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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Innsbruck-Götzens-Birgitz-Axams

Innsbruck-Götzens-Birgitz-Axams

Diese heute unter der Nummer 404 fahrende und bis Grinzens erweiterte Buslinie, gibt es schon länger als man vielleicht glauben möchte – seit stolzen 100 Jahren. Der Allgemeine Tiroler Anzeiger berichtete:

Die am 9. Oktober eröffnete Autolinie von Innsbruck nach Götzens-Birgitz-Axams hat trotz der ungenügenden Vorarbeit und des damit verbundenen Umstandes, dass diese Linie selbst heute noch in weitesten Kreisen unbekannt ist, schon in den ersten Tagen ihres Bestehens eine überraschende Frequenz aufzuweisen. Dies beweist am besten, dass diese Autoverbindung ein dringendes Bedürfnis für die vom Verkehr der Landeshauptstadt fast abgeschnittene Gegend darstellt. Auch der Stadtbevölkerung erschließen sich hiemit neue, bequeme Ausflugsgebiete, Touren über das westliche Mittelgebirge zu den Kalkkögeln, zur Adolf-Pichler-Hütte u.v.a. Auf der ganzen Strecke befinden sich altbekannte gute Gasthöfe, die dem Besucher dieser herrlichen Gegend vorzügliche Labung und gute Unterkunft bieten.

Die zwei Autobusse, die mit 7, bzw. 11 Sitzen, heute fast eher als größere Taxis gelten würden, fuhren damals 3–4-mal am Tag, beginnend vor dem Goldenen Adler in der Altstadt. Billig war die Angelegenheit nicht, für die volle Strecke bis Axams (und wohin sonst sollte man fahren wollen?) musste man 2 Schilling und 30 Groschen hinlegen, was heute ca. 11,20 Euro entsprechen würde – und Klimaticket gab es auch noch keines.

(Des kleinen Dorfs die Erd‘ sich freut, des schönsten Schmucks auf ihrem Kleid – Axams 1927, Signatur KR-PL-453)

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare
  1. Danke (one again) für diese Würdigung eines wichtigen Öffis. 🙂

    Unter den Vorortlinien ist die 404 tatsächlich etwas Besonderes, weil sie mit Abstand die höchste Last in der Frühspitze aufweist, bis zu 20 Busse sind dann nur auf dieser Linie unterwegs. Deshalb gibt es auch schon lange Überlegungen, sie durch eine Regionalstadtbahnlinie mit angemessener Kapazität zu ersetzen. Im Zuge der Busnetzdekarbonisierung ist sie nun auch Kandidat für die Umstellung auf IMC-Obusse und könnte damit Innsbrucks erste regionale Obuslinie werden, was allerdings in den Punkten Reisegeschwindigkeit und Kapazität kaum Verbesserungen bringen würde. Ich glaube allerdings aufgrund aktueller Entwicklungen in der Akkutechnologie nicht, dass es dazu noch kommen wird, und gehe zunächst von einer zeitnahen Umstellung auf ganz normale Batterie-E-Busse aus.

    Für manche sicher ein vertrauter Anblick, für mich weit vor meiner Zeit, steht hier ein Bus dieser Linie 1964 im alten Busbahnhof: https://postimg.cc/gallery/pPVnVGQ (35mm-Dia, eigene Slg. und Bearbeitung, Fotograf:in unbekannt)

      1. Danke für dieses schöne Foto! Eine Erinnerung an die Zeit, in der diese Postautos zu meinem Alltag gehörten. Sie bildeten in aller Herrgotts Früh die werktägliche Geräuschkulisse, als sie gegenüber der Hutersäge – ein großer Arbeitgeber mit vielen Zimmerleuten, Bautischlern und auch Hilfsarbeitern aus dem Bereich westliches Mittelgebirge – ihre Passagiere entluden. Für mich unbarmherziges Signal „Ojeh, aufstehen“. Da war, wie beschrieben, was los in der Früh. Am Abend wiederholte sich die Betriebsamkeit auf der anderen Straßenseite, wenn sich auch der Feierabend zeitlich etwas verteilt hat, noch auf ein Bier zum Niedermayr, am Freitag war Zahltag. Es fuhren ja genügend Postautos, aber Nightliner gabs keinen. Am Sonntag war diese Haltestelle ein willkommen nahegelegener Ausgangspunkt für Wanderungen nach Götzens usw. Es fuhren auch Busse nach Kematen und Ober/Unterperfuss und Ranggen. Den Fahrplan wußte man auswendig. Nicht vergessen: In jeder Rückenlehne ein Aschenbecher! „Iiiiitsch!“ kreischte er, wenn man ihn aufklappte. „Lass den zua, Karli.“ „Iiiitsch!“ „Wasshabigsagg??“

        Noch einwenig tech-talk: Wie man am Foto sehen kann, gab es zum Ein und Aussteigen nur eine normale Autotür, die p.t. Passagiere öffneten selber. Und schlossen sie am Ende auch selber? Nö, dazu hatte man es zu eilig. Jetzt trat ein kräftiger Ledergurt in Aktion, mit dem der Fahrer – rumms! – ohne aufzustehen die Tür wieder zuzog. Auch Teil der typischen Geräuschkulisse.

        1. Danke für die Belebung meines geposteten Bildes! An Klapp-Aschenbecher in Bussen – nicht in Stadtbussen – kann ich mich auch noch erinnern, ich habe ein Bild im Kopf, weiß aber nicht mehr in welchem Fahrzeug genau das gewesen ist. Auch an das Gefühl beim Aufklappen. Sehr interessant auch die Sache mit dem Ledergurt. Ob da wohl ab und zu ein paar gebrochene Finger zui beklagen waren?

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