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Bei Den Papierschlangenmenschen

Bei den Papierschlangenmenschen

Im Stadtarchiv liegt ein großer, erst teilweise gehobener Schatz mit dem schönen Bestandsnamen Foto-Margit. Dieses Porträtstudio in der Leopoldstraße 7 wurde von Margarethe Oberhaidinger geführt, deren Vater der durch seine vielen Ansichtskarten bekannte Much Heiss (auch gerne „Heiß“ geschrieben) war. Much Heiss war unterwegs auf den Bergen und in den Tälern, er hatte ein Sportphotographen-Gewerbe, das offenbar keine so geschützte Zunft war wie das reguläre Photographen-Atelier. Seine Tochter hatte nach dem Krieg große Probleme, die amtliche Erlaubnis für Studioaufnahmen zu bekommen. Diese Spielchen mit mittelalterlichen Platzhirschkämpfen waren noch bis in die 2000er Jahre üblich, jeder neue Fotograf wurde mit behördlichen Stolperstricken an der Eröffnung seines Betriebes gehindert, so gut es aus Sicht der Wirtschaftskammergewaltigen halt ging. Dem Historiker und Fotografen Arno Gisinger (damals bereits Absolvent der école nationale supérieure de la photographie in Arles, heute Universitätsprofessor für Fotogeschichte in Paris 8) wurde gesagt, er müsse hier zuerst die Fotografenlehre nachholen, sonst könnte ja jeder kommen.

Zum Glück hat sich auch Margarethe Oberhaidinger durchgesetzt, ihre Negative-Sammlung ist gut dokumentiert und man findet darin Porträts von tutto Wilten und Umgebung, oft in der 1a modischen Aufmachung der 1950er Jahre und folgende. Hoffentlich können wir diese Sammlung auch einmal digitalisieren lassen.

Das Bild oben stammt von einem anderen Planeten, an dessen Namen sich niemand mehr erinnern kann. Dicht gedrängt reihen sich Menschen ohne Scheu und behängen sich im Fasching mit Papierschlangen. Es gibt eine ganze Serie von Aufnahmen dieses Stuben-Ecks von Much Heiss, es dürfte sein Leutascher Elternhaus sein. Er hat nicht vermerkt wann und wo genau, das passiert leider bei Familienfotos gerne. Zur Datierung könnte der Gasthaus-Volksempfänger (ohne Lautsprecher oben drauf) dienen, das würde auch zu den Lebensaltern der erkennbaren Personen passen.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare
    1. Das ist ein wenig wie bei Schrödingers Archiv. So lange die Katze nicht aus der Kiste ist kann man es nicht genau wissen.
      Wir haben Begleitbücher (die der Nachbestellung gedient haben) mit Codes, die sich in Einzelfällen mit den Beschriftungen der durchnummerierten Negative überschnitten haben. Aber ich schulde Ihnen eh noch 2 Bier und schaue bei Gelegenheit nach, ich vermute Sie suchen nach dem Familiennamen „Auer“? Oder auch nach anderen Verwandten?

      1. Zu gütig, lieber Herr Hofinger. Die Information zu den Begleitbüchern / Repertorien ist sehr aufschlussreich, vielen Dank! Die Suchliste ist so lang, da werde ich das Archiv am besten mal persönlich aufsuchen….

        Inzwischen genieße ich die immer neuen Beiträge, Schrödingers Archiv ist ein sehr origineller Gedanke! Ein Teil von Schrödingers Nachlass befindet sich interessanterweise tatsächlich in Innsbruck.

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