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50. Stiftungsfest Der Innsbrucker Liedertafel, Teil 2

50. Stiftungsfest der Innsbrucker Liedertafel, Teil 2

Zu Pfingsten 1905 fand – wie schon im ersten Teil des Artikels angesprochen – das 50. Stiftungsfest der Innsbrucker Liedertafel statt. Die Innsbrucker Nachrichten vom 13. Juni 1905 berichteten danach ausführlich in einem fast dreiseitigen Artikel über den Ablauf der Feierlichkeiten: „Ein erhebendes Fest, das in seinem Höhepunkt mit Recht die Bezeichnung eines echt alldeutschen Festes verdient, die Fünfzigjährige Jubelfeier der Innsbrucker Liedertafel, die in den Pfingsttagen begangen wurde, ist verrauscht. Das Festtreiben ist wieder alltäglichem Leben gewichen, aber noch lange wird man in Innsbruck von der hehren Feier sprechen, die trotz der teilweisen Ungunst der Witterung einen so schönen Verlauf nahm und umso bedeutungsvoller war, als Sänger aus allen deutschen Gauen hiezu herbeiströmten.“

Ein kurzer Ablauf der Feierlichkeiten: Die am Bahnhof in Innsbruck ankommenden Gäste wurden von einem Empfangskomitee und der Wiltener Musikkapelle begrüßt. Alle Gäste erhielten ein Geschenk das aus folgenden Gegenständen bestand: „Einen in altdeutscher Weise gehaltenen Passierschein, ein Festzeichen, 6 Ansichtskarten, eine Karte von Tirol mit der Beschreibung des Reliefs, ein Festprogramm und ein Programm für die Ausflüge nach Igls und ins Stubaital, 2 Führer durch Innsbruck und eine Festschrift (Chronik der Liedertafel) mit einem herrlichen von Bruder Willram gewidmeten Festgruß.“

Am Samstag fand im festlich geschmückten großen Stadtsaal ein Begrüßungsabend statt. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der Musikkapelle des 1. Tiroler Kaiserregiments. Der Vorstand Fritz Heigl begrüßte die zahlreich erschienen Gäste. Danach folgten musikalische Darbietungen der Innsbrucker Liedertafel und der Turner-Sängerriege und auch die zahlreichen schriftlich eingegangen Glückwunsche und Grußbotschaften wurden verlesen.

Das Festprogramm des nächsten Tages wurde mit einer Messe, die von der Innsbrucker Liedertafel musikalisch begleitet wurde, in der Universitätskirche eröffnet. Danach erfolgte der Festakt: „Um 11 Uhr folgte sodann im großen Stadtsaale der Festakt. Den Eintretenden bot sich hier ein abwechslungsreiches Bild, denn der Dekoration von Samstag hatte sich mittlerweile noch eine ganze Sammlung von Kränzen und Diplomen, Vasen, Statuetten, wertvollen Bildern und Büchern etc. zugesellt, die der Liedertafel zum Großteil von privater Seite, von einzelnen Freunden und Anhängern zum Jubelfeste übermittelt wurden. Im Saale aber herrschte womöglich noch regeres Leben als am Vortage. In der vordersten Reihe bemerkte man Bürgermeister Greil und Vizebürgermeister Dr. Erler, sowie viele Ehrendamen. Dahinter saßen hunderte von Festgästen, alle in Frack oder Salonrock. Die Galerie aber war wiederum von zahlreichen Zuseherinnen besetzt.“ Danach wurden zahlreiche Festreden gehalten, die sich mit musikalischen Einlagen und dem Vortragen von Gedichten abwechselten. Dann wurden von den Ehrendamen eigens zu diesem Anlass gefertigte Gedenkmünzen, die mit rot-weißen Bändern an kleinen Eichenkränzen befestigt waren, verteilt. Die meisten Vereine, die zu der Veranstaltung erschienen waren, überreichten ihrerseits zum Teil recht wertvolle Geschenke. Gegen Schluss der Veranstaltung hielt Bürgermeister Greil eine Rede, in der er die Verdienste der Innsbrucker Liedertafel hervorhob. Danach überreichte er Fritz Heigel, dem Vorstand der Innsbrucker Liedertafel, eine Kassette mit 1000 Kronen. Um 16.00 Uhr folgte dann das große Festkonzert an den sich ein rauschender Festabend in den Stadtsälen anschloss.

Am nächsten Tag gab es dann einen Frühschoppen im Gastgarten des Gasthofs Bierwastl: „Auch der gestrige Frühschoppen im geschmackvoll dekorierten Garten nahm einen fröhlichen Verlauf. Wie beim Begrüßungsabend spielte auch diesmal wieder die Regimentskapelle und bei Bier und Wein, Schinken, Aufschnitt, Würsteln und Käse (alles von der Liedertafel gespendet) entwickelte sich ein Treiben voll köstlichen Übermutes. […] Die Marburger und Kölner Sänger gaben einige Lieder zum besten. Auch das Deutsche Lied wurde zum Schluß wieder gesungen.“ Am Nachmittag standen Ausflüge ins Mittelgebirge, ins Stubaital und ins Achental am Programm. Am Abend fand dann am Berg Isel ein Nachtfest statt: „Das Nachtfest auf dem Berg Isel, das gestern stattfand, war eine geradezu feenhafte Veranstaltung, und was da oben an Überraschungen für die Besucher geboten wurde, dessen hätte sich keine Großstadt zu schämen. Der Besuch war ein massenhafter. Es mochten wohl 3000 bis 4000 Personen auf dem Platze sein, Sänger und Zuhörer, Zivil und Militär, Damen im Nationalkostüm und Gesellschaftskleid, drängten in fröhlicher Stimmung durcheinander. Allerdings hatte das Fest hier oben, auf dem vom Kaiserjägerregiment in liebenswürdigster Weise zur Verfügung gestellten Platz, den Charakter einer nationalen Sängerfeier, den es bisher in so hohem Maße aufwies, abgestreift und war mehr zu einem allgemeinen Volksfeste und zu einer spezifisch tirolischen Feier geworden, deren schönes Endziel eine Huldigung jener war, die hier gegen den Feind gekämpft und ihr Blut für das Vaterland vergossen hatten.“ Den Abschluss des Feierlichkeiten bildete ein großes Feuerwerk.

(Stadtarchiv Innsbruck, Ph-21812)

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