Sonntags keine Abfahrt!
Mussolini und Hitler einigten sich im Juni 1939 auf ein Abkommen, welches das „Südtirol-Problem“ – die „nicht integrierbare“ deutschsprachige Minderheit an der Brennergrenze – lösen sollte. Ab Herbst desselben Jahres sollten Südtirolerinnen und Südtiroler „wählen“, ob sie im Land verbleiben und „italienisch leben“ wollten oder in das Deutsche Reich abwandern. 86% der Bevölkerung stimmten dafür, Südtirol zu verlassen. Insgesamt wanderten schlussendlich etwa 75.000 Menschen ab, ca. ein Drittel davon kehrte nach Kriegsende dorthin zurück.

Für jeden und jede, die sich entschieden, in das Deutsche Reich zu übersiedeln, wurde von der Dienststelle Umsiedlung Südtirol (DUS) – einer eigenen Abteilung des Reichsstatthalters in Tirol und Vorarlberg – ein Akt angelegt. Bei Familien wurde der Akt für den Vater erstellt, Ehefrauen und Kinder wurden auch darunter geführt. Die Akten haben dabei im Großen und Ganzen den gleichen Aufbau: Ein Übersichtsblatt, Passfotos, ein Abwanderungsantrag, ein Annahmeschein und eine Einbürgerungsurkunde. Teilweise sind auch die Spezialpässe erhalten sowie diverse Korrespondenzen, z.B. zum Möbeltransport.
Die sogenannten DUS-Akten befinden sich seit 1993 im Tiroler Landesarchiv. Die hier vorgestellten Archivalien wurden in einem Spezialpass in einem dieser Akten gefunden. Dabei handelt es sich zum einen um eine Anweisung, wie die Ausreise aus Italien zu erfolgen habe – nämlich in „ruhiger und würdiger Form“. Darin lässt sich einerseits die damals vorherrschende Ideologie erkennen, spiegelt andererseits aber auch die aufgeheizten Emotionen wider.
Südtiroler Ahnen gesucht?
Als Findmittel zu den DUS-Akten dient eine Namenskartei. Diese wurde im Zuge eines Uniprojektes digitalisiert und steht als Datenbank online zur Verfügung: https://explore-research.uibk.ac.at/p/optiondigital/. Dort kann sowohl diese Umsiedlungskartei aus dem Tiroler Landesarchiv, als auch die Rückoptionskartei aus dem Staatsarchiv Bozen durchsucht werden. Vielleicht findet der/die ein oder andere ja eine unentdeckte Familiengeschichte…
Autorin: Sabrina Mair
Quelle:
- AT-TLA/BBÄ RHSTTV DUS Personalakten der Optanten – Kennnummer 409.894
Literatur (Auswahl)
- Eisterer, Klaus/Steininger, Rolf (Hrsg.), Die Option. Südtirol zwischen Faschismus und Nationalsozialismus (= Innsbrucker Forschungen zur Zeitgeschichte. Band 5), Innsbruck 1989.
- Tiroler Geschichtsverein, Sektion Bozen (Hrsg.), Option, Heimat, Opzioni: eine Geschichte Südtirols – vom Gehen und vom Bleiben, Wien 1989.
- Pallaver, Günther/Steurer, Leopold/Verdorfer, Martha (Hrsg.), Einmal Option und zurück. Die Folgen der Aus- und Rückwanderung für Südtirols Nachkriegsentwicklung, Bozen 2019.