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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Große Pläne

Große Pläne

Das Titelbild zeigt ein 95 x 62,8 Zentimeter großes Plakat mit dem Titel „Ausstellung und Beweisführung der Manöverierfähigkeit des lenkbaren Luftschiff-Modells Alpenjäger“. Der Plakatentwurf stammte von dem Maler, Graphiker und Mitbegründer der Graphischen Kunstanstalt Innsbruck, Ernst Friedrich Max Schammler. Mit dem Plakat wurde die Ausstellung eines lenkbaren Luftschiffmodells, das von dem Innsbrucker Technikstudenten Oskar Hummel erfunden und zum Patent angemeldet wurde, angekündigt.

Im Allgemeinen Tiroler Anzeiger vom 28. November 1910 wurde über den jungen Erfinder, seine Ideen und das ausgestellte Luftschiff- Modell ausführlich berichtet:

„Lenkbares Luftschiff—Modell „Alpenjäger“. Die Erfindung eines Innsbruckers. Ausstellung im Löwenhaustheater. Oskar Hummel, Sohn des Ch. Hummel, Malermeister in Innsbruck, geboren zu Inns­bruck am 23. Dezember 1890, besuchte die Volks­schule sowie die Unterrealschule in Innsbruck. Nach Absolvierung letzterer ließ er sich am Tech­nikum in Konstanz inskribieren und machte nach zwei Semestern das vorgeschriebene praktische Jahr in den Werkstätten der Maschinenbaufirma J. Oberhammer hier. Während seines Aufenthaltes am Bodensee hatte er mehrfach Gelegenheit, das Zeppelinsche Fahrzeug näher zu be­obachten und kam auf den Gedanken, die maschinelle Kraft, die eine derartige Vorwärts­bewegung hervorrufe, müsse auch dieselbe Kraft nach allen anderen Richtungen auswirken können, wenn nur die Propeller demgemäß angebracht würden. Oskar Hummel ging nun daran, eine entsprechende Zeichnung anzufertigen. Der Vater sah anfangs seinem Beginnen mit Achselzucken zu, bemerkte aber nach einiger Zeit, daß die Zeich­nung doch etwas mehr verspreche, als pure Phantasie. Auch die Brüder Albert und Walter unterstützten den Konstrukteur in der freien Zeit und so kam im Winter 1909/10 nach seiner Zeich­nung ein kleines Modell zustande. Es wurde das Patent angemeldet und der Vater hielt an der Hand dieses Modells in Innsbruck in einem kleinen Kreise im Restaurant Hellenstainer und im Tiroler Gewerbeverein je einen Vortrag. Durch die günstige Aufnahme dieser Vorträge ermutigt, erklärte der Vater, er werde sein Mög­lichstes tun, die Sache besser zu veranschaulichen. Man entschloß sich zum Baue eines größeren Modells und übertrug den maschinellen Teil der Firma Röthy und Wiedner in Innsbruck, die denselben zur vollsten Zufriedenheit hergestellt hat. Der Modellballon, dessen Herstellung 1500 K gekostet hat, ist in ziemlicher Größe ausgeführt, der Ballonkörper etwa gegen 3 Meter lang, die Propellerflügel 20 Zentimeter lang. Das Neuartige am ,.Alpenjäger“ ist, daß dessen Steuerung ausschließlich durch maschinelle Kraft der acht Propeller erfolgt, von denen vier in der Horizontalen, 4 in der Vertikalen bis zu 180° verstellbar sind, verstellbar auch während ihrer Rotation. Diese Aufgaben hat der junge Erfinder verblüffend einfach gelöst. Beim Modell erhalten die Propeller ihren Antrieb durch zwei Elektromotore, von denen jeder ein Fünftel Pferdekraft produziert. Leider war am Samstag die Ausbalancierung des ziem­lich schweren Modells noch nicht völlig vollendet, so daß man sich mehr auf das exakte Wirken der in die zwei Gondeln eingebauten Maschinerie beschränken mußte, anstatt den im Programm angekündigten Evolutionen des Modells folgen zu können – ein Mangel, dessen eheste Aufhebung seitens der Aussteller versprochen wurde. Oskar Hummel beabsichtigt, nächste Woche schon wieder seinen Studien in Konstanz nachzu­gehen, da er bereits infolge des Modellbaues von der Direktion des Technikums in Konstanz eine Ferienverlängerung von fünf Wochen erhielt. Da der Bau eines Naturballons geplant ist, jedoch die hiezu erforderlichen Geldmittel fehlen, so wurde bei der Kassa im Löwenhaustheater eine Subskriptionsliste aufgelegt, wo jedermann nach Verhältnissen einen Betrag zeichnen kann. Zum Baue sind rund 200.000 K (samt Halle) erfor­derlich und es wird das Inkasso der gezeichneten Beträge, nachdem 100.000 K gezeichnet sind, einer Bank übergeben. Aus den Berechnungen, die für die Aus­führung eines Lenkballons mit maschineller Steuerung notwendig sind, erhalten wir von Herrn Oskar Hummel folgende Endresultate zugestellt: Die Abmessung des Ballons sind: 120 Meter Länge bei 13 Meter Durchmesser mit 13.560 Kubikmeter Fassungsraum. Die Propeller erhalten einen Durchmesser von 2,5 Meter. Zur Anwendung kommen zwei Benzinmotoren mit je 50 Pferdestärken. Diesen Dimen­sionen des Ballons entspricht eine Tragfähigkeit von 13.500 Kilogramm. Der Ballon erhält in vollständig ausgerüstetem Zu­stande für eine zehnstündige Fahrt ein Gewicht von zirka 6000 Kilogramm. Die Gondel soll für 50 Personen Raum erhalten. Nehmen wir das Gewicht einer Person mit durchschnittlich 70 Kilogramm an, so erhalten wir ein Gewicht von 3500 Kilogramm. Zählen wir das Gewicht des Bal­lons sowie das der Personen zusammen, so erhalten wir ein Uebergewicht von 2000 Kilo­gramm, das für Reserveteile aufgebraucht werden kann. Nehmen wir den Propeller mit 1500 Um­drehungen pro Minute an, so erhalten wir eine theoretische Kilometerzahl von 279 Kilometer pro Stunde.“

Um die Geldmittel für den Bau des Luftschiffs aufzutreiben, wurden einige Anstrengungen, die aber nicht von Erfolg gekrönt waren, unternommen. Es kam nie zur Verwirklichung der hochfliegenden Pläne Oskar Hummels.

(Stadtarchiv Innsbruck, Pt-60)

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Anscheinend hatte sich damals das heute verbreitete Wissen, dass Hummeln eigentlich flugunfähig sind, noch nicht herumgesprochen.

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