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Nach Der Arbeit

Nach der Arbeit

Das müssen glückliche Zeitgenoss*innen sein, die den Feierabend mit einem Bierchen in der Hand auf ihrem Nordbalkon in der Fischerstraße verbringen können. Wer als Innsbrucker Stadtbewohner*in schon einmal das Glück hatte, mit freiem Blick auf die Nordkette zu wohnen, würde die spektakuläre Aussicht nie wieder tauschen wollen. Auf dieser natürlichen Leinwand wechselt alle fünf Minuten das Licht und jede Jahreszeit ist noch schöner als die andere.

Für den Feierabend ist es auf diesem Bild noch ein wenig zu früh, laut Sonnenstand würde kurz vor Mittag ungefähr passen. Einige italienische Eisenbahnerfamilien lebten das ganze Jahr im „nach der Arbeit“- dem dopolavoro in der Speckbackerstraße. Auf jedem Luftbild leicht zu erkennen wegen der legendären Boccia-Bahnen im Innenhof, die auch hier schön zu sehen sind. Was es da sonst noch gab, daran erinnerte sich für die Ausstellung Mapping Wilten Wonderland im Jahr 2015 Herr Christian Lederbauer im Gespräch mit Steffi Fleckl.

(das Gespräch wurde in einer Wiltener Pizzeria aufgenommen; die vermeintlich störenden Umgebungsgeräusche lassen wir 2021 als schöne Erinnerung an den Sound der Gastronomie durchgehen)


Weiters im Programm: Das an DDR-Architektur gemahnede Post-und Telegraphen-Wählamt am rechten Bildrand, daneben noch ein Gruß aus der Gründerzeit der längst für einen Parkplatz verschwunden ist. Vielleicht haben Sie einen Tipp, was der hohe runde Kamin hier in die Luft blies… die Seifenfabrik Holluschek war es nicht, deren eckiger Schlot ist etwas weiter links davon zu sehen.

Im Innenhof dieses Blockes steht seit relativ kurzer Zeit ein Konzept-Wohnbau, der versucht per Wohnraumverdichtung Platz zu schaffen, was ein Oxymoron ist und daher schon von vorneherein scheitern musste.

Ob der schöne Gemüsegarten (genau hier waren wenige Jahre davor ja ganze Anlagen) von den Bewohnerinnen des Hauses am Eck oder doch von den Gattinen der italienischen Eisenbahner bebaut wurde, entzieht sich dem Wissen des Schreibers.

(Jörg Thien)

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare
  1. Der altertümliche Gebäudekomplex mit dem Kamin war einstmals eine Glasfabrik, die so in der zeit +/- 1880 gebaut wurde. Auf alten Albumenfotografien ist sie weit draußen auf der Wieser, wo sie niemanden störte.
    Hier ein Beispiel aus dem Jahr 1883, welches aber sicher auch im Stadtarchiv vorhanden ist.
    https://postimg.cc/zyd2Dp37

    Der vordere (nördliche) Teil steht ziemlich wiedererkennbar als Wohnhaus heute noch.

  2. Bei solchen prachtvollen Farbbildern kann man wunderbar in Nostalgie schwelgen…

    Apropos Schlot: Hoffentlich ist die versprochene längere Story über die Wäscherei in der Andreas-Hofer-Straße nicht verloren gegangen und wird noch veröffentlicht…, siehe die Ankündigung im früheren Beitrag:
    http://innsbruck-erinnert.at/mut-zur-luecke/

  3. Der Ford 17m neben dem Puch wurde von 1957 bis 1960 produziert. In dem niederen Gebäude gab es für uns als Kinder Gratiszeitschriften. Ich glaube, es war die Morawa, als Kinder haben wir Comic-Hefte „gefechtet“. Die Angestellten waren sehr nett und haben uns die neuesten Hefte geschenkt, allerdings mußten sie das Titelblatt abtrennen, vermutlich, um es zurückzusenden.

  4. Der Gemüsegarten wurde sicher von den fleißigen Gattinnen der Eisenbahner bebaut, denn zwischen diesem Gärtlein und dem Haus Speckbacherstraße 37 befand sich die Einfahrt zum Morawa-Gebäude, das R.D. Mair (Servus, Dietmar!) so treffend beschrieben hat.

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