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Weil Wir Schon Dabei Sind…

Weil wir schon dabei sind…

Am Montag durften wir mit „Und ewig lockt der Blick von oben…“ einen Blick von der Riedgasse hinunter auf die Stadt werfen. Weil’s so schön war und Leser S.R. sich (zurecht) mit Wehmut an die ehemals so prachtvollen Gärten erinnert, gibt’s hier noch einmal einen Blick auf die Riedgassen-/Innstraßen-Gärten. Das Bild stammt aus der Feder (oder viel mehr Kamera) von Anton Gratl und bei genauem Betrachten wird klar, dass es sich um eine der älteren Aufnahmen hier im Archiv handelt. In der Altstadt ist der 1890 abgerissene Kräuterturm zu sehen, wir (d.h. das Stadtarchiv) sind noch einen Kopf kürzer, und weiter hinten östlich des Stift Wilten schaut noch alles ziemlich nackert aus. Einzig der Militärfriedhof lässt aus der Pradlisch-Amrasianischen Wald- und Wiesenwelt grüßen (die dortigen Ureinwohner mögen mir den saloppen Ausdruck verzeihen). Nun aber zurück ans nördliche Innufer: Was wird hier in den sauber angelegten Feldern hinter den Innstraßen-Häusern gepflanzt? Sind es womöglich Apfelbäume? Was hat es mit dem kapellenartigen Gebäude am linken Bildrand auf sich? Und was könnte diese schräge Fläche am unteren Bildrand sein, wo sich einige Personen aufhalten? Zuerst dachte ich, es ist ein Dach, aber es scheint wohl auch einem Anbau-Zweck zu dienen..

(Stadtarchiv Innsbruck, Ph-7749)

Dieser Beitrag hat 8 Kommentare
  1. Eine fantastische Aufnahme! Danke! Es könnte sein, dass die Perspektive etwas täuscht, und sich die Personen auf dem Acker oberhalb der Riedgasse befinden. Dann wären das vielleicht die Felder vom Probstenhof? Aber nur vielleicht.

  2. Die streifenförmige Bepflanzung gibt es laut der Krücke Luftbild heute noch.

    Aufnahmepunkt ist meiner Meinung erhöht auf der nächsten Geländestufe hinter der Riedgasse, fast beim Höttinger Priesterseminar. Mithilfe der Perspektiven – Deckung rechter Domturm Kräuterturmecke und Stadtturm „Stadtarchiv“ – landet man an keinem auffällig passenden Ort.

    Das Seminar steht sicher auf geistlichem Grund, das Haus mit dem Kapellentürmchen ein etwas abgelegener Vorgänger? Sicher kein Haus eines derart scheinheiligen Bauern :-).

  3. Nachdem mein Beitrag noch immer nicht aufscheint: der Aufnahmepunkt ist unterhalb der Höhenstraße vor dem Haus Höhenstraße 2. Das Gebäude vorne rechts der Mitte ist heute Riedgasse 18 unterhalb von Riedgasse 20, ganz rechts Riedgasse 12.
    Die Geländedarstellung wird wohl noch nachgeliefert.

  4. Aus einem Artikel von H.H. (wahrscheinlich Hans Hörtnagl)
    Seite 10. Nr. 188 Innsbrucker Nachrichten
    Landwirtschaft
    Eine Plauderei über den heimischen Obstbau.
    ….
    Bei der unvergessenen Landesausstellung des Jahres 1893 hat Karl Epp seine im Höttinger Garten auf dem Bruckfeld gezogenen ersten Früchte ausgestellt und damit einen durchschlagenden Erfolg erzielt.
    Das war eine Leistung ersten Ranges, der Glanzpunkt der Ausstellung; an den schönen Riesenfrüchten hatten die Innsbrucker ihre helle Freude und dies umsomehr, weil die Früchte den Vergleich mit dem zugleich ausgestellten Südtiroler Obst in Ehren bestehen konnten. Wer hätte bis zu diesem Zeitpunkte der heimatlichen Erde diese Kraft zugetraut, eine Kraft, die Karl Epp zu wecken verstand und dem das unbestreitbare Verdienst bleiben muß, als erster die Entwicklungsfähigkeit des heimatlichen Obstbaues erwiesen zu haben. Daran kann auch die Kritik nichts ändern, die gleich einsetzte und von einer Mästung der Früchte auf Kosten des guten Geschmackes sprach. Vielleicht war etwas Wahres daran, obgleich mir vorkommt, dass beispielsweise die Pitmaston-Birne durch diese angebliche Mästung nicht das Mindeste an Wohlgeschmack einbüße. Epps Methode war sicher einseitig, er wollte in erster Linie große Früchte haben, seine König-Karl-, Pitmaston- und Dechants-Birnen konnten an Umfang kaum mehr übertroffen werden.
    Das glänzende Resultat hat den Züchter mit einer Art Gloriole umwoben, man wähnte ihn im Besitze besonderer Geheimnisse und sein etwas romantisches Wesen trug nicht wenig dazu bei, diesen Glauben zu verankern. Auch wurde dieses Geheimnisvolle durch den Umstand genährt, dass er seinen Nachfolgern, zu denen ich mich auch zählen muß nicht mehr annähernd gelang, auf demselben Boden und gleichen Bäumen das gleiche Resultat zu erzielen. Dem Meister Epp ist in der Obstzucht keiner mehr nachgekommen. Wenn ich heute, nachdem mehr als dreißig Jahre verflossen sind, nachdenke, so erhellt sich manches Unerklärliche, mir liegt heute die Züchtungskunst Karl Epps, die er immer gerne verhüllte und diesbezüglich recht zurückhaltend sein konnte, klar zutage.
    Epp war ein Empiriker, der die Gabe besaß, seine scharfen Beobachtungen in die Tat umzusetzen, der aus einer natürlichen Veranlagung heraus nahezu instinktiv das Rechte traf, was übrigens auch Fehlgriffe nicht ausschloß. Er verfügte über eine herkulische Körperstärke. In der Fabrik seines Vaters nahm er es an Kraft mit dem stärksten Gesellen auf und so fiel es ihm nicht allzu schwer, in langwieriger, mühevoller Arbeit den Boden seines Gartens auf die Tiefe von 80 Zentimeter zu rigolen und Schaufel um Schaufel voll Erde unverdrossen durcheinander zu mischen und dadurch den Bäumen ein Bett zuzubereiten, dass ihre Wurzeln ungehindert durchdringen konnten.
    Bei allen Schustern der Stadt hat Epp das alte Leder und unbrauchbare Schuhsohlen zusammengesucht, die man gerne überließ und hat sie mit in die Tiefe gebettet. Ich kann an die besondere Kraft der Schuhsohlen als Dünger nicht glauben, aber sicher wurde damit eine glänzende Bodenlockerung und Durchlüftung erzielt, unterstützt durch ein sorgfältiges, alle 14 Tage stattfindendes Jäten des Unkrautes. Mit der Bodenvorbereitung ist Epp vorbildlich geworden. Außerdem wählte der Züchter unter den zu pflanzenden Zwergsorten die allerkräftigsten aus, bevorzugte im allgemeinen nur großfrüchtige Gattungen, pflegte reichlich, fas überreichlich zu düngen, daher darf es nicht wundernehmen, wenn die Bäumchen, besonders in der ersten Tragkraft ihrer Jugend, wo die Leistungsfähigkeit am größten ist, solch ungewöhnliche Früchte hervorbrachten.
    Es ist aber ohne Wunder hergegangen und heute noch würde jeder von uns dasselbe Ergebnis erzielen, vorausgesetzt, er könnte ebensoviel Scheiß, Mühe, Kraft, Zeit und nicht zuletzt Geld darauf verwenden, wie es Karl Epp getan hat. Damit noch nicht genug, war Epp fortwährend

  5. Zweiter Teil – bitte korrigieren „Schweiß“

    Es ist aber ohne Wunder hergegangen und heute noch würde jeder von uns dasselbe Ergebnis erzielen, vorausgesetzt, er könnte ebensoviel Schweiß, Mühe, Kraft, Zeit und nicht zuletzt Geld darauf verwenden, wie es Karl Epp getan hat. Damit noch nicht genug, war Epp fortwährend bemüht, durch Kreuzung eine Apfelsorte zu erhalten, die alle bisherigen Züchtungen in Schatten stellen sollte.
    Soweit ich mich entsinne, war eine Sorte davon die Landsberger Reinette, ein schöner Apfel, der jedoch von der Blutlaus stark befallen wird und den Epp durch Kreuzung widerstandsfähiger machen wollte. Oft hat er mich zu dem Bäumchen hingeführt, in dessen Veredlung der Keim des Zukunftsapfels schlummerte, sich und mir goldene Berge davon versprechend.
    Als ich schließlich den Garten käuflich übernahm, hegte ich die stille Hoffnung, der Zukunftsapfel würde mir verbleiben. Jedoch ich täuschte mich. Am Morgen der endgültigen Übergabe des Gartens hat Epp die verheißende Veredlung abgeschnitten und mitgenommen. Ich war ihm darum kaum böse, denn der Veredlungsversuch ist sein geistiges Eigentum gewesen, und ein Züchter mag an seinen Werken oft stärker hängen, als ein Vater an seinen Kindern. Als ich später von ihm selbst vom Versagen des Edelreises hörte, das nicht mehr angewachsen, habe ich das Fehlschlagen seiner Hoffnungen bedauert.
    Das Gedenken an Karl Epp wird mit der Geschichte des Nordtiroler Obstbaues verknüpft bleiben; mir war es ein Bedürfnis, von den züchterischen Leistungen meines längst verblichenen Freundes wieder einmal sprechen zu können.
    ….

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