Sonne, Mond und Sterne
Seit 2004 erscheint der Tiroler Integrationskalender, der verschiedene religiöse Feiertage und für Integration relevante Gedenktage auflistet. Dazu sind auf der Rückseite Berichte über Projekte zum Thema abgedruckt. 2026 steht der Kalender nun im Zeichen der Nachhaltigkeit.
Es ist ein interessanter Zufall, dass die abrahamitischen Religionen genau drei verschiedene Arten von Kalendern verwenden – das Christentum hat aus Rom den Sonnenkalender übernommen, der Islam richtet sich nach dem Mond und das Judentum verwendet eine Kombination, einen sogenannten Lunisolarkalender. Der julianische und sein gregorianischer Nachfolger arbeiten mit 30–31-tägigen Monaten, dem kurzen Februar und Schaltjahren, um den Jahreszeiten treu zu bleiben. Die Kuriosität, dass der September der neunte, und nicht der siebte Monat ist (usw.), kommt übrigens daher, dass das römische Jahr ursprünglich im März begann. Als aber 153 v.Chr. die neuen Konsuln rasch aufbrechen mussten, um eine Revolte in Spanien niederzuschlagen, traten sie ihr Amt am 1. Januar statt am 1. März an – und es blieb dabei. Wohl der römischste Grund für eine Kalenderreform, die man sich nur denken kann.
Der muslimische Kalender hingegen folgt einfach den Mondzyklen, 12 davon (á 29 oder 30 Tage) ergeben ein Jahr. Diese zwölf Monate sind allerdings ca. 11 Tage zu kurz für einen vollen Umlauf der Erde um die Sonne. Daher wandern die Monate in diesem Kalender durch Jahreszeiten, um in etwa 30 Jahren wieder in ihren Anfangspunkt zu erreichen. Der jüdische hingegen folgt zwar in seinen Monaten ebenfalls dem Mond, um aber auch den Jahreszeiten gerecht zu werden, gibt es dort in 19 Jahre langen Zyklen je 7 Schaltjahre, in denen es anstatt einem extra Tag einen zusätzlichen Monat gibt. Dieser Kalender ist auch der (oder zumindest ein) Grund dafür, weshalb Ostern keinen fixen Tag wie Weihnachten hat. Da die Auferstehung im Neuen Testament kurz nach Pessach stattfindet und dieses Fest sich durch den jüdischen Kalender um bis zu 35 Tage nach gregorianischem Kalender verschieben kann, orientiert sich Ostern ebenfalls nach dem Mond.
Auf dem hier zu sehenden Kalender sind auch hinduistische Feiertage wie Maha Shivaratri („Die große Nacht Shivas“) eingetragen. Dieses Fest fällt nach unserem Kalender auch jedes Jahr anders, weil hinduistische Feste einem lunisolaren Kalender folgen. Dasselbe gilt für das dort erwähnte Vesakfest aus dem Buddhismus.
(Signatur Pt-2670)