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Finde Den Fehler

Finde den Fehler

Ein Blick in das nahende Ende der Mentlgasse zeigt am rechten Bildrand eine unscheinbare aber doch klare Ansage: „Abrissobjekt. Betreten Verboten“ und darunter die Initialen einer Baugesellschaft, die hier so auftritt als stünde ihr die staatliche oder magistratische Gewaltausübung zu.
Die Kurzfassung dieser Entwicklung ist wohl wieder einmal in dem Umstand zu suchen, dass Innsbruck nach dem Rausch der zweiten Olympischen Spiele so gut wie bankerott war und die verkaterte Stadtpolitik die Stadtentwicklung mangels eigener Ressourcen und Ambition in die Hände privater Bauentwickler legte bzw. legen musste. In den unten angeführten eher verschämten Kurzberichten zu diesem urbanen Megaprojekt wird neben pseudoromantisierenden Bleistiftentwürfen dafür das auch als Freud’scher Verschreiber verstehbare Vokabel „Stadtverbauung“ verwendet. Hier hat man sich derart verbaut, dass man bis zum heutigen Tag einzig die kontrollierte Sprengung aller Gebäude des Gevierts als mögliche Verschönerung der definitiv traurigsten Laubengänge und gefühlt seelenlosesten Kondominien der Alpenregion empfehlen möchte. Wenn der Autor dieser Zeilen mit seiner Lebensgefährtin nächtens die Mentlgasse atemlos durcheilt (was die einzig mögliche Form der Querung ist) wird gelegentlich im Gespräch verlangt, der Architekt möge zur Strafe für die nicht-Gestaltung gezwungen werden, hier eine Woche oder zwei bei Wasser und Brot selbst zu wohnen.


Die zu entfernenden Häuser hätten einiges an Geschichten zu erzählen. Die Volks-Zeitung erschien schon über 20 Jahre nicht mehr und das daneben befindliche Arbeiterheim wurde schon 30 Jahre „ehemaliges Arbeiterheim“ gerufen. Sie waren fixer Bestandteil der selbstbewußten sozialdemokratischen Infrastruktur der Zwischenkriegszeit gewesen, der die Protagonisten der Innsbrucker SPÖ nach 1945 nicht einmal annäherungsweise in Engagement, politischer Grundfestigkeit und somit auch Wahlergebnissen nacheifern konnten.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Über der Hausnummer Mentlgasse 10 findet sich das charakteristische dreieckige Emailschild der Tiroler Landesbrandversicherung, wie man es auch heute noch an manchen alten Häuser anzutreffen vermag.

  2. Auf der Haustür steht nicht „Abrissobjekt“ sondern „Abrissobyekt“ – das ist wohl die Lösung zum Beitragstitel „Finde den Fehler“.

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