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Vom Bergisel Zum Goldenen Dachl

Vom Bergisel zum Goldenen Dachl

Dieses stark bearbeitete Foto einer Menschenmenge vor dem Goldenen Dachl erschien am 2. Juli 1957 auf der Titelseite der Tiroler Tageszeitung. Die Slogans sind per analoger Retusche herausgearbeitet. Es steht für den Beginn eines Jahrzents eines lokalen und europäischen Konfliktes, von dem die einen meinen, ohne die Aktivitäten der Tiroler Betreiber wäre es nie zu einem politischen Ergebnis gekommen, andere allerdings Belege vorlegen, dass genau diese Aktionen die österreichische und italienische Diplomatie auf viele Jahre daran hinderten, den Konflikt mit kühlem Kopf zu lösen.

Am 29. Juni 1957 hatte in Innsbruck eine Großkundgebung mit Fackelzug stattgefunden. Die TeilnehmerInnen marschierten dabei vom Andreas-Hofer-Denkmal am Bergisel bis zum Goldenen Dachl. Allein 6000 Fackelträger und insgesamt Zehntausende Menschen sollen laut einem Bericht der Tiroler Tageszeitung vom 1. Juli 1957 daran teilgenommen haben. Wie man dem untenstehenden Flugblatt entnehmen kann, ging es um die Forderung nach einem Selbstbestimmungsrecht für Südtirol. Auslöser war die – aus Sicht der Organisatoren – wiederholte Nichteinhaltung des Pariser Abkommens von Seiten Italiens und die anhaltende Italianisierung von Südtirol. Bei dieser Kundgebung, die vom „Bergisel-Bund“ organisiert wurde, hielt der Innsbrucker Bürgermeister Alois Lugger eine Rede vor dem Goldenen Dachl.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bestand der 1918 gegründete „Andreas Hofer-Bund“, ein Interessensverband für Südtirol, nicht mehr.  Nach zahlreichen Konflikten um die Umsetzung des Pariser Abkommens vom 5. September 1946 wurde am 18. Juni 1954 ein neuer Interessensverband mit dem Namen „Bergisel-Bund“ gegründet. Die Gründungssitzung fand im Gasthof „Weißes Kreuz“ in Innsbruck statt zu der führende Politiker Tirols, wie z.B. der bereits erwähnte Alois Lugger eingeladen waren. Im Vorstand befanden sich Eduard Reut-Nicolussi, Franz Gschnitzer als Obmann und der Germanist Eugen Thurnher. Den geschäftsführenden Vorsitz hatte Eduard Widmoser, Landesregierungsrätin Viktoria Stadlmayer war Mitglied der Bundesleitung. Ziel des Bundes war es, die Deutsch-Südtiroler Kultur zu schützen sowie eine Form von Autonomie oder der politischen Selbstbestimmung für Südtirol zu erreichen. Man organisierte Bücherspenden, um in Südtirol Pfarr- und Volksbüchereien aufzubauen und unterstützte kulturelle Einrichtungen, die im Vereinssinne agierten. Anfang der 1959 zählte der Bund 30.000 Mitglieder, die meist aus dem akademisch-intellektuellen Milieu kamen. Somit war er eine einflussreiche Interessenvertretung in- und außerhalb Südtirols.

Mit der „Feuernacht“ 1961 und weiteren Aktionen des BAS (Befreiungsausschuss Südtirol) begann eine schwere Krise für den „Bergisel-Bund“. Er distanzierte sich nicht deutlich genug von den Sprengstoff-Anschlägen, weshalb einige hohe Mitglieder aus der Tiroler Politik, wie Franz Gschnitzer und Victoria Stadlmayer, austraten. Im Jahr 1962 wurde Franz Kranebitter zum neuen Obmann gewählt. Die Linie des „Bergisel-Bundes“ wurde unter ihm jedoch radikaler, die Zielsetzung änderte sich: Man forderte nun die Wiedervereinigung von Nord- und Südtirol. Dem Bund traten danach immer mehr Extremisten und Neonazis bei und er wurde verdächtigt, mit dem Südtirol-Terrorismus in Verbindung zu stehen. Mit dem Abschluss des Südtirol-Paketes am 22. November 1969 versank der „Bergisel-Bund“ in die politische Bedeutungslosigkeit. Der letzte Sitz der Ortsgruppe Innsbruck des „Bergisel-Bundes“ in den Jahren 1984/85 befand sich in der Museumstraße 1.

(Flugblatt Stadtarchiv/Stadtmuseum, Fl – 206)
(Hannes Spitaler)

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