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So Viel Zu Entdecken!

So viel zu entdecken!

Das Prinzip der Neujahrsentschuldigungskarte wurde bereits in einem früheren Beitrag erläutert: solche Karten wurden von der jeweiligen Gemeinde herausgegeben und konnte von den BürgerInnen erstanden werden, der Erlös kam i.d.R. einem wohltätigen oder gemeinnützigen Zweck zu Gute. Für das Jahr 1899 entschied sich die damals eigenständige Gemeinde Hötting, die Neujahrsentschuldigungskarte mit diesem schönen Plan von Julius Röck zu gestalten. Der Ertrag der verkauften Entschuldigungskarten kam dem Papst-Leo-Kirchenbau-Verein zugute, der sich vor allem dem Bau der neuen Höttinger Kirche, die im Jahr 1911 fertiggestellt wurde, verschrieben hatte.

Auf der Karte sehen wir einen großen Teil des (damals bewohnten) Gemeindegebietes sowie einen Teil des Höttinger Waldes – und es gibt so viele Details zu entdecken! Beginnen wir ganz im Osten: der hier als „Duftbachl“ bezeichnete Tuffbach markiert die Grenze zu Mühlau – etwas oberhalb sind Weiherburg und Hungerburg zu sehen. Westlich oberhalb der Weiherburg sehen wir den Höttinger Steinbruch mit einem mir bis dato unbekannten See oder Teich (für den Hungerburgsee sind wir wohl zu weit herunten). Weiter westlich sehen wir die Spreng mit dem winzig klein eingezeichneten Sprengerkreuz, welches heute vom Trachtenverein D’Burgstodler betreut wird. Etwas weiter unten breitet sich die großzügige Anlage von Büchsenhausen aus. Was könnte das Viereck mit dem Kreis im Inneren im hinteren Teil des Anwesens sein?

Gut sichtbar ist die Gemeindegrenze entlang der Riedgasse: der Bereich unterhalb, der bereits zu Innsbruck gehört, ist nicht eingefärbt. Oberhalb der Riedgasse liegen die Höfe des Höttinger Ried, Probstenhof, Plattenhof und Griesserhof; nicht eingezeichnet ist interessanterweise der Stettnerhof (heute Steinbruchstraße 8), der zu diesem Zeitpunkt aber schon existierte. Mit einer kleinen Ziffer 5 ist der kleine, an der Höhenstraße liegende Pestfriedhof bezeichnet. Knapp daneben das heute nicht mehr existierende Margarethinum (Nr. 4). Mit Nr. 9 ist die Anlage des neuen Höttinger Friedhofs gekennzeichnet. Hier ist schön zu sehen, dass Teile dieses Friedhofs bereits vor dem Bau der neuen Höttinger Kirche existierten. Weiter geht’s ins Dorfzentrum: die Ziffern 2,3, 12,13 und 15 weisen einige der größeren Gaststätten in Hötting aus, von denen heute keine einzige mehr existiert: GH Traube (heute Höttinger Gasse 14), Stamserwirt (Ecke Höttinger Gasse – Schneeburggasse), Tenglerwirt (Dorfgasse 6), Rainerwirt (Schneeburggasse 8), Bärenwirt (Schneeburggasse 29-31). Fast nicht zu finden ist die Ziffer Nr. 16 im Kirschental, die mir bisher unbekannte „Restauration Nairz“. Zwei weitere verflossene Gasthäuser sind der „Tiger“ und das „Rössl“ in der Höttinger Au (Ziffern 19&20); das ehemalige Freischwimmbad in der Höttinger Au (Ziffer 21) wird durch den Gießenbach gespeist.

Noch einmal zurück nach oben: der Mariahilfer Friedhof trägt die Nr. 17. Wo könnte der links daneben so schön gestaltete Garten dazugehört haben? Noch nicht zu sehen ist die Botanik in der heutigen Sternwartestraße: Der zuerst in der Stadt angesiedelte botanische Garten bzw. das botanische Institut wurden erst im Jahr 1911 bzw. 1913 an ihrem heutigen Standort eröffnet. Das westliche Gebiet Höttings ist damals überhaupt noch kaum besiedelt: Die Schneeburggasse als wichtigste Verkehrsachse teilt die Felder in „Obere-“ und „Untere Feld“, wo heute z.B. Brandjoch- und Frau-Hitt-Straße verlaufen, ist noch kaum ein Gebäude zu sehen. Etwas zu weit rechts scheint mir die Ortsbezeichnung „Schiesstand“ angesetzt zu sein – hier verläuft zwar die Schießstandgasse, der Schießstand selbst befindet sich aber weiter westlich (hier wurde ich berichtigt – siehe Kommentare). Weiter unterhalb, fast am Rand der Karte sehen wir die kleine Kapelle „zum Großen Gott“ deren Beschriftung kaum zu erkennen ist. Ich bin mir sicher, Sie entdecken beim Kartenstudium noch viel viel mehr…

(Stadtarchiv Innsbruck, Bi-g-4-1899)

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare
  1. Die Bezeichnung Schiessstand passt genau, da damals der Schiessstand an der Kreuzung Schiessstandgasse/ Schwabeneggweg war.
    Die heutige Schiessstandgasse 10 war damals der genaue Ort.
    Nördlich das Tal in Richtung Planötzen wurde als „Kösslertal“ bezeichnet.
    Das ehemalige Bauernhaus Schiessstandgasse 8 wurde als „Schiessstandbauer“ bezeichnet.

  2. Besser als ein Luftbild, da a.) beschriftet und b,) scharf.

    Mir fällt ein Detail im östlichen Bereich von Büchsenhausen auf. Dort ist ein mir immer noch rätselhafter Kreis erkennbar, der auch lange auf Fotos vor und um 1900 zu sehen war. Erklärungsversuche waren von Wandelgang, Ziergarten, Pferdedressurkreis bis zu Fundament eines früher auf alten Stichen vorhandenen runden Pavillons. Auf Grund des Plandetails favorisiere ich jetzt ein auch vermutetes technisches Detail der ehemaligen Brauerei Büchsenhausen. Weiß wer Näheres?

    https://i.postimg.cc/Pr0VPSqK/Kreis-B-hausen.jpg

  3. Es ist ein netter Zufall, dass diese Höttinger Neujahrs-Entschuldigungskarte ausgerechnet aus dem Jahre 1899 stammt. Denn genau in diesem Jahr hatte mein aus dem Buchenstein stammender Großvater Vinzenz Roilo in Innsbruck die Bäckermeisterprüfung abgelegt und schnell darauf die Bäckerei im Höttinger Glockengießerhaus gepachtet. Mein ältester Onkel, der spätere Hofrat Dr. Anton Roilo (langjähriger Professor und zum Schluss Direktor der Handelsakademie), wurde 1900 schon als Höttinger geboren, mein Vater als sechstes Kind 1906 ebenso, die restlichen drei Kinder waren dann Pradler! 1908 hatte mein Großvater von der Rauchmühle die Bäckerei in der Pradlerstraße 15 gekauft.

    Ich besitze eine Ansichtskarte aus dieser Zeit, auf der das Firmenschild gut leserlich ist!

    https://postimg.cc/ThtjvXD0
    https://postimg.cc/hfhLS38B

    Allzuviel hat sich an diesem Haus seither ja nicht verändert. Schade, dass es so vernachlässigt und verschandelt ist!
    https://postimg.cc/mhpdN98T

    Ja, Frau Fritz – ich bin auch etwas höttingerisch angehaucht!

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