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Genug Ist Genug

Genug ist genug

Das dachte sich wohl Casimir Carl Schumacher (1766-1824) am 21. August 1809 und griff zu Feder und Papier, um an den Stadtmagistrat zu schreiben. Was war passiert?

Der aus Freiburg i. Br. stammende Schumacher war als 26jähriger nach Innsbruck gekommen, wo er in die Wagner’sche Buchhandlung einstieg, die er 1803 übernehmen sollte. Er etablierte sich rasch im öffentlichen Leben der Stadt, wurde 1805 zum Magistratsrat und 1807 zum Bürgermeister gewählt. Auch wenn die Zeiten unruhig waren – wir befinden uns mitten in den Koalitionskriegen (1792-1815) – dürfte Schumacher wohl kaum geahnt haben, was ihn erwartet. Sonst hätte er die Wahl vermutlich dankend abgelehnt.

Knapp zwei Jahre nach seiner Wahl geriet er im turbulenten Jahr 1809 gleich mehrfach zwischen die Fronten. Als Vollzugsorgan der öfters wechselnden Besatzungsmächte in der Stadt zog er sich den Unmut der Aufständischen bzw. der Bayern zu, weshalb ihn beide Seiten zeitweise inhaftierten. Dem nicht genug, wurde er zur Zielscheibe von Übergriffen und sein Haus zweimal geplündert. Bereits am 24. Mai 1809 reichte Schumacher daher seinen Rücktritt ein. Jedoch wählten ihn die Innsbrucker im folgenden Wahlgang erneut zum Bürgermeister. Als er sich nach dem dritten, für die Tiroler erfolgreichen Gefecht am Bergisel erneut mit massiven Anfeindungen und Übergriffen seitens der Tiroler Rebellen konfrontiert sah, hatte er endgültig genug. Er setzte sich hin und schrieb an den „wohllöblichen Stadtmagistrat“:

Die so unglücklichen Ereignisse welche mich verflossene Woche trafen sind Ihnen hochschätzbarste Herrn Räthe nur zu bekannt, als daß sie noch einer Erwähnung bedürfen.
Zweymahl bin ich nun geplündert, und dreimahl in die Nothwendigkeit gesetzt worden, mich wie ein Missethäter zu verkriechen, um dem Todtschlage, oder wenigstens öffentlicher Mißhandlungen zu entgehen.
Ich will nicht untersuchen, was Ursache seyn mag, die Ehre des Amtes, und die Erhaltung des wenigen was ich noch habe zwingen mich aber mit heutigem Tage die Bürgermeisterstelle niederzulegen.
Nach diesen Vorgängen wird es der Bürgerschaft erwünscht seyn, einen würdigeren Mann an ihre Spitze zu bekommen. Übrigens danke ich sämtlichen Herrn Räthen und besonders Ihnen Herr Syndikus [Johann Anton Suitner] für Ihre thätige Mitwirkung und Gedult [sic]. Während der Epoche meines Bürgermeister Amtes lag es nicht in den Zeitverhältnissen der Stadt etwas [?] nützen zu können, so trett [sic] ich doch mit dem Bewußtseyn ab, das Ueblere nach Kräften abgewendet zu haben.

Innsbruck d[en] 21t August 1809

Casimir Schumacher als abtrettender [sic] Bürgermeister

Wenn Sie nun wissen wollen, wie die Stadtväter und der in der Hofburg residierende Sandwirt auf diesen Rücktritt reagierten, folgt hier ein Lesetipp: Matthias Egger / Andreas Oberhofer, Machen Sie also Mittel oder ich gehe. Andreas Hofer und die Innsbrucker Stadtpolitik im Jahr 1809, Veröffentlichungen des Innsbrucker Stadtarchivs, Neue Folge 74, Innsbruck-Wien 2022.

Titelbild aus: Schumacher, Franz (Hrsg.), Anton Knoflach’s Tagebuch über die Ereignisse in Innsbruck im Jahre Neun („Anno Neun“ XIII), Innsbruck 1909 / Text: StAI, COML 1806-1809/3.

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