Ein Hut für alle Fälle
Die Firma des Stroh-, Filzhutfabrikanten Wilhelm Trager wurde im Jahr 1870 gegründet. Der Firmensitz befand sich in der Innstraße 33. Auf dem nächsten Foto ist rechts im Vordergrund das Geschäftslokal Wilhelm Tragers, dem übrigens das ganze Gebäude gehörte, abgebildet.

Wilhelm Trager betrieb auch eine Filiale in der Herzog-Friedrich-Straße 3. Auf dem folgenden Foto, das während der großen Kanalbauarbeiten in der Altstadt, im Jahr 1903 entstanden ist, kann man das Firmenschild erkennen und hinter großen Schuttbergen die Schaufenster des Geschäfts erahnen.

Die Filiale in der Herzog-Friedrich-Straße 3 wurde im Jahr 1929 komplett umgebaut und modernisiert. Die Innsbrucker Nachrichten vom 14. September 1929 berichteten begeistert über die von der Baufirma Huter durchgeführten Arbeiten: „Ein modernes Modenhutgeschäft in der Altstadt. Die Modernisierung der Geschäftsläden in der Altstadt geht mit raschen Schritten vorwärts. Innsbruck hat sich in den letzten Jahren schon den Ruf erworben, eine Reihe mustergültiger Geschäfte zu besitzen, die sich in jeder Großstadt sehen lassen können. Daß dieser moderne Zug sich auch in der Altstadt zeigt, ist besonders erfreulich. Nunmehr hat auch die Innsbrucker Stroh-, Filz- und Modellhutfabrik Wilhelm Trager ihr Detailgeschäft im Gebäude der Bezirkshauptmannschaft in der Herzog-Friedrich-Straße durch die Baufirma Huter vollständig neu ausgestalten lassen. Unter dem wuchtigen alten Gewölbe stehen die zahlreichen schönen Vitrinen mit den verschiedensten Sorten von Hüten, unter denen man gar manches Modellerzeugnis der Hutmacherkunst finden kann, das wirklich als Kunstwerk und als Musterleistung vornehmen Geschmackes angesprochen werden darf. Auch die modernen angenehmen Sitzgelegenheiten für die Kunden tragen das ihre dazu bei, um die Wirkung dieses mit dem besten Geschmacke modernisierten Geschäftslokales noch zu erhöhen.“
Leider habe ich in unserer Datenbank keine Fotos dieses Umbaus gefunden.
(Stadtarchiv Innsbruck, Pt-91-11, KR-PL-2384, Ph-A-24379-10)
Wilhelm Joseph Trager (* 05.10.1838 in St. Nikolaus, + 27.07.1922 in St. Nikolaus) war offensichtlich ein recht erfolgreicher Geschäftsmann, privat musste er aber einige Schicksalsschläge hinnehmen.
Mit seiner ersten Frau Maria Barbara geb. Mair hatte er 3 Kinder. 10 Monate nach der Geburt der dritten Tochter verstarb seine Frau mit nur 30 Jahren an Typhus. Auch den Tod dieser dritten Tochter im Jahr 1911 musste er erleben.
In zweiter Ehe war er mit Agnes geb. Reiter verheiratet. Der erste Sohn aus dieser Ehe starb 9 Tage nach der Geburt. Die beiden folgenden Kinder, Zwillinge, starben einen Tag nach der Geburt. Von den insgesamt 5 Kindern dieser zweiten Ehe überlebten 2: Sohn Wilhelm jun., der zunächst auch das Geschäft übernahm und Tochter Carolina Agnes. 16 Jahre nach der Hochzeit starb die zweite Ehefrau im Jahre 1889. Sie wurde 53 Jahre alt. Den Freitod ihres Sohnes Wilhelm im Jahr 1927 mussten die Eheleute nicht erleben.
1892 wurde W. Trager und seiner dritten Ehefrau, der aus Telfs stammenden Maria Delago, eine Tochter geboren, Aloisia Anna Maria. Wilhelm Trager wurde 84 Jahre alt, seine Frau überlebte ihn um 9 Jahre.
Aloisia Trager verh. Honomichl legte im März 1934 die Meisterprüfung als Modistin ab und führte das Geschäft in der Herzog-Friedrich-Straße 3 (immer noch unter dem Namen Wilhelm Trager jun., aber mit dem Zusatz „Inhaberin Luise Honomichl“) weiter, später dann in der Anichstraße 2, wo sie lt. AB 1944 u. a. auch Schützenhüte und Uniformartikel anbot.
Auf dem zweiten Bild ist zwischen den Erkerfenstern des 1. und 2. Stockwerkes noch die Gedenktafel zu sehen, die an den in diesem Hause geborenen Franz Thurner, den Begründer des Innsbrucker Feuerwehr- und Turnwesens, erinnerte. Er wurde am 25. Oktober 1828 im Haus mit der Kataster-Nr. 433 (später Innstr. 33, heute Innstr. 27) als Sohn des Seilermeisters Franz Xaver Thurner und der Notburga geb. Kraner geboren und lt. Taufbuch-Eintrag der Pfarre Mariahilf auf den Namen Franz Xaver Johann getauft. Die Gedenktafel ist verschwunden, sein Denkmal im Waltherpark existiert noch:
https://innsbruck-erinnert.at/das-thurner-denkmal-im-waltherpark/