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In Memoriam Walter Kreutz

In Memoriam Walter Kreutz

Vor wenigen Tagen ist Walter Kreuz im Alter von 90 Jahren verstorben. Alle, die sich mit der Innsbrucker Lokalgeschichte und speziell mit Straßenbahnen beschäftigen, kennen „den“ Kreutz.

„Vergangenes oder das, was bald schon vergangen sein wird, festhalten und dokumentieren war von Anbeginn der Grund für mich zum Fotografieren und Sammeln“, meinte Walter Kreutz einmal bei einem Interview. Damit ist auch schon das Meiste gesagt, aber nicht Alles.

Am 3. August 1931 in der Pradler Straße 48 geboren, führte er seine Leidenschaft für Straßenbahnen später darauf zurück, dass dort alle paar Minuten eine Straßenbahn vorbeifuhr. Später besuchte er das Gymnasium in der Angerzellgasse. Sein Interesse an Straßen- und Eisenbahnen wuchs in diesen Jahren weiter. Nach der Matura waren seine beruflichen Aussichten im Nachkriegs-Innsbruck sehr trüb. Ab 1952 war er als „fix angestellter Schneeschaufler und Reinigungskraft“ (Zitat Walter Kreutz) bei den Österreichischen Bundesbahnen angestellt. Er konnte seinem Traum nahe sein und sein weiterer Berufsweg war damit auch vorgezeichnet. Und schon bald konnte er die Schneeschaufel in die Ecke stellen und sich wertgeschätzteren Aufgaben bei der ÖBB widmen. Der Berufstraum Fahrdienstleiter blieb ihm als Brillenträger jedoch verwehrt.

Schon nach wenigen Jahren stieg Walter Kreutz zum in Fachkreisen österreichweit geschätzten Autor in Fachzeitschriften auf. Daneben betreute er zusammen mit Herbert Buzas in der Tiroler Tageszeitung über viele Jahre die Serie „Innsbruck – vorgestern und heute“. Dabei wurde ein historisches Foto aus der Sammlung Walter Kreutz einem Foto aus der Gegenwart gegenübergestellt. Durch seine wachsende Bekanntheit erhielt er auch immer wieder Angebote, alte Fotos und Sammlungen zu übernehmen. Vor allem die Übernahme von Archiven von professionellen Fotografen wie beispielsweise Foto Gratl und Redlich, waren Meilensteine im Aufbau seiner Sammlung. Diese Bestände bilden auch heute den Schwerpunkt seiner Sammlung, die heute in seinem Namen im Innsbrucker Stadtarchiv aufbewahrt und häufig genützt wird.

Bei so viel Feuer für sein Hobby musste auch seine Frau Eva, die ihn 1957 (trotzdem?) heiratete, mit sehr viel Geduld und Verständnis gesegnet sein. Der gemeinsame Sohn Burkhard hat eine andere sehr respektable Berufslaufbahn eingeschlagen und teilt die Begeisterung seines Vaters für Eisenbahnen nur insoweit, dass sein eigenes Wohnhaus an einer stark befahrenen Eisenbahnlinie liegt.

1982 erschien „der Kreutz“, wie das Buch bis heute respektvoll genannt wird: „Straßenbahnen, Busse und Seilbahnen von Innsbruck“. In Anerkennung dieser Arbeit erhielt Walter Kreutz 1983 das Kulturehrenzeichen der Stadt Innsbruck. Das Buch ist 2011 in der Veröffentlichungsreihe des Innsbrucker Stadtarchivs von Walter Kreutz in überarbeiteter und erweiterter Form neu veröffentlicht worden.

Und dennoch geht die Verbindung zwischen Walter Kreutz und dem Innsbrucker Stadtarchiv weit über dieses Buch hinaus: Es wird wohl 1999 gewesen sein, als ich Walter Kreutz persönlich näher kennenlernen durfte. Es ging um die Übernahme seiner Sammlung in das Stadtarchiv Innsbruck. Ich war damals noch ein sehr junger Archivleiter. Wir haben sehr schnell freundschaftlich eine einvernehmliche Lösung gefunden. Das „Politische“ übernahmen die damaligen Bgm. Herwig Van Staa und StR. Georg Gschnitzer. Viele kuriose Episoden könnten hierzu berichtet werden…

Es bedurfte viel gegenseitiges Vertrauen, dass dieser Austausch, der sich schlussendlich von 2001 bis 2021 erstreckte, ohne jeglicher Dissonanz in bester Freundschaft abgewickelt werden konnte. Die letzten Beständen übernahmen wir im Frühjahr heurigen Jahres. Walter war da schon deutlich von der Last seines Alters und der Verantwortung für seine Frau gebeugt. Er war zwar alt, aber geistig immer noch topfit. Seinen trockenen Humor hat er sein Leben lang nicht verloren.

Unser letztes Treffen fand vor wenigen Wochen in seinem neuen Zuhause, dem Wohnheim Hötting, statt. StR. Uschi Schwarzl war dabei, Matthias Egger vom Stadtarchiv und ich. Es war eine Form des Abschieds. Dabei entstand das Titelfoto.

Heute verneigen wir uns in allem Respekt und in großer Dankbarkeit vor dem Lebenswerk von Walter Kreutz und vor allem Walter als Mensch und Freund.

Lukas Morscher

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare
  1. Auch ich habe Walter Kreutz gekannt. Als ich einstens eine private Webseite über den Flughafen gebastelt habe, wurde mir als unerschöpfliche Bilderquelle ein Herr Kreutz in Pradl genannt. Im darauf folgenden Telefonat lud er mich sofort zu sich nach Hause ein, „Kommen’s einfach übermorgen Abend um Fünf, i richt Ihnen derweil was zamm“ war die erste Erfahrung mit seiner unkomplizierten Art. Im Gespräch mit ihm kamen wir drauf, daß es mein Vater gewesen ist bei dem er seine allererste Kamera gekauft hat, den er gut kannte. Ich konnte mich dann auch erinnern, daß er es gewesen ist, der – mit pietätvollem zeitlichem Abstand – nach dem Tod meines Vaters bei meiner Mutter vorstellig geworden ist, ob er, bevor sie irgendwelche Fotos wegwirft, diese für seine Sammlung haben dürfe. Die Fotos meines Vaters enthielten aber fast ausschließlich nur doofe Familienbilder (die mir sowas von wurscht sind) von denen sich meine Mutter nicht trennen wollte (und die wohl auch für Walter Kreutz völlig uninteressant gewesen wären).
    Er besaß tatsächlich trotz Straßenbahnlastigkeit etliche völlig unbekannte Fotos vom Flughafen, sowohl Reichenau, den er als Bub ja noch in Betrieb erlebte, als auch vom frühen Kranebitten. Die Straßenbahnlastigkeit verneinte er schon damals und bekundete eher Interesse an allem, was das vergangene Innsbruck betraf. Ohne langes Hin und Her konnte ich diesen Schatz zum Einscannen leihweise mit nach Hause nehmen.
    Später traf ich ihn nochmals in der Werkstätte der Museumsbahnen wo er mir vieles zu den ausgestellten Fahrzeugen erklärte, vorallem die genaue Funktionsweise diverser Griffe und Hebelchen, deren Zweck oder Wirkungsweise mir als Kind ein Rätsel war.
    Möge er in Frieden ruhen. Oder noch besser, befreit von Zeit und Raum sein altes Innsbruck ohne Grenzen erkunden können. Es muss ja noch mehr geben, als wie mit Abraham und Jakob zu Tische sitzen zu dürfen.

  2. Suchte man ein Bild der Straßen- oder Eisenbahn oder was seltenes von Innsbruck im Eckhaus Reichenauer – Pembauerstraße wurde man beim Walter in seinem riesigen Archiv immer fündig. Zum Teil Bilder auch auf Glasplatten Negativen.
    R.I.P. Danke Walter für deine Hilfe – Ruhe in Frieden

  3. Ich habe Herrn Kreutz nie persönlich kennengelernt, aber immer, wenn es um die Innsbrucker Stadtgeschichte gegangen ist, von ihm gehört.
    Herr Kreutz hat viele Fotos selbst gemacht und wahrscheinlich noch mehr von anderen Fotografen gerettet, welche sonst unwiederbringlich verloren gegangen wären. Sie alle ermöglichen uns ein wunderbares, tägliches „Kopfkino“, wenn man das aktuelle Bild einer Örtlichkeit mit alten Ansichten abgleicht.

    Walter Kreuz und Kollegen werden in vielen von uns weiterleben, wenn wir einer Straße nicht nur entlang rennen, sondern stehen bleiben, mögliche Standorte der Fotografen nachvollziehen und „quer“ viel Interessantes anschauen, was wir sonst nie gesehen hätten.
    Vielen Dank dafür!

  4. Meine erste Begegnung mit Walter Kreutz war keine reale, sondern eine „erlesene“: mit 12 Jahren bekam ich, von Muttern als Straßenbahnfan enttarnt (was damals etwas recht Exotisches war, ich kannte mangels Internet auch noch keine anderen) „den Kreutz“, also die 1982 erschienene erste Ausgabe seines Buches „Straßenbahnen, Busse und Seilbahnen“, zu Weihnachten geschenkt. Fürderhin wurde dieses Buch zu einer Art Dauerlektüre, in der ich immer wieder schmökerte und vor allem die Fotos betrachtete, auch wenn ich viele Zusammenhänge noch nicht erkannte (bis heute habe ich „Aha“-Erlebnisse, wenn ich wieder mal darin schmökere) und ich vor allem die chronologisch geschilderten Geschehnisse von Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Nachkriegszeit kaum verstand – mit Kaiserzeit oder Kriegsruinen hatte ich als Kind der 1970er und 1980er keine Berührungspunkte. Mir gefielen einfach die Straßenbahnen – gar nicht so sehr jene der ersten Generation (die Holzkastentriebwagen, Beiwagen mit Plattformen etc.), sondern die damals aktuellen, die „Bielefelder“, „Lohner“ und „Hagener“, und die längst eingestellten, vergessenen Straßenbahnlinien der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Lauf der Zeit lernte ich das Buch quasi auswendig, und im Lauf der Jahre wuchs auch mein Interesse für die darin behandelten anderen Formen des städtischen ÖV.
    Mit den beiden nachfolgenden Revisionen des Buches 1991 und 2011 kamen jeweils auch neue Informationen, sowohl die der letzten ca. zehn Jahre als auch revidierte von früher, und insbesondere die dritte Ausgabe von 2011 brachte einen Komplettaustausch der Fotos – wer sich wirklich interessiert, sollte die 2. und die 3. besitzen, denn fast alle Fotografien mit Ausnahme einmaliger „Schlüsselbilder“ wurden in der 3. ersetzt. Manche der ersetzten Aufnahmen entsprechen fast jenen in der 1./2., zeigen jedoch eine etwas andere Perspektive oder andere Details.
    Ich kann ohne Übertreibung sagen, dass das Hauptwerk von Walter Kreutz viele meiner Aktivitäten bis heute prägt, wenn es auch nicht meine berufliche Laufbahn bestimmte, da hat sich ein ganz anderes meiner Interessensgebiete durchgesetzt.
    So war es für mich auch etwas ganz Besonderes, als ich Walter Kreutz im Straßenbahnmuseum der TMB zum ersten Mal persönlich begegnete. Er war ein Idol meiner Kindheit gewesen, und da war er plötzlich, als realer Mensch, und redete mit mir! Ich war für kurze Zeit, ca. drei Jahre, aktives Museumsbahnen-Mitglied, und in dieser Zeit konnte ich mich oft mit ihm unterhalten. Viele Zusammenhänge erschlossen sich mir erst im Gespräch mit ihm und mehr als nur einmal nahm er eines oder mehrere Alben seiner Sammlung mit zum Museumsdienst, um mir bestimmte Dinge zu zeigen oder sie mir zum Einscannen für meine Website oder für Periodika, für die ich Artikel schrieb, mitzugeben. Er teilte gern und ausführlich nicht nur seine Sammlung historischer Fotos, sondern auch seine Erfahrungen und sein Wissen mit mir und allen anderen, die vielleicht gerade zugegen waren und zuhörten, und wusste immer etwas zu erzählen. Und damals war er, immerhin schon in seinen 70ern, auch selbst noch mit der Kamera unterwegs, wenn bei der Straßenbahn Wichtiges passierte, wie zum Beispiel die ersten Testfahrten eines Niederflurtriebwagens. Die täglichen Spaziergänge mit seinen Huskies hielten ihn fit.
    Das ist nur meine Perspektive. Walter Kreutz war ja noch viel, viel mehr als ein Archivar und Chronist des Innsbrucker Stadtverkehrs.
    Ich schätze mich glücklich, diesen Menschen gekannt zu haben.

  5. Walter Kreutz – ein synonym für Interessierte an Verkehrsmitteln oder auch der Stadt Innsbruck und naher Umgebung.
    Als Freund meiner Eltern durfte ich Kreutz Walter schon seit langer Zeit kennen. Er förderte auch mein frühes Interesse an der Eisen- und Strassenbahn, Wir tauschten hie und da Fotos, wenn er keine Möglichkeit dazu hatte, sie selbst zu schießen. Mit der Zeit kam auch bei mir das Interesse am alten Innsbruck dazu. Jedenfalls habe ich einiges von ihm abschauen können, bzw. von ihm gelernt. Beim Buch der Innsbrucker Straßenbahn durfte ich beim Rohband Korrektur lesen. Das Buch wäre damals schon mindestens die Hälfte umfangreicher geworden, hätte der Verlag nicht vieles weggelassen.
    Er hatte ein freundliches Wesen, mit ihm war es immer nett, sich zu unterhalten.
    Er möge in Frieden ruhen – wir vermissen ihn

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