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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Ondracek Und Smarcan

Ondracek und Smarcan

Eigentlich wollte ich dieses kürzlich per Paketboten aus dem Hinteren Ötztal eingetroffene Bild als Rätsel einstellen. Leider haben wir es da mit unseren Online-Adressbüchern zu einfach gemacht, schnell herauszufinden, wo man umgeht. Bei diesem Bild hätte ich es ja nie geschafft ohne diesen praktischen Geo-Faulenzer. Sogar mit der Adresse ist es nicht ganz leicht: Welsergasse 7. Gibts nicht mehr. Auch das Haus musste etwa 1943 weichen: Dem unseligen Landhausplatz des armseligen Gauleiters.

Aber wer waren Ondracek und Smarcan? Das klingt ein wenig nach wie ein Romantitel von Milan Kundera oder wie ein verwegenes Spionage-Duo in einem Action-Comic aus Brünn – die beiden waren allerdings seriöse Herren in der Textilbranche. Schneidermeister Rudolf Ondracek (1905-1981) ruht auf dem Innsbrucker Westfriedhof neben seiner Gattin Wilhelmine, geborene Bürger (1904-1986). Ondracek und Smarcan kommen 1928 als Angestellte des jüdischen Tuchhändlers Julius Weiss erstmals in die Innsbrucker Zeitung und sind ab 1934 hier in der Welsergasse zu finden. Alois Smarcan war zunächst noch gewerkschaftlich in der Sozialdemokratie aktiv und präsentierte Anfang 1934 eine unglaubliche noch nie dagewesene Erfindung: Den kombinierten Ski+Strecken-Liegestuhl&Rettungs-Akja.

So schnell musste das Haus dem Landhausplatz nicht weichen, noch 1942 suchte Ondracek Angestellte für seine Schneiderwerkstatt. Sein kaufmännischer Kompagnon war seit Beginn der Steirer Alois Smarcan; dieser stirbt aber nach längerem Leiden, gerade 45 Jahre alt, im November 1942 in Innsbruck und wird doch auf dem Familiengrab in Graz bestattet. Seine Witwe Olga geborene Hober bleibt in Innsbruck und war bis in die 1970er im Adressbuch zu finden.

Beide Herren, so lernen wir aus Sterbeanzeige und Entnazifizierungsakten, waren NSDAP-Parteimitglieder – mit einer verwegenen Spionage-Geschichte können wir also leider nicht dienen. Rudolf Wenzel Josef Ondracek werkte nach dem Krieg in der Wilhelm-Greil-Straße 9 und wohnte lange in der grundsoliden Goethestraße. Da war es nicht weit in die Ing.-Etzel-Straße 53, wo die Smarcans lebten. Konspirative Treffen wären also jederzeit möglich gewesen, hätten sie nur dem Stereotyp der Namenskunde entsprochen und alle heimlich an einer böhmischen Restauration in Innsbruck gearbeitet.

Aufmerksame Leser:innen unseres Blogs haben das Geschäft übrigens schon einmal gesehen: Hier im Beitrag von Kollegin Renate Ursprunger auf einem Aqurell von Hans Zötsch.

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