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Chefkappen Unter Sich

Chefkappen unter sich

Ein weiteres Baustellenbild aus der Sammlung von Jörg Thien zeigt die Museumstraße Richtung Innenstadt. Im Schotterbett der neu verlegten Gleise der Straßenbahnlinie 3 tummelt sich eine Facharbeiterschar und rüttelt die steinernen Füllmaterialien an die richtige Position. Der Kompressor macht einen unbeschreiblichen Lärm, und da man hier sein eigenes Wort nicht verstehen kann wenden wir uns ein wenig dem Chic der Bauarbeiter-Mode zu. Bei längerer Betrachtung fällt neben den individuell zusammengestellten und -geflickten „Blauen“ die bunte Wahl der Kopfbedeckungen auf. Da ist wirklich alles dabei: Mit einer an eine Schlafmütze erinnernden Wollhaube beim Arbeiter ganz rechts geht es los, der Kollege daneben trägt das klassische Innsbrucker Herrenkäppi in grauem Loden. Dahinter blitzt überraschend eine Schirmmütze mit ungeklärtem Uniform-Bezug hervor, vielleicht ist es eine Eisenbahner-Kopfbedeckung. Der Träger blickt entschlossen und gutaussehend in die Kamera als wäre er ein Carabiniere-Darsteller vom Christkindlmarkt. Es dürfte ein warmer Maitag gewesen sein, nicht wirklich heiß aber in dieser Mittagsstunde angenehm warm. Der Baustellen- und Verkehrsbeobachter am rechten Bildrand schützt seine Augen wie auch der Arbeiter in der Bildmitte mit einer klassischen Kopfbdeckung aus braunem Filz. Der Lehrling ganz links hat sich für das Modell „Seppelehut“ entschieden, neben ihm trägt ein nachdenklicher Schaufler einen dem amerikanischen Western-Film entsprungenen Stetson.

Dieser Beitrag hat 7 Kommentare
  1. Ich nehme an, dass es sich hier nicht um Bauarbeiter im eigentlichen Sinn handelt (Arbeitnehmer von privaten Baufirmen), sondern eher um zusammengewürfeltes Eigenregie-Personal der IVB, bestehend aus Werkstättenleuten (Schweißer, Schlosser – also die mit den Lederschürzen) und Gleisarbeitern, inklusive eines Vorarbeiters mit Eisenbahner-Kopfbedeckung. Ich glaube auch nicht, dass Innsbrucker Baufirmen zu dieser Zeit noch ein derartiges Museumsstück von einem Luftkompressor hatten.

    Aber es stimmt schon: Die Bauarbeitermode hat sich gewaltig verändert!

    Für Herrn Hofinger: Schade, dass die Kamera nicht etwas nach rechts geschwenkt hat. Man könnte dann vielleicht die Brotbuben sehen – oder ist das eine Ausschnittsvergrößerung?

    1. Ich gehe auch davon aus, dass das keine Fremdfirma ist sondern die Gleisbaupartie der IVB.
      Die Männer mit den Lederschürzen haben allerdings Presslufthämmer in der Hand – sie stopfen also das Gleis.
      Das Signal im Hintergrund (runde grüne Tafel mit weißem Grund) deutet darauf hin, dass die Arbeiten unter Aufrechterhaltung des Straßenbahnverkehrs stattfanden.

      Den auch für damalige Verhältnisse schon uralten Kompressor (der nicht einmal ein Stützrad besitzt) finde ich auch sehr bemerkenswert.

  2. Zwei Firmenschilder glaube ich entziffern u können: Die rote Tafel, die zum Stöcklgebäude des Fotografen Müller weist, und darüber assoziiere ich die Schrift mit dem kaum mehr bekannten „Pinguin“, ein Nachtlokal an der Stelle des Spatenbräus und der jetzigen Kaiserstuben. Die Tochter von Richard Müller hat mir davon erzählt. Shocking!

    Ohne Beschriftung, zumindest keiner auf dem Bild sichtbaren, die Tiroler Gebietskrankenkasse, die noch bis Anfang der 70er an der Ecke Museumstraße/Ing. Etzelstraße dort beheimatet war, mit grausamer Erinnerung des kleinen Karli an das dortige Zahnambulatorium.

    Mit ein Hinweis auf sommerliche Temperaturen ist eindeutig der angehobene Motorraumdeckel des roten 600er Fiat, seine 30 PS wollten gekühlt werden. Wer aber wirklich damit stenzen wollte, der kaufte sich beim Birner zwei Gummistücke, mit denen man die Klappe stilgerecht rennmäßig einen Spalt breit öffnen konnte. Im Pinguin konnte man damit sicher einen Aufriß machen :-). Der biedere Opel Rekord hinten beim Scheuchenstuelhaus punktete hingegen vermutlich mit einer Armaturenbrettvase.

    1. Falls sich keiner meldet: Das Stichwort für Google lautet ÖBB 1061 und 1161 . Ich bin kein Eisenbahnexperte, hab diese ulkigen Schubstangenloks aber immer bewundert. Sie liefen sogar noch so lange, daß man ein paar ins ÖBB-Rot umgefärbt hat. Die zur Elektroausrüstung gehörenden Blechtöpfe vor der Nase des Lokführers haben sicher eine wichtige Bedeutung gehabt, und als ich einmal am Bahnsteig stand und eine solche Lok mit knallenden Geräuschen Fahrt aufnahm, sagte ein neben mir stehender Experte sowas wie „der haut die Plungerschalter wieder eini!“. Aha! Alles klar?
      Einmal hab ich diese Lok als Taschenkrokodil bezeichnet, in Anlehnung an die großen „Krokodil“ Güterloks, einfach weil die halt auch vorne und hinten eine Schnauze hatten. Ojeh, das gab wütenden Protest bei den Fans.
      Deshalb schweig ich jetzt lieber…

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