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Tiroler Limosa

Tiroler Limosa

Eine der schönsten Tätigkeiten der Arbeit im Stadtarchiv ist das Sichten und Sortieren von Beständen, die neu ins Archiv gekommen oder bisher noch nicht genauer verzeichnet sind. Das ist wie ein Eintauchen in fremde Welten, in das Leben von mir unbekannten Menschen. Dabei gibt es immer wieder Bestände, bei denen man überfragt ist, wie einzelne Teile zusammenpassen oder am besten zu sortieren sind. So in etwa ist es mir erst neulich gegangen, als ich bei der Ordnung eines Bestandes auf zwei Karten gestoßen bin, die in keinem offensichtlichem Zusammenhang zum Rest standen. Gleichzeitig steht, wie so oft, eine interessante Geschichte dahinter.

Dabei handelt es sich um zwei Postkarten aus Schweden aus dem Jahr 1909 und 1912 (im Titelbild). Bei beiden geht es um Bestellungen einer Tiroler Limonade beim Hoflieferanten Munding in Innsbruck. Während der Text auf der einen Karte mit der Hand geschrieben und damit kaum zu entziffern ist, ist derjenige auf der zweiten mit Maschine geschrieben und daher auch besser zu lesen. Aber sehen Sie selbst:

Die in der Postkarte erwähnte Limonade war im Jahr 1909 auf den Markt gekommen, damals unter dem Namen „Tiroler Limonade“ und wurde gleich offensiv beworben. In Reisezeitschriften und Magazinen wurde diese als wahren Gesundbrunnen und zur Erfrischung bei Berg- oder Skitouren angepriesen. Durch eine dieser Werbungen ist offensichtlich auch Gunnar Bruun aus Kalmar in Schweden auf diese Limonade aufmerksam geworden und wollte sich das exklusive Vertriebsrecht in Schweden sichern. Die Angelegenheit wurde, wie der Vermerk zeigt, offenbar auch rasch erledigt, allerdings konnte ich nicht herausfinden, ob aus dem Exklusivvertrieb der Limonade in Schweden etwas geworden ist. Die Limonade selbst, später als Alpenperle beworben, wurde noch einige Jahre hergestellt und vertrieben: in Kriegszeiten dann als der „billigste Ersatz bei der jetzigen Bierknappheit“.

Allgemeiner Tiroler Anzeiger, 10. Juni 1916.
Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Ein Anders Gunnar Bruun, Korrespodent/Kontorist, geb. 1898 in Kalmar, Kreis Borgholm wurde anlässlich einer im Jahre 1910 durchgeführten Volkszählung in der Stadt Kalmar erfasst: https://sok.riksarkivet.se/bildvisning/Folk_108102-107#?c=&m=&s=&cv=106&xywh=-58%2C9%2C876%2C480
    Ob es tatsächlich dieser Gunnar Bruun war, der seine Anfrage an Hans Munding stellte? Herr Bruun war 1912 33 Jahre, Herr Munding 48 Jahre alt, beide noch berufstätig. Zeitlich könnte es demnach passen.

    1. Liebe Frau Stolz,

      danke für den interessanten Hinweis. Ich habe ebenfalls in digitalisierten schwedischen Zeitungen ein wenig gesucht, allerdings habe dort nichts finden können, was darauf schließen lässt, dass die Limonade in Schweden vertrieben wurde. Aber wer weiß, vielleicht findet sich ja noch irgendwo ein Hinweis…

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