beladen, welche er in der Bottacher-Rinn‘ erlegt hatte. Auch ihn photografierte ich mit seiner Jagdtrophae. Er blieb über Nacht bei uns. Abends war „Theepartie“ bei Glock- u. Hammer-Spiel.

8.VIII.1902, Freitag. Das Wetter schaute nicht besonders schön aus, dennoch gieng der l. Onkel Nicolaus mit Jaggl zur „Schaferhütte“ in die Gamsen.““ Margreth u. ich giengen auf‘s Kölderer-Egg, Pfifferlinge suchen, fanden aber nur wenige. Desto schöner war aber die Freude, welche uns die klare Aussicht ins Innthal bereitete. Innsbruck u. Hall lag so nahe, so nahe vor uns. In ersterem sah ich unser Haus ganz deutlich, Mayr Marie hatte die „Blachen“ heruntergelassen. Um ½ 10h kamen wir heim u. kochten dann; mittags kamen alle zusammen; nachmittags wusch ich beim Brunnen, dann stickte ich an der grünen Decke. Nach dem Abendessen waren fast fortwährend Gewitter bis 10h nachts; wir waren in der Küche; manchmal spiegelte sich der Blitz in den Wassergläsern, welche am Tische standen. Gottlob, schadete es uns nichts.

9.8.1902, Samstag. Schönes Wetter, aber vom Regnen noch sehr nass. Abends kam Huisign-Luis mit Zwiebel etc, noch später dann Herr Schmarl mit dem übrigen Proviant u. den Briefen; ich erhielt einen von Martha.

Text: Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Cod-2072-1 (Transkription: Katharina Schilling)

Bild: Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Fir-442-1.

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