Im wilden Süden
Mit dem heutigen Bild begeben wir uns in den Süden der Stadt, dort wo der Talboden sich schon wieder aufsteilt. Wir blicken in Richtung Nordwesten und vor uns tut sich ein interessantes Panorama Wiltens auf. Heute wäre die Sicht wohl von der Zentrale der Innsbrucker Verkehrsbetriebe sowie der Pädagogischen Hochschule verstellt. Der Grundriss der letzteren ist im Bild auch eingezeichnet, somit kann man wohl ausgehen, dass die Aufnahme im Zusammenhang mit dem Planungen zum Bau derselben entstanden ist.
An der Stelle, wo dereinst die Hochschule stehen wird, befand sich damals noch die sprichwörtliche grüne Wiese, einige Schrebergärten sowie die Ausläufer eines Schrottplatzes, dessen Ausmaße mich überrascht haben. Zu sehen sind Fahrzeuge in sämtlichen Größen und Einzelteilen. Pastorstraße und Fritz-Konzert-Straße schauen noch relativ frisch aus, womit man die Aufnahme wohl in die 1950er Jahren datieren kann, oder was sagen Sie bzw. geht das noch genauer?
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Ph-15486)
Auf dem Foto sind drei ex Basler Beiwagen der Straßenbahn zu sehen, nur zwei der ganzen Serie von zehn Wagen wurden laut Kreutz 1965 außer Dienst gestellt, einer 1961 und der Rest 1966. Die Pädak wurde 1976 gebaut und davor wohl die Schrottplätze geräumt, darauf basierend Versuch einer Ad-hoc-Grobdatierung:: 1966-1975.
Von den zwei ex Basler Bw nebeneinander etwa in Bildnitte habe ich Verschrottungsfotos an dieser Stelle, ich wusste bis jetzt nicht, wo das aufgenommen wurde. Wenn ich Zeit habe, sehe ich mal nach dem Aufnahmedatum dieser Bilder. Tolles Foto im übrigen, danke!
Hier ist die Situation in Bildmitte aus der Nähe zu sehen. Fotografiert wurden die Dias von Hilmar Werner aus Kassel, eine genauere Datierung als „1971“ gibt es leider nicht. Zu sehen sind die ex Basler Beiwagen 159 und 158 (ersterer als solcher erkennbar, Letzterer nur vermutet) am Gelände einer (Bau-?)firma namens Plattner. Baufirma deshalb, weil sie laut Beschreibung dort als Bauhütten verwendet wurden, man sieht dass Zeug darin gelagert wurde.
http://forum.strassenbahn.tk/img/photos/history/holger-werner_scans1969-1977/1971_S_21-32.jpg
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Am Artikelfoto hat der linke Beiwagen, vermutlich 158, noch seine Außenwand. Die war nicht abnehmbar. Die 1971er-Fotos können also nur später entstanden sein. Walter Kreutz wusste noch etwas mehr, nämlich (Ausgabe 2011, S. 135): „7. Dezember 1965 (…) Bw. 158 bis 160 kommen auf den Lagerplatz der Firma Eisen Plattner.“
Das Foto ist ein Sommerbild, also bleibt vorerst folgende Eingrenzung der Datierung: Frühjahr 1966 – 1971.
Korrigierte Fotolinks:
http://forum.strassenbahn.tk/img/photos/history/holger-werner_scans1969-1977/1971_S_21-32.jpg
http://forum.strassenbahn.tk/img/photos/history/holger-werner_scans1969-1977/1971_S_21-33.jpg
http://forum.strassenbahn.tk/img/photos/history/holger-werner_scans1969-1977/1971_S_21-34.jpg
Das Auto ganz links oben, ist das ein Opel Tigra 504 GT, mit Doppelverschaser und automatischem Scheibenwischer ?
Dieser Schrottplatz hat mich immer fasziniert. Früher war das laut Adressbuch der Zweitplatz des Schrotthändlers Kahlhammer. Wo war der „Erstplatz“? In der Egger Lienz Straße, südlich von der Feldkapelle, wo dann das Shell Lager hinkam. Wir Buben konnten dort ungehindert herumgehen und staunen. Einer von uns ergatterte um einen Pappenstiel ein ganzes Lenkrad inklusive Lenksäule, Blinkerhebel und Schalthebel. Er durfte es am Wohnzimmertisch montieren und war im siebten Himmel. Der Wohnzimmertisch stand immerhin am Vögelebichl. Ganz hinten. Dieser Freund glaubte auch zu wissen, dass dort Teile von Bombern gelagert seien. Erst viel später erfuhr ich aus berufenem Munde, dass die von den Amis nicht verwerteten Reste der in Kranebitten gestrandeten Flugzeuge der deutschen Luftwaffe tatsächlich an den Kahlhammer gelangt sind. Desgleichen angeblich auch die Reste der Glungezer Britannia.
Später gehörte der Platz der Firma Eisen Plattner. Ich erinnere mich mit Sicherheit, dass ich dort noch Mitte der 80er noch Eisenteile gekauft habe.
Der Alteisenhandel muß ein einträgliches Geschäft gewesen sein. Neben dem Schrottplatz sieht man die aus den frühen 50er Jahren stammende Kahlhammer Villa. Immer wieder bestaunt von den Holzklasse fahrenden Passagieren der Stubaier, erregte vor allem das im Weichbild der Stadt (wer hat denn diese Floskel erfunden, Weichbild) noch seltene Schwimmbecken im Garten. Es kam ein paar Jahre später dazu, am 58er Luftbild sieht mans schon. Am selben LB sieht man am Ende der Duilestraße eine große Ansammlung von Altautos, allerdings abgestellt und nicht gestapelt, was eher nicht Kahlhammerscher Stil gewesen ist.
Der Zufallsfund der beiden Basler Beiwagen datiert die Aufnahme via Luftbild genauer, aber nicht genauer als 68-74, wie schon Herr Schneiderbauer vermutet. Ich bilde mir ein, 1968 kann man die beiden Beiwagen ausmachen, 1974 an anderer Stelle noch immer.
Mein privates Gustostück: Die wirklich fast schon antike Straßenwalze neben dem linken Waggon, direkt an der Straße. Weiter zu fahren hätte noch einmal zwei Stunden gebraucht.
Hätte ich mir denken können, Herr Hirsch, dass Sie dort herumgehirscht sind 🙂
Wenn das wirklich in den 1980ern noch existiert hat, hätte ich als Kind auch mal dort sein können, aber wenn, dann kann ich mich absolut nicht erinnern. Ich war zwar mit dem Fahrrad öfter mal in der Sillschlucht und auch sonst an vielen Orten in ganz Innsbruck, aber ich denke, dieses Gebiet war mir unbekannt.