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700 Jahre Verboten Schön

700 Jahre verboten schön

Der Lanser See ist so ein Ort, der völlig überflüssiger weise mehr durch sein Verbotsregime in Erscheinung trat und tritt denn durch seine durchaus liebliche Erscheinung und Eignung zum Badespaß für jung und alt.
Seit 1328 ist hier das Fischen verboten (allen außer den Eigentümern versteht sich, damals das Stift Wilten). Gefühlt ebensolang ist das freie Betreten außerhalb der Öffnungszeiten und ohne ordentliche Badekleidung untersagt, frühere Patres wie spätere Plutokraten verstanden den Ort immer als Privateigentum und entwarfen daher – meist erfolglos – Konzepte kommerzieller Nutzung. Zudem rangen in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts die umliegenden Dorfgemeinschaften mit der Verbreitung frühmoderner Körperverständnisse, die den postmedieval-prätalibanesken Sittlichkeitsvorstellungen der katholischen Kirche und der davon geprägten Landbevölkerung als verdorben erschienen (dazu haben wir schon in Innsbrucker Varianten berichtet). Mehr schrullige Details dazu im mor(g)igen Beitrag.


Diese Bilder aus der Sammlung Nemec-Brunner dürften rund um das Seefest am 30.Juli 1906 entstanden sein. Die Innsbrucker Nachrichten berichteten:

(Seefest in Lans.) Am Lansersee fand gestern zugunsten des Verschönerungsvereines Lans ein Seefest statt, das viele Hunderte von Einheimischen und Sommergästen anlockte. Im Hotel „Lansersee“, wo die Aldranser und Jgler Musikkapelle spielte und ein großes Bestkegelscheiben stattfand, herrschte regstes Leben. Auch das Seeufer, wo es einen Glückstopf, eine Fischerei und verschiedene Volksbelustigungen gab, war sehr belebt. Auf dem See fuhren geschmückte Gondeln hin und her. Abends erstrahlte derselbe im Lichte ungezählter Lampions und Pechpfannen, die ringsum angebracht waren. Auch bengalisches Licht erhellte die Nacht. Ein herrliches Feuerwerk mit prächtigen Raketen und surrenden Sonnen bildete den Abschluß.“

In den Innsbrucker Nachrichten erschien 1911 ein Dreiteiler zur bewegten Lackengeschichte des östlichen Mittelgebirges.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. „… postmedieval-prätalibanesken Sittlichkeitsvorstellungen der katholischen Kirche“ – Kööööst-lich! Herr Hofinger.

    Noch keine Zwanzig, aber schon Führerschein. Lustige Gruppe ehemaliger Mitschüler. Tiefe Nacht. Was noch anstellen? Spontaner Einfall: „Mir fohrn zum Lanser See schwimmen!“ Stimmchen aus dem Hintergrund: „I hun ka Badhosen!“ Brüllendes Gelächter. 4 (vier!) Autos unter Dampf gesetzt und hinauf zum See, beim See (am Ufer) geparkt und Stimmchen aus dem Hintergrund (teilweise von Platschgeräuschen übertönt) „I hun ka Hondtuach!“ – Hm, eigentlich wahr, trotzdem platsch! Handtuchbedenkender flüchtet sich in die Ausrede „I paß au ob wer kimb!“, Heimfahrt in Sparadjustierung in der sicheren Überzeugung, etwas absolut Verbotenes getan zu haben. Handtuchbedenkender Hattiwari als einziger Trockener reuezerknirscht vor sich hin murmelnd.

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