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Wer Eine Reise Tut …

Wer eine Reise tut …

Historische Reisehandbücher sind nicht nur eine wertvolle stadt- und kulturgeschichtliche Quelle, sie sind auch heute noch gefragte Reisebegleiter. Nehmen Sie doch auf Ihre nächste Städtereise einfach einmal eine passende Ausgabe eines alten Baedekers mit und wagen eine kleine Zeitreise. Sie werden sehen, dass sie so – selbst wenn Sie die betreffende Stadt bereits von früheren Aufenthalten kennen sollten – mit ganz anderen Augen durch die Straßen spazieren …

Wir wollen heute eine solche Zeitreise unternehmen und mit dem von Christian Carl André im Jahre 1827 verfassten „Tirol. Ein Taschenbuch für Reisende“ durch Innsbruck spazieren. Allein auf dem beigebundenen Stadtplan (siehe Titelbild) gibt es schon viel zu entdecken und selbstverständlich findet sich dort auch schon die Innsbrucker Sehenswürdigkeit schlechthin – das Goldene Dachl (das im Text dann aber merkwürdigerweise keine Erwähnung fand). Und was erfahren nun die Reisenden über Innsbruck in diesem frühen Reisehandbuch? Lesen Sie selbst:

Innsbruck die Hauptstadt von ganz Tirol, liegt in einer geräumigen fruchtbaren Ebene, begränzt von Bergen, von denen sich einige 7000 Schuh hoch über die Stadt erheben, 47⁰ 16‘ 8‘‘ nördlicher Breite, und 28⁰ 57′ 45“, und vom Inn in zwei ungleiche Theile getheilt. Der lateinische Name Innsbrucks ist Oenipons oder Oenipontum.
[…]
Gegenwärtig zählt Innsbruck ohne die angebauten Dörfer 529 Häuser und 10500 Einwohner. Die Stadt hat eine landesfürstliche Burg, 11 Kirchen und mehrere Kapellen, worunter die Hofkirche durch das Grabmal der Philippine Welserin und das herrliche Denkmal Maximilians des I. sehenswürdig ist, zwei Hospitäler, ein Mannskloster der P. Serviten, und ein Kapuziner Hospitium, dann ein Ursulinenkloster. Es ist hier der Sitz des k. k. Guberniums, des k. k. Appellazionsgerichts, eines Stadt- und Landrechts, der Polizeidirektion, des Bücherrevisionsamtes, der Bankal- und Kammeralbehörden, dann des Oberpostamts. Es hat eine Universität mit zwei Fakultäten, und einem medizinisch-chirurgischen Studium, nämlich der Jurisprudenz mit einem Direktor und fünf Professoren, des medizinisch-chirurgischen Studiums mit einem Direktor und fünf Professoren, und der Philosophie mit acht Professoren. Die Universität besitzt das Befugniß, Doktoren der Philosophie und Rechtsgelehrtheit zu ernennen – bei derselben befindet sich eine Bibliothek, ein botanischer Garten, ein naturhistorisches und phisikalisch-mathematisches Kabinet [sic], und eine anatomische Sammlung. Von öffentlichen Anstalten trifft man weiter ein Gymnasium mit einem Direktor, einem Präfekten und sieben Professoren, eine Musterschule, eine weibliche Schule der Frauen Ursulinerinnen, und ein Verein zur Beförderung der Musik und Deklamation, dann das National-Museum […]. Ferner ein Casino, worin man die vorzüglichsten politischen und literärischen [sic] Zeitungen und Journale lesen kann. Das adeliche Frauenstift, dermalen mit einer Oberin, Unterdechantin und 9 Stiftsfrauen, wurde 1765 von der Kaiserin Maria Theresia gegründet. Merkwürdig ist die Marmorsäule der unbefleckten Empfängniß Mariens in der Neustadt, und die metallene Bildsäule des Erzherzogs Leopold zu Pferde auf dem Rennplatze, welche auf Befehl Sr. Majestät des Kaisers im verflossenen Jahre ein marmornes Piedestal mit bronzenen Inschriften und Verzierungen erhielt. Die Stadt hat verschiedene Seidenfärbereien, Seiden-Bandfabriken, Leinwanddruckereien, mehrere Messerfabriken, eine Siegellackfabrik und vielerlei Handwerke, dann einen lebhaften Verkehr.

Innsbruck, um 1825.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Christian Carl André, Tirol. Ein Taschenbuch für Reisende, Innsbruck 1827)

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