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Rollläden Auf Für… Jos. Primavesi

Rollläden auf für… Jos. Primavesi

Kürzlich hat sich ein betagter Wiener Familienforscher bei uns etwas ratlos gemeldet. In jahrzehntelanger Arbeit hat Dieter Primavesi einen weitverzweigten Stammbaum seiner Familie bis zurück ins Jahr 1004 erstellt, wobei sich die Hauptlinien in Murau und Wien sowie Olmütz befanden. Allerdings gibt es da eine klaffende Lücke. Ein undatierter Zeitungsausschnitt mit der oben abgebildete Werbung verweist auf einen Josef Primavesi in Innsbruck, ohne weitere biografische Daten und ohne Anknüpfungspunkte zu den übrigen Primavesis. Und das lässt ihm keine Ruhe. Ob wir hier vielleicht weiterhelfen können?

Es ist dies ein wunderbares Beispiel dafür, was für faszinierende Möglichkeiten sich durch die massenhaften Digitalisierungen der letzten Jahre ergeben.

Sucht man nach „Josef Primavesi“, findet man heraus, dass dieses Geschäft bereits 1851 existierte. Geschäftsführer in diesen Jahren war ein gewisser Dominik Zambra; ein Name, der in der Innsbrucker Wirtschaftsgeschichte keineswegs unbekannt ist. Im Boten für Tirol vom 4. April 1854 wurde ein Versteigerungsedikt auf Ansuchen der Erbinteressenten des Gold-, Silber- und Galanteriewarenhändlers Josef Primavesi in der Neustadt 188 veröffentlicht. Damit sind zwei Dinge klar: Es handelt sich bei Josef Primavesi nicht nur um einen Firmennamen oder eine Dependance sondern um eine um eine natürliche Person und diese war 1854 nicht mehr am Leben.

Mit Firmennamen ist das schließlich so eine Sache: Das Handelshaus unter diesem Namen existierte nämlich noch fast drei Jahrzehnte länger. Zunächst mit der Ortsbezeichnung „nächst der Hauptwache“, und ab der Einführung der Straßennamen mit der Adresse Maria-Theresien-Straße 2. Im Frühjahr 1882 wurde der Laden dann von Ferdinand Nessler übernommen, der Name „Primavesi“ verschwand damit aber nicht vollständig. Im Gegenteil, noch über 9(!) Jahre später tritt die Firma in Annoncen als „Ferd. Nessler vormals Jos. Primavesi“ auf! (IN, 10. Dezember 1891, S. 14) Das ist doch ein sehr deutliches Zeichen dafür, um was für eine Institution es sich hier im 19. Jahrhundert gehandelt haben muss.

Die Annoncen und ihr Text halten einen weiteren Schlüssel bereit. Schließlich legen sie nahe, dass es sich lohnen könnte, nicht nur nach „Josef“, sondern auch nach „Jos. Primavesi“ zu suchen. Mit durchschlagendem Erfolg. Neben der Information, dass sein Geschäft 1843 vom vorigen Standort in der Neustadt ans Eckhaus neben dem Spitalsgebäude übersiedelte (BT, 19. Juni 1843), erweist sich dann ausgerechnet ein Trauerfall als fehlendes Mosaiksteinchen: Im Dezember 1819 verstarb Anton, Sohn des Handelsmanns Jos. Primavesi (Neustadt 241) im Alter von nur 13 Monaten an Gichtern (BT, 30. Dezember 1843).

Mit dieser präzisen Information kann man den Geburtenbucheintrag von Anton in den Matriken von St. Jakob nachschlagen und findet damit auch den Namen der Mutter: Elisabeth, geb. Kohlhund. Sie starb am 20. Februar 1854, als 58-jährige Handelsmanns-Witwe – womit sich der Anlass des Versteigerungsedikts geklärt hätte. (IN, 21. Februar 1854) Damit ist man nun tief in der Familiengeschichte angekommen: Josef Primavesi muss also schon vor 1853 verstorben sein. Bereits 1822 verblich in der Neustadt 242 der Bäckermeister und Wirt Simon Kohlhund (BT, 25. März 1822). Es ist somit davon auszugehen, dass auch Elisabeth Innsbruckerin war und im Geburtenbuch zu finden wäre, wohl 1795/96. Und dann gibt es natürlich in den Tauf,- Trau- und Sterbebüchern auch Registerbände. Damit sollte sich das Rätsel um die Herkunft von Josef Primavesi eigentlich lösen lassen (und wenn Vertreter der Leserinnenschaft zufällig Lust haben, sich daran zu versuchen, würde sich Dieter Primavesi sicher sehr darüber freuen)…

(Illustrirte Zeitung (Leipzig), 21. August 1852, S. 127)

Dieser Beitrag hat 8 Kommentare
  1. Den Traubucheintrag von Josef Primavesi zu finden, ist anhand dieser Vorarbeiten eine Sache von 10 Minuten.
    Im Traubuch von St. Jakob findet sich am 29. Jänner 1816 folgende Hochzeit:

    Der 27-jährige Handelsmann Josef Primavesi, Sohn der Eheleute Anton Primavesi, Güterbesitzer in Careno im Bistum Como, und der Martha Maria Zambra, heiratet die am 25.10.1796 zu Innsbruck geborene Elisabeth Kohlhund. Sie ist Tochter des Bäckermeisters und Wirts Simon Kohlhund und der Theresia Sagmeister!

  2. Die Olmützer Primavesis stammen ebenfalls aus Careno.
    Paolo Antonio Primavesi wurde 30. Juli 1760 in Careno geboren und starb 21. September 1834 in Olmütz. Er ist Sohn des Carlo Antonio Andrea Primavesi und der Caterina Luzzani.

  3. Paul Antons Sohn Karl Primavesi war ein bedeutender Industrieller in Olmütz. In den Zeitungen findet sich 1869 folgender Nachruf:
    „Karl Anton Primavesi wurde im Jahre
    1791 zu Careno am Comersee in der Lombardei geboren.
    Noch in zarter Jugend kam er mit seinem Vater, Herrn
    Primavesi, dem Gründer des derzeitigen Handlungs-
    hauses, nach Olmüz, um daselbst den deutschen Unterricht
    zu erhalten.-
    Sein so bedeutendes kommerzielles Wissen erwarb er
    sich theils durch unausgeseztes Selbststudium, theils durch
    die Praxis im elterlichen Hause.
    Nach dem im Jahre 1840 erfolgten Tode seines Va-
    ters, übernahm er in Kompagnie mit seinem schon im J.
    1844 verstorbenen Bruder Josef das ausgebreitete Hand-
    lungsgeschäft, leitete das Komptoir und gründete das erste
    Bank- und Wechselgeschäft in Olmüz.– Seine Studien
    auf industriellem Gebiet befähigten ihn an der Gründung
    der ersten mechanischen Flachsspinnerei zu Schönberg und
    später zu Friedland in Mähren einen solchen überwiegen-
    den Einfluß zu nehmen, daß er Gesellschaftsdirektor dieser
    Fabriken bis auf die neueste Zeit war und blieb. Seine
    Fachkenntnisse und Geschäftsroutine wendete er aber insbe-
    sondere der Zukerindustrie zu.
    Er gründete im J. 1848 in Gemeinschaft mit mehreren
    Troppauer Geschäftsfreunden die erste Fabrik in Troppau,
    und später die Zukerfabrik in Katharein bei Troppau, nahm an
    Raffinerie, so wie an der Fusionirung sämmtlicher Trop-
    pauer Fabriken zu einer einzigen Aktiengesellschaft, hervor-
    ragenden Antheil, gründete selbst im Jahre 1849 die Zu-
    kerfabrik zu Gr.-Wisternitz und später die Zukerfabriken zu
    Bedihost und Hullein und leitete diese mit seinen Söhnen
    Paul, Franz und Moriz bis auf die neueste Zeit.
    Nach Rüklegung seines Manufakturgeschäftes erhielt er
    auf seinen ausgedehnten Zuker- und Garnhandel, auf das
    Bank- und Wechselgeschäft ein k. k. priv. Großhandlungs-
    Befugniß, das er im Jahre 1865 seinen beiden Söhnen
    Paul Franz und Moriz zum weiteren Fortbetrieb überließ.
    Zu jener Zeit zeichnete ihn auch Se. Majestät in Anerken-
    nung seiner hervorragenden Verdienste um die Hebung der
    heimischen Industrie und des Handels durch die wolver-
    diente Verleihung des Franz Josefsordens aus.
    Nebst seiner rastlosen praktischen Bethätigung auf dem
    industriellen und kommerziellen Gebiete nahm er auch auf
    die öffentlichen Angelegenheiten großen Einfluß.-
    Er wurde bei der Gründung der Handels- und Ge-
    werbekammer für die nordöstliche Hälfte Mährens in Ol-
    müz zum Vizepräsidenten und im Jahre 1851 zum Prä-
    sidenten erwählt, welchem bedeutenden Ehrenamte er bis zu
    seinem im Jahre 1867 erfolgten freiwilligen Rüktritt mit
    Fachkenntniß und Verständniß vorstand. Nebstdem war er
    durch eine lange Reihe von Jahren Direktor der hiesige
    Bankfiliale, Handelsgerichtsbeisizer, Mitglied des großen
    Gemeindeausschußes, Mitglied vieler wissenschaftl. und in-
    dustrieller Gesellschaften und Vereine, Verwalter humanitärer Anstalten
    und stiller Wohltäter der Armen.
    Von 1851 bis 1863 war K. P. Mitglied der
    Olmüzer Gemeindevertretung In dieser Eigenschaft ver-
    trat er stets nur freisinnige Ansichten, als Mann von un-
    abhängiger Stellung und Integrität des Charakters, stimmte
    bei den Beschlußfassungen des Gemeindeausschußes, un-
    beirrt durch persönliche Rüksichten, nur dem von ihm als
    recht und gut Erkannten bei. In finanziellen Fra-
    gen kam seine reiche Erfahrung in allen Gebieten der indu-
    striellen Thätigkeit auch der Stadtkommune zu Gute.
    Mit Vorliebe beschäftigte er sich mit den Vorarbeiten
    zur Gründung der Sparkasse von Olmüz. Die-
    ses Streben, war umso anerkennenswerther und uneigen-
    nüziger, weil er die Kommandite der öster Sparkassen von
    ihrer Gründung an erhielt und leitete. Für wolthätige und
    gemeinnüzige Anstalten leistete der Verstorbene viel, nament-
    lich gab er im J. 1835 den Impuls zur Gründung einer
    Vereinigung, um den Fond zur Errichtung einer Erziehungs-
    anstalt für Mädchen aus ärmeren Klassen und aus verun-
    glükten Familien zu heben und zu vermehren. Dieser Fond,
    welcher zu jener Zeit durch freiwillige Beiträge sich auf
    240 fl. CM. belief, hat gegenwärtig eine Höhe erreicht,
    so zwar, daß Staatsobligationen im Nominalwerth von
    6000 fl. angekauft werden konnten.
    K. P. gehörte auch dem hiesigen Bürgerkorps und der
    Schüzengesellschaft als Mitglied an und übernahm als sol-
    ches mehrere Ehrenämter.
    Sein andauerndes Unwolsein bestimmte ihn im Jahre
    1867 auf alle seine Ehrenämter zu verzichten. Zur Lin-
    derung seines chronischen Leidens unternahm er alljährlich
    eine Feise in seine frühere Heimat nach Italien. Von der-
    selben am 4. Juni 1869 zurükgekehrt, verfiel er in eine
    schwere Krankheit, welche am 16. Juni 1869 seinem lang-
    jährigen Streben leider ein frühes Ziel sezte.
    Durch seinen Tod verliert seine zahlreiche Familie den
    liebevollsten nur für ihr Wolbedachten Vater, die Armen
    einen Wolthäter, die Stadt Olmüz eine Zierde ihrer Bür-
    ger, das Land und der Kaiser einen treuen Patrioten und
    wahren Beförderer aller merkantilen und industriellen In-
    teressen. Möge ihm nach so würdevoller Laufbahn die Erde
    leicht seiu, mögen aber auch seine vielen Freunde und Ver-
    ehrer sein theures Andenken bewahren.“

  4. Lieber Herr Auer! Ganz herzlichen Dank (auch im Namen von Herrn Primavesi) für Ihre Recherchen! Mit der Herkunft am Como-See und den Verbindungen zur Olmützer Linie passt ja dann alles zusammen!

    1. Gerne, lieber Herr Bürgschwentner! Daneben empfiehlt es sich auch nach der Schreibweise bzw. Namensvariante „Joseph Primavesi“ zu suchen. So findet man im Boten für Tirol von 1830 folgendes:
      „Den 11. Juni. Dem Galanteriehändler Hrn. Joseph Pri-
      mavesi sein Sohn Joseph Christoph, starb bald nach der
      schweren Geburt, in der Neustadt Nr 241“

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