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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Le Prof En Pantoufles

Le prof en pantoufles

Auf einer wunderbaren Bilder-Serie, die 1927 entstanden sein dürfte, sind eine Reihe von Studierenden und Lehrenden der verschiedenen Medizinmänner-Institutionen abgebildet. Die Fotografin dürfte Erika Ketzler sein, da auf manchen Bilderrückseiten ihr Bruder Herbert erwähnt wird; sie hatte bei ihrem stadtberühmten Vater Max Ketzler das Handwerk gelernt und dann viele Jahre das Studio in der Meranerstraße 1 betrieben. Mit auf den meisten Fotos, die zum Teil nicht jugendfreie Handgriffe der Geburtshilfe zeigen, ist auch dieser Herr zu sehen, dessen Namen wir nicht kennen. Da man das Vorlesungsverzeichnis der Medizin 1967/27 heute online findet, haben wir intensiv versucht, den Abgebildeten zu identifizieren. Ein ziemlich wildes Portfolio von späteren SS-Ärzten, vom NS-Regime in den Tod getriebenen, von wissenschaftlichem Weltruhm bis zum profanen Provinzregent, alles ist dabei. Wenn Sie sich in der Innsbrucker Ärzteschaft vor 100 Jahren auskennen, könnten Sie vielleicht mit Hilfe der unten genannten Oberindianer einen Namen recherchieren.

Das Bild selbst ist ein Heuler. Der sitzende Gott in Weiß reflektiert mit dem skelettierten alter Ego seine Vergänglichkeit – das Zwei-Meter-Tödlein hat natürlich auch keine Antwort auf einfache Fragen wie „Woher kommen wir?“ geschweige denn auf „Wohin gehen wir?“. Ersteres könnte ein Gynäkologe vielleicht noch naturwissenschaftlich herleiten, bei der zweiten Frage hilft es auch nicht, wenn man die Durchblutung der Fußsohlen mittels warmer Doppelsocken und karierter Filzpatschen erhöht oder dem Knochenmann auf die Hüfte greift, um gegebenenfalls durch Radio-Transmission aus dem Jenseits unwissenschaftliche Informationen zu empfangen. Auf dem Beistelltischchen liegt offen die Darstellung der Hand; ist der Prof ein „Innerer“? Oder ein „Orthopäde“? Viele dieser Begriffe sind ja erst im Entstehen und ein Skelett hat ja wirklich auch fast jeder Hausarzt im Wartezimmer, um die Kinder zu erschrecken. Was nicht jeder in seinem Uni-Salon vorzuweisen hat ist ein Bildnis seiner Selbst – das führt uns auf die Professorenfährte. Eigentlich kennt man das nur von Adeligen, Politikern und Rektoren, dass sie sich selbst in Öl porträtieren lassen und das gleich auch noch im Zimmer aufhängen. Der knöcherne Bleistifthalter im Hintergrund nimmt es mit Humor.

(Archiv Markus Wilhelm)

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