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Alle Wege Führen Nach Hötting

Alle Wege führen nach Hötting

Nun ja, das mag vielleicht darauf ankommen wen man fragt, aber genug mit diesen reißerischen Überschriften. Was ich Ihnen mit diesem Beitrag eigentlich zeigen möchte ist ein bisschen Alltagsgeschichte.

Was wir auf diesen beiden Bildern zu sehen bekommen, ist eine Straßenbauszene anno 1935/1936 in der Hörtnaglsiedlung. Was sehen wir alles? Tatkräftige Männer die mit unterschiedlichen Werkzeugen zu Gange sind. Hier endet meine Straßenbauexpertise leider auch schon. Aus diesem Grund stelle ich weiters lieber Vermutungen und keine Tatsachen dar. Ein Rossgespann das vermutlich überschüssige Erde etc. wegliefert? Im Hintergrund eine mit Kohle oder Diesel betriebene Dampfwalze? Wie passt dieser kleine Schuppen links im Bild in die Szenerie? Helfen Sie mir, meine Wissenslücken zu füllen.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Slg. Gottfried Newesely, GoNe-7981, GoNe-7982)

Dieser Beitrag hat 10 Kommentare
  1. Ein für mich als Straßenbauer einmaliges Foto! Außer dieser Dampfstraßenwalze im Hintergrund (sie ist auf alle Fälle mit Holz und Kohle betrieben) keine Maschine – alles Handarbeit! Als ich 1954 mit dieser Arbeit konfrontiert wurde – draußen in der Burgenlandstraße (dem späteren Südring) hatten wir zwar auch eine Dampfwalze, aber doch schon ein „Räupchen“ zum planieren und das Material brachten schon Lkw’s! Alles andere geschah auch damals noch mit „die Pickel und das Schaufel“ und einer hölzernen Scheibtruhe dazu! Große Bagger gab es schon damals, aber doch nicht für solche eine „Geggelearbeiten“, man hatte ja noch genug billige und arbeitswillige Arbeiter! Solche, die mit einer Schaufel auch noch umgehen konnten!
    Gerade gestern habe ich längere Zeit auf einer Erdbaustelle im Imster Stadtgebiet länger zugeschaut – was sind das für Welten!!

  2. Der angesprochen Schuppen könnte entweder die Bauhütte von einem der Häuslbauer sein, aber auch zu der Straßenbaupartie gehören. Denn damals war das erste, wenn man solch eine Baustelle begann, das Aufstellen einer hölzernen, zusammengenagelten Hütte an einem zentralen Punkt. Hier verbrachte man die Neunerle- und die Mittagszeit (die Arbeiter hatten meist von daheim etwas mit) oder wartete eventuell die Schlechtwetterschicht ab. Über Nacht wurde darin – meist aber in danebenstehenden Werkzeugkisten – das ganze Handwerkzeug gelagert. Wohnwägen auf Rädern oder gar Container gab es damals noch nicht

    1. Auf dem ersten Bild fehlt dieses Hüttel. Ich möchte „noch“ dazusetzen, denn am zweiten Bild ist die Straße schon in fortgeschrittenerem Zustand, die Schotterschicht ist schon näher. Das Hüttls wandert anscheinend mit. Ganz sicher bin ich mir nicht: Ist die Straße tatsächlich etwas höher als vor dem Schotterhaufen, oder ist das nur Aushubmaterial der erkennbaren Rinne auf der linken Seite?

      Danke Herrn Roilo für die Beschreibung der verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten des Multifunktionshüttels. Ob bei Regen alle Arbeiter Unterschlupf gefunden haben? Der Polier sicher. Die Beschreibung der Imster Baustelle läßt hingegen zwischen den Zeilen den Anklang eines Kontrasts zur vorangehenden Erwähnung der früheren Kenntnis im Umgang mit Schaufeln herauslesen. Auweh. Warten wir auf die Schaufel App.

      1. In Ihrem Beitrag, Herr Hirsch, steckt nun allerhand drin! Zuerst zur Bauhütte: Nach einem „Wanderhüttl“ sieht es nicht gerade aus, die Eckpfosten scheinen eingegraben zu sein. Ich glaube doch eher, dass es einem Häuslbauer gehört. Die Arbeiter haben sicher in der Nähe etwas Größeres gehabt, es sind doch einige Leute hier beschäftigt. Der Herr Polier – ich glaube, er steht eh rechts als Dritter (vielleicht raucht er gerade eine Virginier??) – wird in dieser sicher größeren Hütte ein eigenes Abteil zum Schreiben des Bautagebuches gehabt haben!
        Dann zu den beiden, noch etwas höheren, Materialriegeln links und rechts: Die Zufuhr mit dem Rossfuhrwerk erfolgte in Straßenmitte. Kippmöglichkeit hatten diese Fahrzeuge ja keine, das Material wurde links und rechts seitlich herunter und dann wieder in den mittleren Bereich hineingeschaufelt. Im Bereich, wo das Fuhrwerk steht, ist das Material bereits verdichtet, die Walze ist also schon drüber gefahren, dort, wo der Arbeiter mit der Schaufel und dem ausgestreckten Arm steht, fehlt das noch. Deshalb wird er den Fuhrmann auch anzeigen, er soll etwas nach links fahren, sonst bleibt er stecken bzw. die Walze kommt nicht vorbei.
        In dieser Zeit war es ja wichtig, möglichst viele Menschen zu beschäftigen – daher auch keinerlei Maschinen und umständliche Arbeitsmethoden! Gerade dass man die Bodenverdichtung nicht auch noch mit Treten Mann an Mann durchgeführt hat, statt der Walze!

      2. Einer meiner früheren Poliere, der noch 1937/38 beim Bau der Straße über die Karrer Höhe vor Imst beschäftigt war, erzählte immer, dass damals die Bohrlöcher nur händisch geschlagen werden durften, obwohl daneben Luftkompressoren standen. Eh klar: Beim händischem Bohren brauchte es für ein Loch zwei Menschen, die mit einem Schlögel auf die Bohrstange geschlagen haben und dazu noch einen, der die Stange nach jedem Schlag etwas gedreht hat! Und langsamer ging auch alles.

    2. Meine Vermutung zur Bauhütte: Sie steht bei beiden Fotos an der selben Stelle. Die Aufnahme wurde jedoch „ein Häusl weiter“ der Straße entlang gemacht (man sieht die Hütte hinter dem Haus hervorlugen). Auch der senkrechte Streifen an der Fassade des vorderen Hauses deutet darauf hin.

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