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„Kunst-Ereignis“

„Kunst-Ereignis“

Im August 1901 fieberten nicht nur die Exil-Kärntner, sondern die gesamte Innsbrucker Kunst- und Kulturszene einem besonderen Gastspiel entgegen:

„Thomas Koschat, der Meister und Förderer des Volksliedes, insbesondere Kärntner Weisen, kommt, wie schon gemeldet, mit seinem auserlesenen Quintett, welches aus Mit-gliedern der k. k. Hofoper in Wien besteht, nach Innsbruck und gibt Montag den 5. August d. J. im Habsburgerhof im Vereine mit unserem städtischen Orchester ein Concert. Was der Name ‚Koschat‘ bedeutet, brauchen wir unsern Lesern nicht erst zu erklären, er genügt, um dieses einzige Concert zu einem Kunst-Ereignis der heutigen Sommer-Saison zu machen. Der Vorverkauf für diesen Abend findet in der Kunst- und Musikalien-Handlung J. Groß statt und sind daselbst bereits Eintrittskarten zu 2 Kronen zu haben. Abonnementskarten haben zu diesem Concerte keine Gütigkeit.“

Das Konzert ließ keine Wünsche übrig, wenn man der geradezu euphorischen Besprechung der Innsbrucker Nachrichten glauben darf:

„Eine alle Erwartungen übertreffende zahlreiche Zuhörerschaft aus Einheimischen und Fremden fand sich gestern abends im ‚Habsburgerhof‘ ein, um das berühmte Koschat-Quintett zu hören. Veranda und Garten waren buchstäblich bis auf den letzten Platz gefüllt; wer von den nach 8 Uhr kommenden Gästen noch einen Sessel fand, musste froh sein. Eingeleitet wurde das Concert durch Vorträge des städt. unterstützten Orchesters. Sodann erschienen die 5 Sänger, unter ihnen die imponierende Gestalt des Componisten Thomas Koschat auf dem Podium. Schon ihre erste Nummer zeigte ihre Meisterschaft. Schöner, reiner Ansatz und vor allem vorzügliche Aussprache, welche den vorliegenden Liedertext überflüssig machte. Und so wurde auch jede der folgenden Nummern prächtig gesungen und mit Beifall überschüttet. Die Sänger geizten nicht mit Zugaben meist humorvoller, überaus ergötzlicher Art. Einen Glanzpunkt des Abends bildete das Quintett ‚Därf i’s Diandl lieb’n‘, welches die Sänger in ihrer ganzen Eigenart zeigte und wo besonders die Weichheit und der Schmelz des ersten Tenors, dessen schöne Stimme auch im zartesten Falsett prächtig zur Geltung kam, schön hervortrat, dann der ’sakrische Bass‘, wo namentlich der 2. Bass durch Weichheit und Klangfülle zündend wirkte. Beide Lieder wurden auf stürmisches Verlangen wiederholt. Auch ein Tiroler Lied, das bekannte ‚Lasst mich unsere Lieder singen‘, wurde als Zugabe gebracht; als Eigenheit muss bemerkt werden, dass der den Solisten (Bariton) begleitende Chor bis zum Refrain in Brummstimmen gebracht wurde. Den Schluss des schönen Concertes bildete Koschats allbekanntes ‚Verlassen, verlassen‘ von seinen berufensten Interpreten zu außerordentlicher Wirkung gebracht.
Nach dieser Vortragsnummer bestieg der Vorstand des erst neu gegründeten Kärntner Vereines ‚Gemüthlichkeit‘ die Tribüne uud überreichte Herrn Koschat einen Lorbeerkranz mit prächtiger Schleife mit folgenden Worten: ‚Im Namen des Kärntner Vereines habe ich die angenehme Pflicht, Ihnen, verehrter Landsmann, für den schönen Heimatsgesang, welcher so großen Anklang und Wiederhall in den Herzen des hiesigen Publicums gefunden, als kleines Dankeszeichen diesen Kranz zu überreichen.‘ Unter großem Beifall erwiderte hierauf Herr Koschat, es sei ihm eine große Freude gewesen, einem stammverwandten Volke gegenüber zu singen, aus dessen Mitte doch der Urheber des National- und Volksgesanges hervorgegangen, nämlich Herr Rainer, den die Kärntner sich zum Vorbild genommen in der Pflege des deutschen heimatlichen Volksgesanges.“

Zehn Jahre später gastierte das Koschat Quintett im Rahmen seiner letzten Konzertreise nochmals in Innsbruck. Wie schon im Jahre 1901, so pilgerten auch 1911 die Innsbruckerinnen und Innsbrucker scharenweise zu diesem besonderen „Kunstereignis“. „Das Quintett hat den vielen Zuhörern einen großen Genuß bereitet, in den nur der Ge­danke, daß wir nicht noch einmal Gelegenheit haben sollen, das Koschat-Quintett zu hören, wie ein Wermutstropfen fiel“, so die Innsbrucker Nachrichten am 2. August 1911.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck)

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