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Ernste Andacht

Ernste Andacht

Es ist nicht oft, dass die Aufnahmen einer religiösen Prozession den Betrachter ehrlich berühren. Zu oft gibt es gelangweilte Ministranten, wenig andächtige Gläubige und andere Störenfriede.

Anders bei dieser Prozession, bei der mehrere junge Frauen in Tracht eine offenbare schwere Marienstatue auf den Schultern durch ein dörfliches Ambiente tragen. Davor eine weitere Frau, mit einem Gesteck (oder was ist denn?). Dahinter eine dichte Schlange von – meist oder ausschließlich weiblichem – Kirchenvolk.

Bei dem Haus am linken Bildrand ist ein Kruzifix mit Blumenschmuck und eine Herz-Jesu-Darstellung im Fenster angebracht, um die passierende Prozession zu ehren.

Besonders nett sind die beiden Geschwister am rechten Bildrand: Ein Mädchen in ihrem gepunkteten Sonntagskleid, mit Handtäschen und weißen Handschuhen hält den dummen kleinen Bruder (aus eigener Erfahrung weiß ich, dass kleine Brüder immer doof, blöd, störend und überflüssig sind) an der Hand. Diese trägt eine Krawatte zu kurzer Hose (wohl keine Lederhose). Vielleicht nicht ganz stilsicher, aber immerhin feierlich. Warum die beiden nicht andächtig auf die Prozession, sondern in Richtung des Fotografen blicken, ist nicht eindeutig zu erklären.

Es ist an dieser Stelle einfach zu profan, auf die elektrische Oberleitung der IVB hinzuweisen. Darum mach ich das auch nicht. Auch wenn jetzt Alle genau dorthin schauen.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum, Ph-20.759)

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare
  1. Wie schön, wieder ein Amraser Foto!
    Die Prozession geht in der Phil.-Welster-Straße gerade an der Kirche vorbei, links vorne der Bürgler-Hof.
    Bis etwa 1960 gab es in Amras gleich zwei große Prozessionen, – zu Fronleichnam und am Hohen Frauentag, dem Patrozinium der Kirche. Von vielen weiß ich, dass sie ihre Urlaube eigens so geplant haben, dass sie am 15. Augusi in Amras waren!
    Mir scheint, dass dies eine der August-Prozessionen war.
    Siehe auch http://innsbruck-erinnert.at/andaechtig/

  2. Neben dem offensichtlichen Insiderwissen von Herrn Engelbrecht, der Übereinstimmung mit alten Luftbildern und sogar dem Schatten des Kirchturms an der richtigen Stelle wäre ich – Absturz ins Profane – für eine Aufklärung betreffend der Oberleitung dankbar. Ist dort einmal der B vorbeigefahren? Hab immer gedacht, bei der Schutzengelkirche ist Endstation gewesen.

    1. Beim Bau des Obussystems in den 1940ern war auch eine Linienführung nach Amras geplant.
      Gefahren ist dort allerdings nie etwas, es blieb bei ein paar montierten Oberleitungsabschnitten im Ortskern von Amras.

  3. Kleine Korrektur: Burgler-Hof. Kein „ü“
    Hof und Mauer n steht noch, im Gegensatz zum Bauernhaus im Hintergrund. Die schönen Quarzphyllitdeckplatten gibt es leider ebenso nicht mehr.

    Die Obusleitung führte dann bei der Gemischtwarenhandlung Hocke (damals wohl schon Mayr) vorbei, die Geyrstraße südwärts und beim Bierwirt war der Wendeplatz. Eine Oberleitungsverankerung kann man dort noch beim Haus Bichlweg 4 sehen (ein älterer im Krieg recycelter Straßenbahnoberleitungsanker)

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