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Ein Festumzug Mit „Turnvater“ Jahn

Ein Festumzug mit „Turnvater“ Jahn

Am Sonntag, dem 13. Juli 1930 fand anlässlich des vom 10. bis 13. Juli 1930 in Innsbruck stattfindenden Bundesturnfestes ein großer Festumzug statt. Bereits am 9. Juli wurden die potentiellen Teilnehmer über eine Zeitungsnotiz in den Innsbrucker Nachrichten über die Modalitäten informiert: „Zum Festzuge am Sonntag ist der Verein um 7 Uhr vormittags beim Vereinsheim gestellt. Zur Teilnahme verpflichtet sind alle Turnerinnen und Turner, die im Besitze eines turnerischen Straßenkleides sind. Das Tragen des turnerischen Straßenkleides des ehemaligen Turnkreises Deutsch-Oesterreich (grauer Tuchrock, schwarze Hose, schwarzer Schlips, Turnerhut) ist nur Turnbrüdern gestattet, die vor dem 31. Juli 1914 dem Vereine beigetreten sind. Kriegsauszeichnungen sind beim Festzuge und beim Aufmarsch der Turnerwehrbaone [Turnerwehrbataillone] zu tragen.“

Der Festumzug wurde vom Publikum trotz strömenden Regens begeistert aufgenommen, vor allem der Festwagen mit dem überlebensgroßen Bildnis des „Turnvaters“ Jahn erregte besondere Aufmerksamkeit, wie einem Bericht der Innsbrucker Nachrichten vom 21. Juli 1930 zu entnehmen ist: „Zum Bundesturnfeste erhalten wir vom Festausschuß noch die Mitteilung, daß der im Festzuge mitgeführte, allseits berechtigtes Aufsehen erregende Südtiroler Gedenkwagen vom akademischen Bildhauer Albert Prantl=Schwaz in sehr eindrucksvoller Weise zur Durchführung gelangte; das im Zuge mitgeführte überlebensgroße Bildnis des Turnvaters Jahn stammt aus der Hand des akademischen Bildhauers Dr. Bitterlich = Innsbruck; während der Blumenschmuck der Festwagen in kunstsinniger Weise von der Gärtnerei Pfeiffer (Friedhofallee), die sonstigen Dekorationen von Tapezierer Brix hergestellt wurden.“

Es gab aber auch Kritik der Altstadtbewohner, weil nicht der komplette Umzug durch die Altstadt zog. Dazu erschien ebenfalls am 21. Juli 1930 in den Innsbrucker Nachrichten eine Erklärung des Veranstalters: „Auf verschiedene Anfragen der Bewohner der Altstadt, die es schmerzlich vermißten, daß der letzte Teil des Festzuges nicht, wie vorgesehen, über den Marktgraben, Herzog-Friedrich-Straße, Burggraben, sondern direkt von der Maria-Theresie-Straße über den Burggraben zum Rennweg geleitet wurde, diene zur Kenntnis, daß wegen der Schwierigkeiten der Führung mehrerer Festwagen durch die Altstadt eine länger dauernde, unliebsame Stauung des Festzuges eingetreten war, die die Führung des restlichen Teiles des Festzuges wegen der vorgeschrittenen Zeit auf dem kürzesten Wege über den Burggraben zum Rennweg erforderlich machte.“

Beim Titelbild handelt es sich um eine ungelaufene Postkarte. Das dafür verwendete schwarz-weiß Foto stammt von dem Innsbrucker Fotografen Karl Dornach. Es zeigt den Festwagen mit der überlebensgroßen Statue des „Turnvaters“ Jahn – auf dessen Schultern ein Adler sitzt – vor den Häusern Maria-Theresien-Straße 42, 44 und 46. Zahlreiche Zuschauer lehnen aus den Fenstern, oder stehen mit Schirmen vor dem Regen geschützt am Straßenrand.

(Stadtarchiv Innsbruck, Ph-34424)

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