Wie kommt der Napoleon nach Innsbruck?
Das ist schnell geklärt. Über eine Auktion in den USA gelangte diese Medaille mit Napoleons Konterfei kürzlich zu uns ins Archiv. Geschaffen hat sie der bekannte Medailleur und Stempelschneider Jean-Pierre Droz (1746-1823), der von 1799 bis 1814 an führender Stelle im Pariser Hauptmünzamt angestellt war. Wie ein Blick in die einschlägige Sepzialliteratur zeigt, schuf Droz „für Frankreich […] die Stempel zu allen 20- und 40-Franc-Goldstücken mit dem Kopf Napoleons 1804-1814, ebenso das Probe-5-Franc-Stück dfer ‚Hundert Tage‘ 1815. Unter seinen Medaillen sind besonders zu erwähnen die zur Krönung Napoleons als Kaiser 1804 und verschiedene für die Banque de France“. So weit, so gut. Nun sind war aber nicht einfach unter die Münzsammler gegangen. Ohne Innsbruck-Bezug hätte wir natürlich nicht mitgeboten. Für diesen Bezug müssen wir die Münze jedoch umdrehen:

Auf der Rückseite findet sich unter dem Napoleon in römischer Rüstung die Inschrift: „INSPRUCK LE XVI Brum. [= Brumaire] AN XIV. MDCCV“. Und damit ist klar, dass Droz mit dieser Medaille an den siegreichen Einzug der französischen Truppen in Innsbruck im Herbst 1805 gedenken wollte. Nach dem der französische Marschall Ney die österreichischen Truppen kurz zuvor bei Scharnitz geschlagen hatte, besetzte er mit seinen Truppen am späten Nachmittag des 5. Novembers 1809 Innsbruck, wo er sich in der Hofburg nierderließ. Die Niederlage bei Austerlitz sollte Tirols Schicksal endgültig besiegeln; mit dem Frieden von Preßburg musste die Habsburgermonarchie (vorerst) auf Tirol, Vorarlberg und Vorderösterreich verzichten.
„Unser“ Medaille war eine von insgesamt drei, die der französische Tausendsassa Dominique-Vivant Baron Denon (1747-1825) zur Glorifizierung des Feldzuges von 1805 erdacht hatte und von Droz ausgeführt wurden. Die beiden anderen waren dem „Schwur der Armee auf der Lechbrücke“ und Napoleons Sieg in der „Drei-Kaiser-Schlacht“ bei Austerlitz am 2. Dezember 1805 gewidmet …
(StAI, Münze-95)