Herbsthauptübung ’66
Am 30. Oktober 1966, einem Sonntag, ging in Hötting eine großangelegte Einsatzübung über die Bühne. „Die Annahme lautete, daß um 10 Uhr ein Passagierflugzeug über dem Planötzenhof angestürzt war, dabei das Wirtschaftsgebäude in Brand setzte und dann auf der Wiese zerschellte. Fluggäste wurden aus der Maschine geschleudert und verschiedenen Grades verletzt.“ Möglicherweise gab die Bruchlandung eines Segelfliegers in der Dorfgasse drei Jahre zuvor den Anstoß für dieses Szenario.
Um dieses fordernde Szenario unter möglichst realistischen Bedingungen zu beüben, hatten die Organisatoren im Vorfeld nicht nur absolutes stillschweigen vereinbart, sondern an diesem Sonntag um 10 Uhr beim Planötzenhof auch eine Wanne mit einem Gemisch aus Heizöl und Benzin (insgesamt 600 Liter) gefüllt und angezündet. Kurz darauf war eine mächtige, schwarze Rauchsäule von der Stadt aus zu sehen und das Heulen der Sirenen zu hören. Neben der Freiwilligen Feuerwehr Hötting eilten auch die FF Mühlau mit zwei Fahrzeugen, die FF Arzl mit einem Fahrzeug und die Berufsfeuerwehr Innsbruck mit einer Gruppe zum (angenommenen) Unglücksort. Ebenso rückte der Katastrophenzug der Rettung Innsbruck aus.
Wie Fedor Viktor Habermüller, der Fotograf diese Aufnahme, tags darauf in der TT schrieb, hielten „die Höttinger […] den Brand im Flugzeugwrack mit zwei Schaumrohren nieder, die dritte Gruppe versorgte im Verein mit der Freiwilligen Rettung die Verletzten. Die anderen Einheiten bekämpften den Brand im Wirtschaftsgebäude mit allen zu Gebote stehenden Mitteln. Das Wasser mußte mit Tankfahrzeugen im Pendelverkehr von Sadrach zum Planötzenhof befördert werden. Wieder einmal zeigte sich, daß die Freiwilligen Feuerwehren und die Berufsfeuerwehr nicht nur eine ideelle Gemeinschaft, sondern auch eine Gemeinschaft der Hilfsbereitschaft und der Tat bilden, wenn die Not an sie herantritt. […] Bezirksfeuerwehrkommandant Kuen und Brandrat Ing. Angermair spendeten den rund 80 im Einsatz stehenden Feuerwehr- und Rettungsmännern nach der Uebung hohes Lob. Sie hatten ihre Aufgaben großartig bewältigt und bewiesen durch ihren Einsatz, daß es sich für einen jungen Menschen lohnen müßte, einer Freiwilligen Feuerwehr beizutreten und so wirklichen Dienst am Nächsten ohne Pathos und ‚Angabe‘ zu leisten.“ Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.
(StAI, Ph-3119)