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Das Zerstörte Templ

Das zerstörte Templ

Bei der Überschrift handelt es sich weder um einen Fall- noch um einen Endungsfehler, sondern um die Moritat vom Gasthof Templ, der allen BewohnerInnen Wiltens spätestens seit der Errichtung des Nachfolgebauwerks für immer schmerzlich abgehen wird.

Am 27. April 1990 trauen die herbeigeeilten Denkmalschützer ihren Augen nicht: In aller Eile wurde so viel Substanz von dem alten Gebäude heruntergebrochen, dass ein behördliches Einstellen der Abrisshandlung auch keinen Sinn mehr gemacht hätte.

Wir können davon ausgehen, dass hier wie anderswo die Frage der Erhaltung historisch relevanter Bausubstanz ein Thema ist, bei dem mehr oder weniger automatisch das Bundesdenkmalamt und die Hausbesitzer aneinander geraten. Einerseits greift der Staat natürlich oft sehr weit in die scheinbaren marktwirtschaftlichen Freiheiten der Eigentümer ein – und diese revanchieren sich mit einer Haltung, die so tut, als wäre ein Haus nicht mehr als nur ein nach Gutdünken der Erbauer/Umbauer/Upcycler gestaltbares Stück Stein oder Beton in einer Stadt, in der es halt zufällig steht.

Wenn, wie beim Templ, die an die Stelle der alten Strukturen getretenen Neubauten jedes ästhetische Empfinden beleidigende Zweckbauten sind (wie jenes an der Kreuzung Templstraße und Franz-Fischer-Straße) dauert die Kränkung der Stadtseele bisweilen dreißig Jahre und mehr.

(Sammlung Prada)

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Die berühmte Fassade mit dem Knick…zuverlässige Landmarke zur Orientierung uralter Fot,,nein, Photographien. Der asymmetrische Tempel leuchtete überall hervor.

    Wenn ich einwenig Weihnachtsfrieden in die erregten Gemüter träufeln darf: Zum Schluß war das nichts als eine abgetakelte Bruchbude und üble „Bumsn“. Wenn die Seele des Hauses dieses einmal verlassen hat, dann folgt bald auch der Körper. Es hätte ein gutbürgerlicher Betrieb aufrecht erhalten werden müssen, um jedem Gedanken an Abreißen von vornherein die Spitze brechen zu können. Aber wenn die Leute aus hundert verschiedenen Gründen nicht mehr ins Gasthaus gehen wollen, dann brauchen sie auch nicht zu jammern, wenn etwas offenbar Ungewünschtes von der Bildfläche verschwindet.
    Ich hab oft darüber gerätselt, was das enorme Gasthaussterben verursacht haben mag. Gesetzliche Auflagen, nicht finanzierbare Pacht, das alles sind sicher Sargnägel jedes Unternehmens. Bei den Gasthäusern kommt aber als Hauptursache der Wandel, ja fast ein Verkümmern des Begriffs der gemütlichen Geselligkeit. Sich an Bier, Wein, Freundeskreis und – ja, inkorrekt aber real – der reschen Kellnerin zu erfreuen, ist hoffnungslos Opastyle. An dessen Stelle ist der Spaß, der dumbe Bruder der Freude, getreten. Ein Lokal dient jetzt als Ausgangs- und Sammelpunkt zum persönlichen Holodrio. Zugeschnitten auf die eigene Person anstelle eines Personenkreises. Öde Themengasthäuser Italienisch, Griechisch etc. oder Vegan/Vegetarisch, Gastraum mit „effizienten“ Minitischchen möbliert.

    Und jetzt schaue man sich vor dem Hintergrund dieser Spaß- und Effizienzgesellschaft sowas wie den Templ an….oder den Hellenstainer und das Wiltener Platzl , das Weiße Kreuz und die Goldene Rose, und zum Schluß den Lewisch…

    1. In Alt-Pradl das Gleiche! Auf die Schnelle fallen mir ein: Der Brückenwirt (wurde heuer abgerissen) an der Pradlerbrücke, der Volderauer („Altpradl“) in der Pradlerstraße, der Winkelwirt („Goldener Winkel“) in der Reichenauerstraße, der Lodronische Hof (in dem früher das Pradler Bauerntheater war) in der Egerdachstraße.

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