Olympische Reminiszenzen: Das Freizeitzentrum
Um den Athletinnen und Athleten ein wenig Ablenkung von den sportlichen Wettkämpfen zu bieten, ließ das Organisationskomitee der Spiele im Olympischen Dorf auch ein sogenanntes Freizeitzentrum einrichten. „Es dient“, wie es in den Akten heißt, „dem Athleten zur Entspannung vor und nach den Wettkämpfen, sowie als Treffpunkt mit der Presse. Das Freizeitzentrum hat mehrere Funktionsräume, so z.B. ein Kino, eine Spielautomatenstraße, eine Diskothek, eine Milchbar und eine Imbißstube, Leseräume und eine Halle für Veranstaltungen. Wie die Erfahrungen von Innsbruck 1964 zeigten, erfreut sich dieses Recreation-Centre eines regen Besuches der Sportler und Presse.“

Die Frage der Gestaltung von Diskothek – wie könnte es in den 70er Jahren anders sein – und Kino nimmt in den Akten dabei den größten Raum ein, sei es was die angenehme Einrichtung der Räume als auch die technische Ausstattung betraf. Für die Diskothek übernahm schließlich Intersport Österreich die ‚Patenschaft‘ und richtete diese als Sponsorenleistung ein. Die dafür gewünschte Benennung der Diskothek in „Ciscothek“ – nach dem weiteren Namen der Firma Club Intersport (CIS) – wurde indes nicht durchgeführt, weil die offiziellen Programme und Pläne schon gedruckt waren, als den Marketingmenschen der Firma diese Idee kam.
Den Kinosaal sehen Sie mutmaßlich im folgenden Bild – leider trägt es keine Beschriftung. Aber so bequem, wie es sich die Menschen auf dem folgenden Bild gemacht haben, warten wohl alle nur mehr auf das Kommando: Film ab!

Das Kinoprogramm stand ganz unter dem Motto ‚Wohlfühlkino‘, es bot „zeitgemäße Unterhaltung […] unter Ausklammerung von Streifen, die in irgendwelcher Hinsicht eine psychische Belastung für die Aktiven bedeuten könnten“. So gab es eine Mischung aus dokumentarischen Filmen über vergangene Olympische Spiele, Franz Beckenbauer („Der Libero“) und Jean-Claude Killy („Der Abfahrtssieger“), Klassiker wie „Moderne Zeiten“ von Charlie Chaplin, dazu ein paar James Bond Filme, ein bisschen Flower Power („Woodstock“) und ein paar Musikfilme, dazwischen mehrfach die beiden Fäuste Gottes, Terence Hill und Bud Spencer, sowie ein paar Actionkomödien wie „‚Ein Käfer gibt Vollgas“. Also mich hätte man damit ködern können.

Für diejenigen, die ihre Zeit lieber mit Lesen verbringen wollten, lagen im Leseraum mehr als 30 Tageszeitungen aus verschiedenen Ländern sowie einige Magazine (vom Spiegel bis zum Time Magazine) und Comics (Micky Maus und Asterix) bereit. Eine Aufnahme dieses Leseraums sehen Sie im heutigen Titelbild.
Für Athleten und Athletinnen, die es auch in der Freizeit etwas sportlicher wollten, hatte das Organisationskomitee schließlich auch zwei Tischtennisplatten und ein Billardtisch zur Verfügung gestellt.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Ph-17442.)