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Von Stoffresten Und Damenstrümpfen

Von Stoffresten und Damenstrümpfen

Die Firma Palmers kennt in Österreich wohl so ziemlich jeder. Palmers ist immerhin als Österreichs größter Textilkonzern ausgewiesen.
Was jedoch nicht jeder weiß: die Geschichte des Konzerns und der Familie Palmers steht auch mit Innsbruck in Verbindung.

Bevor der Innsbruck-Palmers-Bezug deutlich gemacht wird, muss aber kurz der äußerst interessante Werdegang des Firmengründers Ludwig Palmers beleuchtet werden: er wurde im Jahr 1868 unter dem Namen Ludwig Emil Perlhefter als Sohn einer böhmisch-jüdischen Familie geboren. Im Jahr 1899 konvertierte er zum evangelischen Glauben und heiratete Emilie Vetter, die ebenfalls Evangelisch war. Zu dieser Zeit erfolgte der Namenswechsel von „Perlhefter“ zu Palmers“, der 1904 offiziell bestätigt wurde. In den darauffolgenden Jahren betrieb Ludwig Palmers ein Feinledergeschäft in Wien. Nach einem Konkursverfahren wechselte er jedoch die Branche und spezialisiert sich nun auf Wäsche. Und hier beginnt auch der Innsbrucker Abschnitt in der Palmers’schen Geschichte: Ludwig Palmers eröffnete Anfang des Jahres 1915 zuerst einen Resteverschleiß mit der Adresse Leopoldstraße 26. Im April desselben Jahres öffnete auch in der Herzog-Friedrich-Straße 14 eine Filiale unter dem Namen „Resten-König“.

Die ansässigen Händler liefen Sturm gegen das neue Geschäft von Palmers. Als Argument wurde etwa angeführt, dass ein „fremder, dahergelaufener Jude“ ihnen das Geschäft streitig mache. Auch das Handelsgremium der Stadt Innsbruck beschwerte sich über Palmers : Anschuldigung waren etwa „Irreführung der Leute“ durch den Namen des Geschäfts, da er Damenkonfektionsartikel führe und gar nicht die beworbenen Stoffreste. Die Ausweisung des Geschäfts als „gesetzlich geschützt“ (rechts markiert auf dem Bild) wurde ebenfalls beanstandet. Allerdings hatte Palmers das Recht auf seiner Seite: Tatsächlich war der Name „Zum-Resten-König“ als Wortmarke bei der Handels- und Gewerbekammer eingetragen und somit geschützt. Die Damenwäsche, mit der er handelte, war trotz allem auch nur Wäschereste anderer Geschäfte und der „Restenkönig“ blieb bestehen. Es sollte jedoch nicht beim Verkauf von Resten bleiben: Mit 1. Jänner 1926 kam es schließlich zur Gründung der Firma „Palmers&Söhne“, die bald eine große Anzahl an Filialen in ganz Österreich betrieb.

Die (äußerst spannende) Firmen- und Familiengeschichte der Palmers‘ hier weiterzuerzählen würde wohl den Rahmen dieses Formats sprengen – wir bleiben aber beim Geschäftsstandort Innsbruck: Im Jahr 1927 finden wir bereits zwei Filialen der Firma Palmers im Innsbrucker Adressbuch, zur ursprünglichen in der Herzog-Friedrich-Straße kommt eine Filiale in der Maria-Theresien-Straße 41 hinzu, welches aus diesem Grund im Volksmund auch als „Palmershaus“ bezeichnet wird. Diese Filiale ist auch in unserem Titelbild aus dem Jahr 1947 zu sehen. Heute betreibt die Firma Palmers vier Filialen in Innsbruck, drei davon im Innenstadtbereich (Herzog-Friedrich-Straße 28, Maria-Theresien-Straße 21, Museumstraße 6) und eine im Einkaufszentrum DEZ.

Auslage einer Palmers-Filiale um 1960 (Stadtarchiv Innsbruck, KR-NE-1787).

(Titelbild: Stadtarchiv Innsbruck, KR-NE-2028). Die Informationen zur Familie Palmers stammen aus: H. Loewy, Die diskrete Familie Palmers, in: N. Hagen/P. Melichar, Der Fall Riccabona, Wien/Köln/Weimae 2017, 76-101.)

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Das Farbbild mit der Datumsangabe „1963-1969“ lässt sich, Trambahn sei Dank, mit Sicherheit auf 1963-1964 einschränken, da der am Bild zu sehende „Basler“ Zug der Linie 3, erkennbar am hinteren Zielschild „Pradl“, 1965 so nicht mehr fotografiert werden konnte: mit 1.1.1965 wurde die Strecke der Linie 3 zum Wiltener Platz aufgelassen und die Maria-Theresien-Straße von dieser Linie nur noch in Richtung Süden befahren, außerdem wurden die Basler Fahrzeuge im Lauf des Jahres 1965 abgestellt und größtenteils verschrottet. (Quelle für alles: der allwissende Kreutz 🙂 )

    1. Danke für den ausführlichen Datumshinweis – der wird natürlich auch in die Datenbank übernommen 🙂 Somit wäre auch die von Herr Opperer vorgeschlagene Beflaggung im Olympiazusammenhang naheliegend.

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