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Geliebt Oder Gehasst…

Geliebt oder gehasst…

… waren Turnstunden seit ihrer – blöden – Erfindung immer schon bei Schülerinnen und Schülern aller Schulstufen. Wir alle haben den typischen Geruch verschwitzter Turnsachen und (Angst-)schweiß in der Nase, wenn wir an das Betreten einer Turnsaal-Garderobe denken. Ein Odeur, der mit nichts anderem vergleichbar ist. Und das ist vielleicht auch gut so.

Wenn man dann als Schüler auf den Parkettboden des Turnsaales getreten ist, dann hat dieser von Schweiß und Tränen von Generationen von Schülern imprägnierte Boden geknarzt. Auch die Luft war immer schlecht. Vermutlich wurden Turnsäle nie gelüftet oder sie wurden so gebaut, dass darin immer eine abgestandene Luft waberte. Und dann erst im Geräteraum. Schwere Foltergerätschaften aus massiven Holz mit schweißgegerbtem, rohem Leder überzogen, die die Delinquenten zum Hohn noch selber aufstellen mussten. Zur Tarnung der zu erwartenden Verletzungen wurden alte, kaum fingerdicke Matten aufgelegt. Ein Absturz von Kasten, Pferd, Reck oder Ringen – man beachte schon die Namen dieser Gerätschaften! – hatte unweigerlich blaue Flecken und gelegentlich auch einmal einen gebrochenen Knochen zur Folge.

Um die Schmach vollständig zu machen mussten die einzelnen Schüler vor ihren Mitschülern versuchen, die gestellte Aufgabe, also eine unlösbare „Übung“, zu bewältigen. Die unweigerlich eintretenden Misserfolge wurden von den Lehrern, meist wegen Brutalität entlassene Feldwebel, laut schreiend kommentiert. Nicht freundlich. Und die Klassenkameraden wie es damals noch hieß, lachten dem Lehrer Beifall, um sich so das Urteil über ihr eigenes Scheitern zu erleichtern.

Zurück zum Foto: Wir befinden uns 1912 im Turnsaal der Knabenbürgerschule Müllerstraße.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Signatur: Kr/Pl-2772)

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