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Stoßpudelscheibenschießen, Preiswatten Und Gartenkonzerte

Stoßpudelscheibenschießen, Preiswatten und Gartenkonzerte

Das waren nur einige der Veranstaltungen, mit denen das Pradler Gasthaus „Lindenhof“ im Fin de Siècle um die Gunst der Gäste warb. Regelmäßig konzertierten hier Musikkapellen, darunter die Wiltener und die Igler Musikkapelle, und Nationalsänger. Auch patriotische Feiern wurden im „Lindenhof“ abgehalten. So lud der damalige Pächter Anton Raßner am 24. Juni 1900 zur Custozza-Feier (in Erinnerung an die Schlacht von Custozza im Jahr 1866). An der Feier beteiligte sich neben der Schützenkompanie Pradl auch die Amraser Musikkapelle.

Werbung für ein Gartenkonzert der Musikkapelle Wilten im Gastgarten des „Lindenhof“ (IN v. 20.5.1893).

Wiederholt fanden auch Turniere statt. Elisabeth Thomaset, die nach dem Tode ihres Mannes Alois (gest. 25.2.1894) den Betrieb zunächst alleine weiterführte, organisierte für den 6. Feber 1897 ein Preiswatten „mit hübschen Besten.“ Im Oktober desselben Jahres ging im Lindenhof ein „Stoßpudelscheibenschießen“ – ich hoffe, die ExpertInnen unter Ihnen können uns mehr dazu erzählen – über die Bühne. Die Veranstaltung war offenbar ein Erfolg, denn sie wurde im Oktober 1898 vom neuen Pächter wiederholt.

Anton Raßner läd zum „Stoßpudelschießen“ (IN, 13.10.1898). Es gab Preise im Gesamtwert von umgerechnet rund 680 Euro zu gewinnen.

Gelegentlich traten im Lindenhof auch Komiker, wie Josef Dampfhofer oder der „Wiener Salonhumorist“ Franz Wagner auf. Sie erfreuten die Gäste mit Couplets und allerlei komischen Vorträgen.

Inserat aus den IN vom 21.10.1898.

Und selbstverständlich kehrten auch Vereine beim Lindenhof zu, so etwa der Radfahrer-Verein Amras-Pradl im Rahmen seiner Gründungsfeier im Jahr 1898, wo bei einem Gartenkonzert der offiziele Beitritt zum Tiroler Radfahrer-Verband erfolgte. Im Juli 1901 veranstaltete der Radfahrerklub „Union“ ein Wohltätigkeitsfest im Lindenhof. Knapp zwei Jahre später organisierte die „humoristische Tischgesellschaft ‚Zwiebelfische‘ im Gasthause ‚Lindenhof‘ in Pradl ein Gartenfest, das dem vorbereiteten Programme zufolge gelungen zu werden verspricht. Die Arbeitermusik wird den musikalischen Teil besorgen, während die Gesellschaft durch Ausführung von originellen Theaterstücken die Lachmuskeln der Anwesenden anregen wird. Das Komitee hat somit alles aufgewendet, um den Besuchem einen vergnügten Nachmittag zu bereiten. Zum Schlusse wird ein Ringkampf zwischen zwei berühmten Kämpfern, Akiwa Wampa und Piccolo Pietro ausgeführt werden. Der Beginn des Konzertes ist auf 3 Uhr nachm., der Eintritt mit 20 Heller per Person, Kinder frei, festgesetzt. Im Falle ungünstiger Witterung wird die Veranstaltung verschoben und dies rechtzeitig durch Plakatstreifen bekannt gegeben werden“ (IN v. 23. Mai 1903).

Als unsere Aufnahme entstand, hatte der Lindenhof jedoch seine besten Tage bereits hinter sich. Im Jahr 1969 wurde das Gasthaus abgerissen …

(StAI, Slg. Kreutz, Foto: Walter Kreutz)

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare
  1. Als Japan-Affiner kann ich sagen, dass ein Vorläufer des Flippers, das japanische Pachinko-Spiel (noch heute sind Pachinko-Spielhallen in Japan verbreitet), zur Jahrhundertwende 19./20., als Japan sich nach dem Ende der Edo-Zeit dem Westen öffnete, unter verschiedenen Bezeichnungen seinen Weg in den Westen gefunden hat; eine davon war „Stoßpudel“, warum auch immer man das so nannte. Das dürfte also ein Pachinko-Turnier gewesen sein, ganz ohne herumfliegende, weil getretene Pudel. Damit erschöpft sich mein marginales Wissen aber auch schon wieder.

  2. Vom Schießen ist eigentlich nirgends die Rede, scheiben ist ein eingegliedertes Zeitwort. Kommt von schieben, vergleiche Scheibtruchen für Schiebetruhe. Und Kegelscheiben. Danke an Manni Schneiderbauer für die Erklärung des Spiels als Urflipper. In der Wartehalle der Patscherkofel Talstation stand die längste Zeit ein ewig nur als kaputt gekanntes mechanisches Kugelspiel, verschieden gefärbte Federklappen, die ein Loch zum hineinschießen hatten und sich farblich im Punktewert unterschieden, klappten bei einem Treffer zu. Die Federn waren aber teilweise lose oder verbogen.

    Vielleicht hätts einmal Stoßkugel heißen sollen, aber es wäre nicht das erstemal, daß ein legendärer Versprecher als Bezeichnung picken geblieben ist.

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