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Woher Kommt Sie, Wofür Steht Sie?

Woher kommt sie, wofür steht sie?

Die Viertelsäule – eine der bedeutendsten gotischen Bildstöcke Nordtirols – ist ein kleines, lokales Mysterium. Woher sie kommt, wofür sie steht? Man weiß es nicht genau. Mehrere Theorien stehen zur Auswahl: Eine Gerichtssäule, an der ein Viertel des Körpers von Hingerichteten als Abschreckung zur Schau gestellt wurde? Eine Säule als Erinnerung für die Vollendung der Ellbögener Landesstraße 1560? Oder diente ist als eine Art Pestabwehrzeichen oder Pestgedenkstätte?

Nur soviel ist sicher: Die Viertelsäule ist auch im Ampasser Gemeindewappen dargestellt. Wer weiß mehr darüber?

(Fabian Wimmer, Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-18629)

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare
  1. Sehr interessant sind die vegetabilen Ornamente an der Säule, welche im oberen Teil u.a. verschlungene Eichenzweige darstellen. Interessant und rätselhaft ist auch das Fehlen von Heiligendarstellungen, wie es zur damaligen Zeit eigentlich üblich wäre.

    Die Viertelsäule wurde 1970 durch den bekannten Bildhauer Franz Roilo aus Pradl restauriert.

    Laut Hye, Franz-Heinz, Das Dorf Ampass – Grundzüge seiner Geschichte, in: Tiroler Heimatblätter, 53. Jg., Nr. 3/1978, S. 84f. handelt es sich bei der Viertelsäule um eine Stiftung der Familie Viertl. Aus dem 15. und 16. Jahrhundert sind weitere Bildsäulen bekannt, wie z.B. die Getznersäule in Pradl oder die Barbarasäule in Hall.

    Wie auf diesem Foto ersichtlich ist, fehlt an der Viertelsäule offenkundig die Spitze.
    1876 wurde die Viertelsäule durch Vandalismus beschädigt, wie man in den Innsbrucker Nachrichten vom 16. September 1876 nachlesen kann:

    „(Ein dummes Bubenstück.) Die vielleicht aus dem 12. (sic!)
    Jahrhundert herstammende gothische „Viertelsäule“ am Wege von
    Hall nach Ampaß hat in der Nacht vom letzten Sonntag auf
    Montag von bübischen Händen eine arge Verstümmelung erfah-
    ren, indem der oberste Steinknauf dieses merkwürdigen u. uralten
    Denkmals, welcher ein aus verschlungenen Eichenzweigen bestehen-
    des Ornament bildete, herabgeschlagen und zertrümmert wurde.
    Wer es gethan ? – Bauern schwerlich, da dieselben vor derlei
    „Wegsäulen“ noch Respekt haben.“

    1. Danke, Herr Auer! Endlich weiß ich nun, was die Viertelsäule ist!
      Im ‚Werkverzeichnis‘ meines Onkel, des Pradler Bildhauers Franz Roilo, ist unter seinen Arbeiten aus dem Jahre 1970 verzeichnet:
      „Landesbaudirektion Innsbruck – Viertelsäule total restauriert“
      Ich konnte bisher nichts damit anfangen!
      Einen schönen Sonntag wünsche ich Ihnen noch!

      https://postimg.cc/fkzXBhgB

      1. Vielen Dank für den Blick ins Werkverzeichnis, Herr Roilo! Dieses Verzeichnis ist kunstgeschichtlich sehr interessant. Es freut mich sehr, dass Sie dieses Dokument hüten und in Ehren halten. Schönen Sonntag!

  2. Als ich gestern dieses Bild von der Viertelsäule sah, erinnerte ich mich sofort, dass es bei mir ein Foto mit dieser Säule gibt, das noch mein Vater aufgenommen hat und auf dem meine Mutter und ich zu sehen sind. Ein weiteres Bild vom selben Tag zeigt, dass wir damals einen Sonntagsausflug nach Ampass gemacht hatten (natürlich zu Fuß von der Pradlerstraße aus).
    Ich habe es heute gesucht, es wurde 1939 aufgenommen und ist ein bisserl unscharf – nur: Es ist eine ähnliche Bildsäule! Es muss also in nächster Nähe eine zweite geben oder zumindest hat es gegeben!
    https://postimg.cc/7fhnhFFt

    1. Ein herrliches Bild, vielen Dank!

      Ja, das ist die Bildsäule am Burgsteig in Ampass. Das Bild auf der Säule zeigt die Muttergottes mit dem Jesusknaben und den heiligen Josef. Ein sehr schöner und tiefsinniger Ort für dieses Familienfoto also.

      Die unter Denkmalschutz stehende Säule gibt es tatsächlich noch, jedoch nicht mehr am selben Standort. Insofern hat das Bild für die lokale Geschichte einen hohen dokumentarischen Wert. Die Bildnisse an der Säule waren damals ganz neu, sie wurden erst 1936 gemalt.

      Der Tiroler Kunstkataster weiß dazu folgendes:
      „Gotisierender Bildstock (Ende des 17. Jahrhunderts) mit viereckigem Tabernakelaufsatz. In den Aufsatznischen Bilder von Karl Rieder (Kreuzigung, hl. Florian, hl. Johannes d. T., Maria mit Kind), 1936. Im Zuge der Straßenbegradigung Ende der 1970er Jahren an etwas verändertem Standort aufgestellt.“

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