skip to Main Content
Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Nachkriegszeit Hautnah

Nachkriegszeit hautnah

Eigentlich ein recht positives Foto. Eifrige Bauarbeiten arbeiten der Schalung eines Neubaus. Möglicherweise ein Bombentreffer, der hier ersetzt wird. Vielleicht befinden wir uns schon einige Jahre nach Kriegsende, weil hier mit Beton gearbeitet wird, aber keine Ziegelberge zu sehen sind. Ui, da habe ich mich tief in das Metier vom Herrn Roilo gewagt…

Wie es sich gehört schauen einige interessierte Männer fachkundig zu. (Nicht fachkundige Männer schauen interessiert zu…) Was die Faszination einer Baustelle wirklich ausmacht, kann vermutlich niemand sagen. Man sieht ja eigentlich nicht viel. Nicht einmal Maschinen. Ganz fesch im Vordergrund ein Radfahrer mit einer Regenpelerine.

Am Bauzaun sind ÖVP-Plakate zu sehen. In den Jahren nach Kriegsende war das Schicksal der aus der Gefangenschaft Heimkehrenden eines der zentralen politischen Themen. Immerhin betraf das auch einen Großteil der Familien. Entweder die ehemaligen Soldaten oder die Hinterbliebenen. Daneben ein Plakat der Exl-Bühne in ihrer späten Phase. Die Zeit dieser Theaterform war vorbei. Vielleicht haben auch manche Besucher nicht vergessen, dass das Ensemble zur Belustigung von KZ-Wachmannschaften auftrat. Und dann war noch die Gottbegnadeten-Liste. Aber das führt von diesem Foto weg.

Interessant ist – nicht zuletzt für die Datierung – die Straßenzeile im Hintergrund. Wir erahnen eine „Boucherie Parisienne“ und einen „Comptoir des …“. Und die Firma „Modellhüte Kutschera“. Und die Firma „Füllhalter Redlich“. Und die Firma „Bie….“.

Und so nebenbei: Wo befinden wir uns?

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck Kr/Ne-3229)

Dieser Beitrag hat 7 Kommentare
  1. Natürlich in der Meraner Straße.
    Und der angeschnittene Bier und Biendl ist seit Ende 2025 auch an seiner letzten Geschäftsadresse in der Leopoldstraße 38 Geschichte (leises Schnüffeln meinerseits).

    1. Ja, der Bier & Biendl war seinerzeit die Bezugsquelle des gesamten Zeichenbedarfs von uns Gewerbeschülern. Wir haben noch mit Holzreißbrettern, Holzreißschienen, Reißfedern, schwarzer Tusche, Holzdreiecken, Holzbleistiften angefangen und mussten damit unsere Pläne auf Detailpapier und Millimeterpapier anfertigen. Wie stolz waren wir, als vorzu Druckbleistifte, der Graphos-Tuschefüllhalter von Pelikan, durchsichtige Geodreiecke und Reißschienen etc. etc. auftauchten und uns das Leben leichter machten. In den Genuss von Rechenmaschinen kamen wir nicht mehr, unser Gerät war der Rechenschieber in verschiedenen Größen – all das gab es damals NUR beim Bier & Bindl in der Meranerstraße.

      1. Bei uns – Architekturstudium Anfang der 90er – putzdasselbe.
        Die Materialien hatten sich zwar in Richtung Kunststoff verändert (aus Holz war nur mehr der Querbalken der Reißschiene), die Tuschefedern hießen inzwischen Rotring Rapidograph und den Taschenrechner besaßen wir schon aus der Schulzeit. Trotzdem – wenn man Studienkollegen außerhalb der Uni treffen wollte, musste man nur zum Bier & Biendl oder ins damals noch in der Höttinger Au befindliche Bauhaus (gerne auch als Institut für Werkerziehung bezeichnet) gehen. Untertags. Am Abend dann eher ins Treibhaus.

  2. Und weil Sie, Herr Morscher, das „Metier vom Herrn Roilo“ angesprochen haben: Ein bissl fasziniert mich die Baustelle schon. Sie erinnert mich an meine Anfänge als Ferialpraktikant, die ich teilweise im Hochbau verbrachte. Zum Beispiel die hölzerne Werkzeugkiste hinter der Stahlbewehrung, die hölzernen Bauhütten (statt Containern) und Schaltkästen (statt Blechkästen), die Ausführung der Schalung (welch ein Unterschied zu heute!), die zwei Betontransportkarren zum Kippen aus Eisen und nicht zuletzt natürlich die Arbeiter – alle nur in altem, abgetragenem Gewand und mit Hut / Kappe. Ich weiß noch gut, als in den Fünfzigern die ersten Helme an die Arbeiter ausgegeben wurden. Sie landeten in der Werkzeugkiste, von denen bekam man ja Kopfweh!!
    Noch zu den fachkundigen Männern die interessiert zuschauen – natürlich meistens Pensionisten: Schon damals hab ich mir geschworen, dass ich, wenn ich einmal so weit bin, nie an einer Baustelle stehen bleiben werde! Das habe ich durchgezogen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Back To Top
×Close search
Suche