skip to Main Content
#bilderschauen --- #geschichtenlesen --- #gernauchwiederimarchiv
Straße ≠ Straße

Straße ≠ Straße

Dass derselbe Straßenname in mehrere Städten angefunden wird ist nichts ungewöhnliches. Manche unterscheiden sich vielleicht ein wenig in der Schreibweise und viele, wenn nicht alle, selbstverständlich in der Länge der Wege. Worauf ich aber in diesem Beitrag eingehen möchte ist der Punkt der Bedeutung oder des Prestiges der Straße – wenn man das so nennen kann.

Nehmen wir als Beispiel das Titelbild. Wir blicken gegen Westen in die Innsbrucker Kärnter Straße an der Ecke zur Prinz-Eugen-Straße. Links erkennt man eine Tabak Trafik und darauf folgend reihen sich mehrere Wohnhäuser. Man könnte sagen, es handelt sich um eine ordinäre Wohnstraße, wie man sie häufig in Innsbruck findet. Denkt man nun aber an die Kärnter Straße in Wien, dann werden einem die Differenzen trotz gleichen Straßennamens immens vorkommen.

Ein anderes Beispiel wäre die Leopoldstraße. In Innsbruck ist sie viel benutzt und bietet durch die Umgestaltung des Wiltener Platztl auch einladende Geschäfte und Lokale. Die meisten Gebäude in der Straße sind jedoch bis auf ein paar Ausnahmen weniger imposant. Macht man nun den Vergleich mit der Münchner Leopoldstraße, dann bietet auch diese in Richtung Münchner Freiheit viele Cafés und Restaurants. Auch die Architektur im bayerischen Pendant gibt keine großen Schönheiten her. Der große Unterschied ist das „Prestige“ der Straße. In München geht man schon seit vielen Jahren zur Leopoldstraße um „sehen und gesehen zu werden“. Man darf sich also nicht wundern, wenn dort protzige Autos der Hersteller Ferrari, Maybach, Lamborghini etc. lautstark und mehrmals die Straße auf und ab fahren.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, KR-NE-7904, )

Dieser Beitrag hat 26 Kommentare
  1. Die Kärntner Straße in Wien wurde 1257 als „Strata Carinthianorum“ erstmals urkundlich erwähnt. Die Innsbrucker Kärntner Straße ist wesentlich jünger.

    Interessant wäre ein Beitrag, wo über die dutzenden „Innsbrucker Straßen“ und „Innsbrucker Plätze“ in aller Welt berichtet wird. So gibt es z.B. in Berlin eine Innsbrucker Straße und sogar einen Innsbrucker Platz! Weiters steht in Berlin sehr spannenderweise ein originalgetreuer Nachbau des Trautsonbrunnens!

      1. Das habe ich noch gar nicht gewusst, vielen Dank, Herr Roilo!

        Spannend wäre auch zu erfahren, wo die am weitesten entfernte „Innsbrucker Straße“ auf der Welt ist.
        Möglicherweise ist es die Innsbruck Street in Bellaire, Texas, USA! Das ist über 8.700 km weit entfernt! Ob es irgendwo noch eine gibt? Vielleicht in Australien oder Neuseeland…..

        1. Ich glaube, die Recherche würde aufwändiger werden, denn es gibt offenbar ziemlich viele nach Innsbruck benannten Wege, Straßen und Plätze auf der Welt, wie kurzes Googeln nach „Via Innsbruck“, „Innsbruck Rd“, „Innsbruck Blvd“ etc. schnell zu Tage bringt.

          Die Recherche würde auch Sprachkenntnisse jenseits des Englischen erfordern, zumal man wohl auch in den jeweiligen Landessprachen suchen muss, ich zitiere aus Wikiwand:
          Dispruch (Ladin), Innsbruck (Finnish*, German*, Romanian*), Innzbruk (Hungarian), Inomost (Old Slovene)*, Innomostí* / Inšpruk* (Czech), Insbruka (Latvian)*, Insbrukas (Lithuanian)*, Insbruque (Portuguese)*, Inseubeurukeu / Insŭbŭruk’ŭ – 인스브루크 (Korean), Insuburukku – インスブルック (Japanese)*, Inzbrik (Yiddish), Inzbruk (Serbian)*, Puntina (Romansh), 因斯布鲁克 (Chinese)

          Eine größere Aufgabe. 🙂

        1. Nur wenn man ihn oberflächlich betrachtet. Der Innsbrucker Platz in Berlin entfaltet seine wahre Schönheit nämlich im Untergrund, er ist hauptsächlich ein mehrstöckiges Verkehrsbauwerk, ein Endbahnhof der Berliner U-Bahn, der einst ein Verknüpfungspunkt werden hätte sollen. Es gibt dort sogar noch den Tunnelrest eines einst errichteten „Eisacktunnels“ (benannt nach dem norditalienischen Fluss) und ganz unten, unter den genutzten Ebenen, einen vor über 40 Jahren gebauten, aber nie genutzten weiteren U-Bahnhof.

          1. I hab ihn nur oberflächlich betrachtet 🙂 . Dort paßts schon. Aber danke für die interessante Zusatzinfo.

          2. Ich habe meinen Reisegefährten bei meinem ersten Berlin-Besuch auch zum Innsbrucker Platz geschleppt (und selbigen auch oberflächlich dokumentiert). 🙂 In der Tat wurde sogar in einem Reiseführer (oder war es schon im Netz?) als bemerkenswert erwähnt, dass an diesem Ort der Verkehr in 3 oder 4 Stockwerken übereinander geplant ist.

  2. Am ersten Foto erkenne ich die alte Führung der Kärntner Straße oberhalb der Prinz-Eugen-Straße. Wo der oder die Radfahrerin unterwegs ist, fuhr auch der motorisierte Verkehr. Zwischen der Fahrbahn befand sich die verwilderte Grünanlage und weiter zur
    Häuserzeile der asphaltierte Gehsteig. Der Fußweg entlang der Sill war ein Schotterweg.
    Im Haus mit der Aufschrift Prinz-Eugen-Straße befanden und befinden sich noch immer die Tabak Trafik der Familie Gogl und das
    Postamt. In der Fortsetzung der Kärntner Straße, bin ich wie bereits in einem Beitrag angeführt, auf Nummer 44 aufgewachsen. Unser
    ehemaliges Wohnhaus wird in nächster Zeit, als letztes Haus bis zum Hochhaus, abgetragen.
    Das Foto würde ich in die Mitte der 1960er Jahre datieren.

  3. Mit dem Ausdruck „ordinär“ werden die Leute in der Kärntner Straße keine Freude haben. Jede Straße in Innsbruck ist etwas Besonderes, Einzigartiges und Außergewöhnliches.

      1. Da haben in den 50ern auch Kapazunder wie die Univ. Prof. -es Lochs (Mathematik) und Thurnher (Germanistik) gewohnt. Da man solcherlei Menschen lateinisch aber als Ordinarius bezeichnet, schwächt sich das Wort ordinär in Richtung der ursprünglichen Bedeutung wieder ab.

  4. Das zweite Bild zeigt anhand des kleinen Gebäudes neben dem Vieider (den es immer noch gibt!) ein frühes Beispiel des Geschäftssterbens in Wilten. Auch die schöne Kastanie im Steneckgartl steht längst nicht mehr. Und am Eck gegenüber der Priorschule sieht es jetzt auch moderner aus. Fotos der alten Bebauung sieht man nicht viele.

  5. Was mir auf dem Foto von der Kärntnerstraße wieder einmal aufgefallen ist: Die „Sill-Leitung“ (hier die Abspannung über der Pembaurbrücke). Von dieser Stromleitung weiß ich nur, dass sie die Verbindung zwischen dem Umspannwerk in der Haller Gegend zum UW Wilten war. Sie führte bis etwa zur ETAB linksseitig des Inns (einen Mast, so glaube ich, sieht man auf https://innsbruck-erinnert.at/unterwegs-mit-pfarrer-goehlert-xxii/ ), querte dann den Inn zur Silleinmündung hinüber und dann in der Mitte der Sill über Eugen-, Pembaur- und Pradlerbrücke bis zur Gaswerkbrücke, wo sie (so bilde ich es mir zumindest ein) die zwei Brücken (Betonbrücke und Straßenbahnbrücke) unterfuhr und weiter sillaufwärts irgendwo die Sill verließ, Richtung Umspannwerk.
    Vielleicht weiß hier irgendein „Elektromensch“ (ich denke da an Herrn Andre Bacher, der uns schon einmal über die Überlandleitungen um Innsbruck aufklärte) mehr zu berichten. Jedenfalls gab es hier an beiden Ufern der Sill Gittermasten, an der Verbindung dieser Masten hingen die Isolatoren mit der Stromleitung.
    Zwei solcher, für mich riesigen Gittermaste, begleiteten meine Kindheit / Jugendzeit: Einmal am Brückenplatzl beim Beginn der Kärntnerstraße (nach dem Schmied / Wagner), der andere stand am Dreiheilinger Brückenkopf der Pradlerbrücke. Den sieht man besonders gut hinter den Elefanten bei https://innsbruck-erinnert.at/elefantenspaziergang-durch-dreiheiligen/comment-page-1/#comment-6784
    Ein weiteres Mal sieht man solch einen Gittermast vor der Rhombergfabrik in https://innsbruck-erinnert.at/welche-bruecke-wird-hier-geschlagen/comment-page-1/#comment-10123

    1. Bis zur vielleicht doch noch erfolgenden elektrotechnischen Klärung der Bewandtnis mit den Masten erfreue ich mich an diesen beiden unverhofft gezeigten Bildern. Ich habs sicher irgendwann einmal selbst in diesem Zustand gesehen, aber Alltägliches bleibt eben nicht im Gedächtnis.

  6. Weil wir hier bei Straßennamen in verschiedenen Städten sind, weiß hier vielleicht jemand etwas auch über die Namen von Plätzen:
    Gibt es einen bestimmten Grund, dass „Südtiroler Platz“ so oft für Plätze vor Bahnhöfen verwendet wird? Wir alle kennen den Südtiroler Platz vor dem Hauptbahnhof in Innsbruck, so heißen aber auch die Plätze vor dem Salzburger und dem Wiener Hauptbahnhof und vor den Bahnhöfen in Kufstein, in Spittal an der Drau und in Waidhofen an der Ybbs (und möglicherweise noch in anderen Orten).

    1. Ich glaub schon, daß das politisches Kalkül war, auch jeden ankommenden Fremden per Adresse an die Einverleibung Südtirols durch Italien zu mahnen. Prominente, die in Innsbruck im Hotel Europa abstiegen, kamen wenigstens mit einem Auge am Wort Südtirol nicht vorbei. Ich glaube, man kann sich die damalige Fassungslosigkeit und auch den Zorn über die Abtrennung Südtirols nicht mehr vorstellen, die derartige Aktionen initiieren konnten.

      Aber man hat ja nicht genug schießen und marschieren können.

      1. Genau so ist es. Ich hätte bereits Material für einen Beitrag dazu, den ich mir schon lange vorgenommen habe. Ich sollte ihn tatsächlich angehen, bevor es jemand anderer tut! 🙂

        1. Der Südtiroler Platz in Innsbruck ist jedenfalls älter als der Südtiroler Platz in Wien, welcher 1927 umgetauft wurde.

          1924 heißt es anlässlich der Umbenennung des Innsbrucker Bahnhofplatzes in Südtiroler Platz in der Zeitung:
          „Kundgebung für Südtirol. Am Samstag abends
          fand die feierliche Einweihung der neuen Straßennamen
          zum Gedenken an Südtirol statt. Die Wiltener Musik­
          kapelle in ihrer schmucken Tracht konzertierte auf dem
          Südtiroler Platz (Bahnhofplatz). Hierauf fand am Bo–
          zener Platz (Margarethenplatz) eine kurze Feier statt,
          bei der Prof. Dr. Stolz und Dr. Straffner warme
          Worte für Südtirol sprachen. Mit dem Absingen des
          Andreas-Hofer-Liedes schloß die Kundgebung. Die neuen
          Straßentafeln waren von Mittelschülern in hübscher
          Weise geschmückt!“

          Eine sehr schöne und würdevolle Feier!

  7. In Nürnberg gibt es auch einen Südtiroler Platz, wie man in der Zeitung von 1927 nachlesen kann

    Tiroler Straßenbenennungen in Nürnberg. Im
    „Fränkischen Kurier“ lesen wir: In Nürnberg wur­-
    den benannt: Die von der Gotenstraße zwischen Ti-
    roler und Andreas-Hofer-Straße nach Sü­-
    den zur Ingolstädter Straße führende Straße „Inns-
    brucker Straße“; die von der Rieppelstraße zum
    Südtiroler Platz (westlich der Andreas-Hofer-
    Straße) führende Straße „B o z e n e r Straße“; dis
    nächste westliche Querstraße zwischen Rieppelstraße
    und Südtiroler Platz „Meraner Straße“: die
    vom Südtiroler Platz westlich der Andreas-Hofer-
    Straße zur Ingolstädter Straße geplante Straße
    „Speckbacher- Straße“; die nächste westliche
    Querstraße zwischen Südtiroler Platz und Ingol­-
    städter Straße „Haspinger-Straße; die west­
    lich und parallel der letztgenannten Straße geplante
    Straße „Defregger-Straße“!

    Die Stadt Nürnberg wollte damit auch Solidarität zeigen und an das traurige Schicksal des armen Südtirol erinnern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back To Top
×Close search
Suche