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Immer Wieder Faszinierend …

Immer wieder faszinierend …

… sind die großen Panoramafotos aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert, die den Betrachter mit ihrer Detailvielfalt in den Bann ziehen. Diesmal stehen wir ein Stück oberhalb von Schloß Ambras, blicken nach Nordwesten und beginnen unsere Entdeckungsreise in der rechten Bildhälfte. Vor uns sehen wir den Turm der Amraser Pfarrkirche mit seinem ebenso hohen wie steilen Pyramidendach und rechts bzw. nördlich davon einige Bauernhäuser. Auch den Hang, der hinab zum „Amraser See“ (der zum Zeitpunkt der Aufnahme wohl eher einem Sumpf glich) führt, können wir ausmachen. Lassen wir unsern Blick weiter über die Felder gegen Norden schweifen, so zeigen sich uns: das Zeughaus, der im Jahr 1856 fertiggestellte Eisenbahnviadukt, die zwischen 1886 und 1889 erbaute Waisenhaus (später Siebererschule), das Löwenhaus und selbst den Ansitz Cederfeld können wir nördlich des Inns ausmachen.

Wenn wir schon einmal den Inn überquert haben, dann bleiben wir auf der nördlichen Seite und wandern mit unserem Blick langsam nach links. Wir sehen: Schloß Büchensenhausen, die neue Pfarrkirche von St. Nikolaus (errichtet in den Jahren 1882 bis 1885) und ein gutes Stück oberhalb können wir den Verlauf der alten Straße zum Höttinger Steinburch ausmachen, dessen imposante Abraumhalde wir ganz am Rande ansatzweise entdecken.

Folgen wir dem Verlauf der Steinbruchstraße talwärts, so landen wir bei der alten Höttinger Pfarrkirche, deren markanter Turm weithin gut sichtbar ist. Auch das alte Höttinger Gemeindehaus und der Ansitz Lichtenthurn (vulgo Schneeburgschlößl) sind zu erkennen. Springen wir wieder zurück über den Inn, so sehen wir u.a. den Stadtturm und den Turm der Hofkirche und südöstlich davon die Spinnfabrik. Überqueren wir sodann – uns weiter nach südosten haltend – die Sill, landen wir in Pradl. Hier sind u.a. die kleine, aber feine alte Pradler Pfarrkirche, die noch weitgehend unverbaute Pradler Straße mit ihren Allebäumen und der Lindenhof als markante Punkte auszumachen.

Schräg vis-à-vis vom Lindhof sehen wir den zu Anfang der 1830er-Jahre errichteten Militärfriedhof, der sich noch mitten in den Feldern befindet und schräg dahinter den Bahnhof. Auch meinen wir, die markante Silhouette des alten Hotel Europa entdeckt zu haben.

Im Westen angelangt, sehen wir u.a. einen imposanten Ringlokschuppen, dahinter die Häuser von Wilten und noch ein Stück dahinter die noch weitgehend unverbaute Höttinger Au, wo wir unseren kleinen Rundblick ausklingen lassen. Zweifellos gäbe es noch so manches zu entdecken…

Wir wollen uns aber zum Schluss noch kurz der Datierung zuwenden. Nachdem wir bereits das Sieberer’sche Waisenhaus (eröffnet im Oktober 1889) sehen können und Schloss Ambras noch sein Uhrtürmchen (abgerissen im Mai 1899) besitzt, scheint es naheliegend, dass die Aufnahme zwischen 1890 und 1896 enstanden sein muss…

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-M-12933)

Dieser Beitrag hat 8 Kommentare
  1. Ich bin von diesem Bild begeistert, ich betrachte es jetzt schon die längste Weile, besonders natürlich bezüglich Pradl. Gut sichtbar sind unsere ehemaligen Häuser Pradlerstraße 15 (Baujahr 1828) und Egerdachstraße 6, die alte Pradlerkirche mit Widum und der alten Schule schnell links davon, die zahlreichen Pradler Bauernhöfe, von denen ja auch heute noch einige übrig geblieben sind, wie zum Beispiel der Stamserbauer (Plattner) und der Hörtnaglhof (auch heute noch aktive Landwirtschaften inmitten der Stadt!). Der letzte Bauer in der Egerdachstraße war der Dodlbauer (ganz rechts), nach dem auch der Dodlbichl, unser seinerzeitiges Rodel- und Schigebiet benannt war. Hinter dem Dodlbauer sticht das Zeughaus heraus, das in Ihrer Aufzählung, Herr Egger, vergessen wurde.
    Auch die Auswirkungen der Rhombergfabrik auf Pradler Boden sieht man gut: Die beiden noch einzeln und verloren dastehenden Fabrikshäuser in der heutigen Gaswerkstraße und auch die Rhomberghäuser am Sillufer (etwas rechts von der alten Kirche) kann man auch entdecken. Das Gaswerk selbst wurde bisher nicht erwähnt.
    Ferrari Palais, die Dreiheiligenkirche,die Häuser am Bahnhofsplatz (nicht nur Hotel Europa, auch Hotel Tyrol, Hotel Sonne, das Südbahngebäude und das riesige Landeslagerhaus und ……. Gewaltig alles!

    1. Sehr geehrter Herr Roilo,

      es freut mich sehr, dass Sie von diesem Bild ebenso begeistert sind, wie ich! Vielen Dank auch für Ihre ergänzende Beschreibung bzgl. Pradl – das Zeughaus hatte ich allerdings nicht vergessen zu erwähnen 😉

      Schönen Sonntag,
      Matthias Egger

  2. Interessant ist, dass vom unteren Teil der Amraserstraße auf Pradler Boden, zwischen dem heutigen Hallenbad / Gaswerk- bzw. Friedensbrücke und heutiger Gumppstraße, noch nichts zu sehen ist, wohl aber Häuser in der heutigen Hunoldstraße. Besonders die Epp-Villa sticht heraus, auch die inzwischen entfernte Häusergruppe Ecke Hunoldstraße / heutigem Leipziger Platz. An das längere, niedere Wohnhaus dazwischen glaube ich mich noch erinnern zu können (Holzbalkone??). Neben der besagten Häusergruppe dürfte rechts das erste Haus des Gaswerkes zu sehen sein, das ja heute noch, so glaube ich, steht (neben dem Hallenbad) und dazwischen führt heute die Amraser Straße durch.

    Die heutige Hörmannstraße als Verbindung zur heutigen Hunoldstraße hat es als Feldweg damals schon gegeben. Die heutige Hunoldstraße war praktisch Teil der Verbindung zwischen dem Dorf Pradl und den Sillhöfen

    Da die Sillregulierung (Begradigung) im Bereich Sillhöfe bis etwa Höhe Hörmannstraße erst später durchgeführt wurde (1903/04), läuft der hier gut sichtbare Weg noch über das heutige Bahnhofsgelände! Durch diese Sillregulierung wurde den Pradlern damals ein schönes Stück Land abgezwackt! Die Sillhöfe sieht man auf diesem Bild nicht mehr.
    Das Bett der Sill (samt Rhombergkanal) befand sich bis dahin schnell (östlich) hinter dem großen halbrunden Lokomotivschuppen.

    Was kann man nur aus solch einem alten Panoramafoto alles herauslesen!!

  3. zu Bildauschnitt 2
    Was hatte es mit dem Gebäude mit Dachaufsatz hinter dem Viadukt (alos dort wo heute das ORF Zenturm steht) auf sich? War das die Exlbühne?
    Der Ansitz Dodl hatte damals ein maraknte lange Gartenmauer. Es war mir nicht bewusst, dass der Pradler Kindergarten auf dem vormaligen Areal dieses Ansitzes steht

    zu Bildausschnitt 4
    Das Dach des Spanischen Saals hat sich neben anderem , wass mir schon bekannt war, sehr verändert. Ich weiß nicht, ob es mir um das Uhrtümchen leid ist. Etwas schade aber um der Bergfried, Das Fehlen eines markanten Eckturms sieht man dem Schloss an. Wobei – wenn man sich die Baualterspläne anschaut, dann war dieser Eckturm ebenfalls verfälscht relativ zur „Ursprungsausführung“ die fassadenintegriert war bzw. zum Ziel das Schloss als Renaissancebauwerk zu rekonstruieren.

  4. Da ich heute nach der Panzing Kapelle am Fürstenweg Pradl – Schloss Ambras suchte, fand ich dieses Bild im Mitteilungsblatt Nr. 01/2006 – https://docplayer.org/111900908-Mitteilungsblatt-nr-01-2006-bei-einem-festakt-am-3-dezember-2005-in-den-raiffeisensaelen-ueberreichte-buergermeisterin.html mit folgender Beschreibung vonFranz-Heinz v.Hye:
    Innsbruck um 1885/99. Eine historische Photographie. Eine besondere Freude bedeutete es mir, als ich durch unseren Obmann mit jenem Foto aus Privatbesitz konfrontiert worden bin, welches hier nun vorgestellt werden soll. Es verdient zweifellos allgemeines Interesse. Gesehen ungefähr von den ehemaligen Wiesen (später Schönruh) oberhalb von Schloss Ambras, zeigt das Bild im Vordergrund das Schloss mit jenem neogotischen Spitztürmchen, welches ihm von Erzherzog Karl Ludwig um 1855/59 verpasst worden war und zunächst bis 1899 bestanden hat. Rechts darunter sieht man den damals ornamental gedeckten Turm der Amraser Pfarrkirche. Zu Füßen des Schlosses erstrecken sich beiderseits die unverbauten Fluren südlich der Stadt, durchzogen von der Amraser Straße ( Amraser Fürstenweg ) mit der ehemaligen Panzingkapelle (heute Südring). Die Pradler Straße wird von der alten Pradler Kirche (abgetragen 1941, heute Leitgeb-Turnhalle) bis herauf zur Gaststätte Lindenhof (heute Sparkasse) von einer stolzen Pappelallee begleitet. Links davon ist in den Feldern der k. u. k. Militärfriedhof an der Anzengruberstraße zu erkennen, hinter dem Lindenhof der Schlot des ehemaligen Gaswerkes. Der Jesuitenkirche fehlen noch die erst 1900/01 ergänzten Fassadentürme. Im Hintergrund rechts sieht man hingegen bereits die 1882/85 erbaute neue St. Nikolaus-Pfarrkirche, während der Bauplatz der neuen Höttinger Pfarrkirche (erb. 1909/11) noch leer ist. Weiter westlich erkennt man den 1882/83 angelegten Landschaftlichen Friedhof zu Mariahilf; die 1902 unweit davon erbaute dortige Volksschule fehlt hier noch. – Wie aus diesen Daten ablesbar ist, stammt diese Aufnahme aus der Zeit nach 1885 und vor Bei detaillierter Analyse der fast unzähligen weiteren hier bildhaft dokumentierten Bauten könnte man die Entstehungszeit des Bildes sicherlich noch präziser einengen. Leider sind uns dabei aber weder die 1875/76 erbaute, mit ihrem Mittelgiebel markant hervorragende Volksschule Dreiheiligen (rechts) noch der in der Bildmitte/links erkennbare, frei stehende ehemalige Eichhof, erbaut um 1880 (heute Pradler Post), hilfreich. Franz-Heinz v.hye

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