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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
True Crime Kulinarischer Stadtrundgang 1903: #Nacht 1

True Crime kulinarischer Stadtrundgang 1903: #Nacht 1

„Die beiden Häupter der Innsbrucker Einbrecherbande.

(5. Schwurgerichtsfall.)
Heute stehen die beiden Häupter der Innsbrucker Einbrecherbande vor den Geschwornen, nämlich Karl Reisigl, am 28. Jänner 1875 zu Innsbruck geboren, nach Telfs zuständig, katholisch, ledig, Maschinenschlosser und Eduard Wisiol, am 19. September 1880 zu Innsbruck geboren und hier auch zuständig, kath., ledig, Tischlergehilfe.

Wie bekannt, wurden im Jänner und Februar d. Js. in Innsbruck und Hall eine Reihe von Einbruchsdiebstählen teils verübt, teils versucht, welche selbstverständlich in den beteiligten Kreisen großes Aufsehen erregten, umso mehr, als es trotz der erhöhten Wachsamkeit der Sicherheitsorgane lange Zeit nicht gelang, den Tätern, die mit einer geradezu beispiellosen Frechheit vorgingen, auf die Spur zu kommen.
Da verhaftete die k. k. Gendarmerie in Hall am 12. Februar die beiden Beschuldigten Karl Reisigl und Eduard Wisiol, die nach den Erhebungen dringend verdächtig waren, teils in Gesellschaft, teils allein die meisten Einbruchsdiebstähle begangen zu haben. Im Laufe der Untersuchung legten die Beschuldigten dann auch nach und nach ein umfassendes Geständnis ab.

Der erste Diebstahl, den Karl Reisigl in Gesellschaft des Anton Facchini verübt hatte, betraf den Selchwarenfabrikanten Andrä Hörtnagl. In der Nacht vom 12. zum 13. Jänner 1903 wurde nämlich in dessen Marktbude am Innrain hier ein Fensterladen mit Gewalt erbrochen und es wurden 2 Stück Schweinskarré im Werte von 14.40 Kronen, ein Stück Kaiserfleisch 5.64 Kronen und 3 bis 4 Kilogramm Schweinsleber, 2.40 Kronen wert, verschiedene Würste um 6 Kronen und 4 Kilogramm geselchtes Rindfleisch im Werte von 8 Kronen, somit zusammen Fleischwaren im Werte von 36.44 Kronen entwendet.

Karl Reisigl hatte nach mehrstündiger Arbeit, die er wiederholt unterbrechen mußte, sich in die Marktbude Eingang verschafft und hatte mit Anton Facchini, einem in der Nähe der Huterschen Ziegelei in Wilten wohnenden Maurer, den er eigens zu diesem Zwecke holte, das Fleisch aus der Bude genommen, worauf sie es gemeinsam nach Hause trugen.

Wegen dieses Diebstahls, dessen Karl Reisigl und Anton Facchini in Übereinstimmung mit den Erhebungen geständig sind, wurde letzterer bereits vom k. k. Landesgerichte in Innsbruck abgestraft, wie auch eine Reihe von anderen Personen wegen Verbrechens der Diebstahlsteilnehmung sich zu verantworten hatten.“


Das Titelbild von Richard Müller stammt von einer stark beschädigten Glasplatte. Die Feinkost-Filialen Hörtnagl und Spötl sind natürlich für Hungrige eine Augenweide und permanente Versuchung zugleich. Die Aufnahme dürfte am späten Nachmittag entstanden sein, die Sonne kommt horizontal aus dem Westen. Der sommerliche Markt (hier auf einem tollen Winterbild von Richard Müller) ist abgebaut; vier allerletzte Standeln versorgen die Schnäppchenkäufer, ein Bub kauert auf den Treppen der Fleischbank, auf dem Podest gegenüber sitzt eine Dame mit Hut in Schwarz. Ein Schild verweist auf die Schlosserei des Max Lomberger.



Andrä und Hans Hörtnagl muss man in Innsbruck nicht vorstellen. Der gerade wieder in einer Neugestaltung befindliche Kulinarik-Tempel im Fleischkas-Bermudadreieck Theresienstraße-Burggraben-Museumstraße ist eine lokale Institution und war es auch schon im Jahr 1903.


Firmengründer Andrä war 1897 verstorben, nun leitete Sohn Hans die Geschicke und war, wenn man die ganzseitige Würdigung zu seinem 70er in den Innsbrucker Nachrichten liest, ein ungewöhnlicher Metzgerssohn. Er war Forscher und Autor, im Ferdinandeum aktiv, im Vorstand der Sparkasse, verschenkte die Gründe der Hörtnagl-Siedlung an die Stadt und wurde 1934 Ehrenbürger.


Hans, der wie man oben sehen kann, fünf Schwestern und einen Bruder hatte, hatte laut Heimatkarte selbst nur einen Sohn mit seiner Gattin Anna geb. Plattner.

NSDAP Mitgliedskarte des Ernst Hörtnagl

(Titelbild RM-PL-464)

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