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„Sehr Pünktlich Im Dienste …“

„Sehr pünktlich im Dienste …“

Wie schon in den Koalitionskriegen und dem Revolutionsjahr 1848 formierte sich auch im Kriegsjahr 1859 in Innsbruck eine Studentenkompanie. Dem Aufruf Kaiser Franz Josephs „an Meine treuen Tiroler und Vorarlberger“ (1. Juni 1859) folgend, traten bis zum 19. Juni jenen Jahres 198 Männer der „Akademischer Kompanie“ bei. Wie schon im Jahr 1848 so übernahm auch nun mit Lorenz Hupfauf ein pensionierter Kaiserjägeroffizier das Kommando über die Studenten. Ihm zur Seite standen Univ.-Prof. Anton Baumgarten († 1880) als Oberleutnant, der Gymnasialprofessor Josef Daum († 1872) als Leutnant (beide Männer waren bereits 1848 als Offiziere in den Reihen der I. Akademischen Kompanie ins Valsugana gezogen) und der Ingenieur Robert Knauschner, ebenfalls als Leutnant.

Am Montag, den 20. Juni 1859, wurden die Akademiker in der Universitätskirche vereidigt. „Nach einer stillen Messe auf dem im Festschmucke prangenden Hochaltar hielt der hochw. Hr. Feldkaplan Klinkowström eine herzergreifende Rede an die im Presbyterium aufgestellte Mannschaft der Studentenkompagnie und nahm hierauf derselben das Fahnengelübde ab: ‚Ich gelobe Treue dem Kaiser und dem Vaterlande; ich gelobe Ordnung und ruhiges Benehme; ich gelobe Geborsam meinen Vorgesetzten und gelobe Tapferkeit vor dem Feinde.‘ Die Truppe sprach diese Worte nach und zog nach einem ‚Fahnenlied‘ durch die dichten Schaaren der versammelten Menschen militärisch ausschreitend in die Aula zurück. Ihr Ausmarsch erfolgt morgen um 6 Uhr früh von der Uni­versität aus.“

Mit der Studentenkompanie zog auch der 21jährige Jus-Student Robert Plattner aus. Er war am 24. September 1837 in Ried i. O. zur Welt gekommen und sollte nach dem Studium die Richterlaufbahn einschlagen. 1859 diente er über fünf Wochen hinweg als Schütze in der Innsbrucker Studentenkompanie. Wie aus seinem oben abgebildeten Dienstzeugnis, das die Unterschriften Hupfaufs und Baumgartens trägt, hervorgeht, hatte er sich dabei „sehr pünktlich im Dienste, brav und durchaus lobenswerth verhalten.“

Im Gegensatz zu 1848 blieben Plattner und seinen Kommilitonen diesemal Feuergefechte mit dem Gegner erspart. Sie hatten „nur“ Patrouillen- und Vorpostendienste im Raum Riva-Torbole zu versehen, ehe der Vorfriede von Villafranca (11. Juli 1859) dem Krieg ein Ende setzte. Am 26. Juli 1859 trafen die Akademiker wohlbehalten in Innsbruck ein, wo sie feierlich begrüßt und im Löwenhaus bewirtet wurden.

(StAI, ohne Sign.)

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare
  1. Rätselhaft: Was wohl „Vorposendienste“ sein mögen, wie im Text geschrieben steht? Statt der Pose wird wohl ein Vorposten gemeint sein.

    1. Wenn ich da so an die beiden Studentenkompanien aus dem Jahr 1848 denke, dann darf man wohl annehmen, dass auch noch 1859 für die Studiosi die Pose mindestens so wichtig wie der Vorpostendienst war 😉
      Spaß beiseite: vielen Dank für den Hinweis – ist ausgebessert!

  2. Das Dokument von 1859 trägt 2 Stempelmarken im Wert von 36 Kreuzer. Die Geschichte der Stempelmarke in Österreich beginnt interessanterweise nur wenige Jahre zuvor in 1854. Damals wurde die erste Ausgabe der k.k. Stempelmarken im Kaisertum Österreich eingeführt und zwar 21 Werte umfassend von 1 Kreuzer bis 20 Gulden.

    1. Interessant finde ich die Methode die Marken durch Überschreiben zu entwerten. Hat sich augenscheinlich nicht durchgesetzt. Auf alle Fälle viel eleganter als die oft ’schiachn‘ Stempel. Aber wenn man schon Stempelmarke heißt ist das Schicksal schon besiegelt.

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