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Monet Für Arme

Monet für Arme

Jede Innsbruckerin und jeder Innsbrucker hat ihn. Den Lieblingsplatz im Hofgarten. Viele haben ein, zwei Bäume nach denen sie immer schauen und deren Befindlichkeit wie die eines Familienmitglieds beobachtet und kommentiert wird. Der Teich und seine Bewohner sorgen für ein Lachen in den Gesichtern der Kinder, die sich bei der Enten- und Taubenjagd vergnügen. Und dann sind da noch die Rasenflächen.

Alle amateurhaft (also in aufrechter Liebe zum Bild) Fotografierenden nahmen und nehmen eine neue Kamera zunächst einmal in den Hofgarten mit. Die Stimmungen rund ums Jahr sind für das Farbbild geschaffen, auch wenn gelegentlich nach der Entwicklung das Insel-Mainau-Syndrom auftrat: Nicht jede vor Ort so stürmisch empfundene Woge der Naturromatik ließ sich auch in dieser Intensität auf Zelluloid bannen.

Nach einer kleinen Runde um den Pavillon kann man als Gewohnheitsmensch heute die ausquartierten Schachspieler vermissen, die nun nur mehr den zweitschönsten Platz vor den Mauern des Gartengrals bespielen dürfen und dort über ihre Erfahrungen als tschechoslowakische und ungarische Regimekritiker berichten können.

Das größte Wagnis früherer Zeiten ist heute gar keines mehr. Wer es als Teenager in den 1980ern einmal versucht hat, weiß wovon die Rede ist: Bei der ersten Berührung des Rasens durch einen jugendlichen Turnschuh des Modells „Jogging High“ oder „Jeans“ ertönte die unvermeidliche Trillerpfeife. Ein Herr, dessen Name nichts zur Sache tut, da er nur der Repräsentant des Systems war, lief behende herbei und verscheuchte das lästige Jungvolk mit je nach Tagesverfassung ausgesuchter Unfreundlichkeit. Niemals hätten wir uns damals zu erträumen gewagt, dass dereinst der Tag kommen würde, an dem man in einer kurzen Mittagspause nach anstrengender Vormittagsarbeit im Stadtarchiv einfach den sonnigsten Platz auf einer beliebigen Wiese im Hofgarten belegen würde können, um dort eine gesunde Jause einzunehmen und dann mit einem Grashalm im Mund schläfrig in die Sonne zu blinzeln. Dies natürlich nur so lange, bis ein fernes Laubbläsergeräusch rasch näher kommt oder, wie es offenbar in der Betriebsordnung rezenter Jahre steht, der Englische Rasen unbedingt genau um 12:30h mit einem schieren Traktorenungetüm um einen oder zwei Millimeter gekürzt werden muss…

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Endlich habe ich wieder einmal – im letzten Bild – einen alten Bekannten gesehen: Den „Kauernden“, der 1954 für eine Ausstellung im Kunstpavillon von meinem Onkel, dem Pradler Bildhauer Franz Roilo, geschaffen wurde und der seit damals hier kauert. Hoffentlich immer noch – ich selbst war lange nicht mehr im Hofgarten.

    Da mir scheint, dass dieses Bild auch schon älter ist, würde ich Herrn Hofinger bitten, dass er wieder einmal nach anstrengender Vormittagsarbeit im Stadtarchiv in der Mittagspause einen Sprung hinüber in den Hofgarten macht und nachschauen geht! Danke im Vorhinein!

    Was das Betreten des Rasens im Hofgarten betrifft: Ich würde noch heute nur mit schlechten Gewissen die Wege verlassen, zu oft wurde uns Kindern eingetrichtert, dass wir am Gras nichts zu suchen hätten!

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